Jan Koller: Zwischen physischer Naturgewalt und Beweglichkeit

Borussia Dortmund

Jan Koller hat einen besonderen Status bei den Fans von Borussia Dortmund inne. Diesen hat er sich erarbeitet, denn vieles blieb vom tschechischen Stürmer hängen in Dortmund.

Dortmund

, 30.03.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Jan Koller jubelt: Ein Bild, was es häufig zu sehen gab im BVB-Dress.

Jan Koller jubelt: Ein Bild, was es häufig zu sehen gab im BVB-Dress. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Er streifte sich das orangene Jersey über. Als erster und einziger Stürmer, der je im Dress von Borussia Dortmund ein orangefarbenes Trikot trug. Doch es nicht das gewesen, was es so ungewöhnlich gemacht hat. Sondern plötzlich stand da dieser Hüne im Tor. 202 Zentimeter groß, eine physische Naturgewalt.

Plötzlich als Keeper auf dem Spielfeld, im Spitzenspiel der Bundesliga. BVB-Keeper Jens Lehmann musste mit Gelb-Rot vom Platz, hatte zu viel gemeckert, der BVB hatte bereits drei Mal in München gewechselt.

Eine sehr physisch geprägte Spielweise

Beinah eine halbe Stunde hielt Jan Koller sein Gehäuse sauber im November 2002. Der ein oder andere Wackler mit von der Partie, nicht sonderlich filigran wirkend, aber eine echte Erscheinung, die beinah das gesamte Tor abzudecken schien mit seiner Masse. Es hatte etwas von Kollers Spielweise auf dem Platz. Nicht grazil, keine feine Technik, sondern sehr physisch geprägt, teils etwas klobig, dennoch sehr beweglich.

Denn nicht nur die Körpergröße des tschechischen Riesen spielte eine Rolle, sondern auch sein Gewicht. Er brachte mehr als 100 Kilo auf die Waage, trug Schuhgröße 52. Koller ließ seine Gegenspieler von sich abprallen.

Ab zwischen die Pfosten: Jan Koller zieht sich die Torwarthandschuhe an.

Ab zwischen die Pfosten: Jan Koller zieht sich die Torwarthandschuhe an. © picture-alliance / dpa/dpaweb

„Das war eine Entscheidung, die ich gemeinsam mit dem Trainer getroffen habe“, erklärte Koller im vergangenen Jahr den Gang ins Tor. „Ich habe Matthias Sammer gesagt, ich stelle mich da hinten rein, kein Problem.“

Wichtiger Treffer in der BVB-Historie

Koller erledigte das, was ihm gesagt wurde. Bälle vorne im Zentrum festmachen, ein ständiger Gefahrenherd im Sechzehner bei Standards sein und das Wichtigste: Tore erzielen. In 137 Spielen traf der Tscheche 59 Mal für Schwarzgelb. Und einer dieser Treffer ebnete den Weg zu einem der größten Titel in Borussia Dortmunds Historie.

Im Mai 2002 lag der BVB gegen Werder Bremen am letzten Spieltag hinten. Ein Sieg musste her, um die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen, doch Schwarzgelb hing in der Luft. Bis Jan Koller kam.

Er bekommt den Ball zentral vor dem Werder-Tor. 20 Meter Entfernung. Er schirmt die Kugel souverän ab, legt ihn auf seinen starken rechten Fuß. Ein strammer Flachschuss, der flach in die linke untere Torecke fliegt. 1:1, Borussia wieder im Meisterschaftsrennen, Koller in der Kurve zum Jubeln bei den Fans. Am Ende gewinnt der BVB mit 2:1, wird zum sechsten Mal Deutscher Meister. Koller feiert mit Bier und Fans. Szenen, die in Dortmund niemand vergisst.

Koller arbeitet, die Brasilianer zaubern

„Es war unbeschreiblich“, sagte Koller mal über das Spiel gegen Bremen. „Dazu alle zwei Wochen in diesem Stadion vor diesen Fans zu spielen, das war jedes Mal besonders.“ Koller war einer der Fanlieblinge, Koller ist das immer noch. Er hat sich aufgerieben, sich in jeden Zweikampf geworfen, sich in den Dienst der Mannschaft gestellt - das haben ihm die Fans gedankt.

2002 feierte Jan Koller die Deutsche Meisterschaft mit dem BVB.

2002 feierte Jan Koller die Deutsche Meisterschaft mit dem BVB. © picture-alliance / dpa/dpaweb

Gezaubert haben damals die Anderen. Vor allem die Brasilianer. Marcio Amoroso, Ewerthon, Leonardo Dede. Doch Koller hat seine Trümpfe ausgespielt und sich so seinen Weg in das BVB-Fanherz geebnet.

2006 verließ er Dortmund nach insgesamt fünf Jahren. Der BVB war in Finanznot, Koller plagte sich mit einem Kreuzbandriss herum. Doch das nächste Wiedersehen in Dortmund sollte erneut ein Besonderes sein. 2008 spielte der Stürmer für ein halbes Jahr in Nürnberg, kehrte Anfang Mai 2008 erstmals wieder nach Dortmund zurück. Nach einem tristen torlosen Remis bekam Koller Sprechchöre von der Südtribüne. So, wie man sie jetzt nur noch bei Neven Subotic erlebt, wenn er in Dortmund aufläuft. Koller zelebrierte mit den Fans, der schwarzgelbe Anhang feierte ihn.

Immer noch fit, immer noch mit viel Esprit

Daher schien es nur folgerichtig, dass der Hüne mittlerweile in der BVB-Legendenmannschaft spielt. Koller ist immer noch fit, spielt im Sommer viel Tennis, im Winter Eishockey. Erst im Januar lief er bei einem Hallenturnier in Regensburg auf - für zwei Mannschaften. Das BVB-Legendenteam und die tschechische Allstar-Truppe. Koller war so beinah durchgehend auf dem Grün – ganz ohne Pause und ohne Probleme. Dabei wird der Tscheche am Montag (30. März) bereits 47. Die Spielfreude, der Esprit, der ist bei ihm immer noch zu spüren.

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Einer der Gründe, warum Koller damals im Spiel gegen die Bayern im Tor gelandet ist: Bevor er als Stürmer auflief, war bis zum Alter von 14 Jahren als Torwart aktiv. „Dann habe ich mich entschieden, es als Stürmer zu versuchen.“ Ein Glücksfall. Für den BVB und für Koller selbst.

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