Jürgen Klopp: Ein bisschen BVB ist auch beim Triumph in Madrid dabei

Champions League

Drei Anläufe hat Jürgen Klopp gebraucht. Seit Samstagabend ist er Champions-League-Sieger. Dabei stellte er erneut sein Gesangstalent unter Beweis - und sprach auch über den BVB.

Dortmund

, 02.06.2019, 17:31 Uhr / Lesedauer: 3 min
Jürgen Klopp: Ein bisschen BVB ist auch beim Triumph in Madrid dabei

Jürgen Klopp holte in seinem dritten Champions-League-Finale erstmals den Titel. © imago

Wir Deutschen habe es verpennt. Und wir Dortmunder hätten es erst recht wissen müssen. So ehrlich müssen wir sein. Wenn wir den Eurovision Song Contest 2019 wirklich hätten gewinnen wollen, dann hätten wir das kontinentale Geträllere einfach zwei Wochen später ansetzen lassen müssen. Und hätten den Barden Jürgen Norbert Klopp als deutschen Beitrag nominiert.

Jürgen Klopp packt den Sängerknaben aus

Denn seit Samstagnacht ist klar: Der Kerl hätte das Ding souverän nach Hause gesungen. Als Klopp sich den Henkeltopf für den Triumph in der Champions League endlich geschnappt hatte, den er mit dem BVB vor sechs Jahren erst in letzter Finalminute verpasst hatte, da packte er den Sängerknaben in sich aus. So wie einst auf dem BVB-Meistertruck auf der Runde rund um den Borsigplatz.

Vor laufenden TV-Kameras textete er am Samstagabend den alten Salt’n Peppa-Hit „Let’s talk about sex, baby“ flugs um und schmetterte live breit lächelnd ein „Let’s talk about six, baby“ in die Welt hinaus. Six – für den sechsten Triumph des FC Liverpool in der Königklasse des Fußballs. Mit Klopp als Baumeister. Der Cheftrainer des Champions-League-Siegers singend im TV? Das hatte es zuvor noch nie gegeben.

„We brought it back to Liverpool“

Genug hatte Jürgen Klopp dann vom Singen aber noch lange nicht. Als die Sonne über Madrid schon lange nicht mehr schien, da hob er mit ein paar alten Freunden den Henkeltopf noch einmal hoch und drehte den zweiten Teil eines Videos. Vor einem Jahr, nach dem verlorenen Finale gegen Real Madrid, da hatten sie Teil eins gedreht.

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Madrid, 5:00 am... Same procedure as last year? Not quite! #lfc #championsleague

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Während des nächtlichen Frusttrinkens hatten sie singend vollmundig versprochen, es eben nächstes Jahr zu packen. Sie hielten Wort. Und filmten jetzt natürlich Teil zwei. „We brought it back to Liverpool“, intonierten Klopp, Campino von den Toten Hosen und Co. 60 Sekunden purer Wahnsinn, reiner Genuss.

Klopp: “Ich dachte, ich wäre 20 Minuten nach dem Schlusspfiff schon halb besoffen“

„Ich dachte, ich wäre 20 Minuten nach dem Schlusspfiff schon halb besoffen“, gestand Klopp einem TV-Reporter noch im Wanda Metropolitano, dem Finalort, an dem sich der frühere Dortmunder nun selbst sein Denkmal setzte. „Ich bin erleichtert, vor allem für meine Familie. Zuletzt sind wir immer mit der Silbermedaille in den Urlaub geflogen. Das hat sich nicht ganz so cool angefühlt“, erklärte Klopp. Jetzt aber gab es Gold. Und den begehrten Pokal der Pokale.

„Wir haben alle geweint auf dem Platz, weil es so groß ist, ich freue mich für jeden meiner Spieler“, sagte er. „Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille schenken konnte. Der Titel ist für sie.“ Auch Sätze wie diese lassen Klopp die Herzen der Fans in England endgültig erobern. Herzen, die er in Dortmund schon längst und für immer erobert hat.

Dortmund wohl für immer im Herzen

In einer Zeit, die er selbst offenbar niemals vergessen wird. Denn auch im Moment des großen Sieges in Madrid dachte er an die Zeit beim BVB zurück. „Ich liebe meine Borussia-Dortmund-Mannschaft, die immer alles gegeben hat.“ Im Champions-League-Finale 2013 gegen den FC Bayern habe man leider Pech gehabt.

Jürgen Klopp: Ein bisschen BVB ist auch beim Triumph in Madrid dabei

2013 scheiterte Klopp noch mit dem BVB an Bayern München. © imago

Diesmal aber stand das Glück Pate. Und alles mündete in einer bremsenfreien Party in Madrid. Bis Sonntag früh um halb sechs. „Ich bin etwas eher gegangen“, behauptete Klopp, bevor der Flieger abhob Richtung rauschendem Empfang im heimischen Liverpool. „Die Nacht war kurz, ich habe in einer Ecke gestanden und ein paar Bier getrunken.“ Ok, wer das glaubt, der hält auch die Arbeit des Osterhasen für realistisch.

van Dijk: „Er ist ein fantastischer Trainer und Mensch“

Dass Klopp kräftig feiern kann, das hat er schließlich in Dortmund mehr als nur einmal bewiesen. Er kann aber viel mehr. „Er ist ein fantastischer Trainer und Mensch. Es ist eine Freude, mit ihm zusammenzuarbeiten“, betonte Virgil van Dijk, dessen tadellose Abwehrarbeit im Finale Liverpools 2:0-Sieg gegen Tottenham erst möglich gemacht hatte.

Jürgen Klopp bewies im Finale gegen Tottenham zudem sportliche Größe. Anders als sonst, wo er nach Siegen gern explosiv über den Platz rennt und springt, mit weit aufgerissenem Mund und geballten Fäusten jubelnd zu Spielern und Fans stürmt, war da fast schon staatsmännische Besonnenheit. Er umarmte zuerst seinen Gegenüber, Tottenhams Trainer Mauricio Pochettino, und lobte diesen für „eine fantastische Saison, auf die sie stolz sein können“. Klopp erklärte später seine Aktion: „Ich weiß, wie sich Tottenham jetzt fühlt. Besser, als jeder andere auf der Welt.“ In der Tat, schließlich hatte Klopp vor dem Sieg am Samstag sechs Endspiele als Trainer in Serie verloren.

Liebeserklärungen der englischen Presse

All das, der sportliche Triumph, seine menschliche Art und sein Humor, ließen die englische Presse verzückt Liebeserklärungen verfassen. „Klopp ist der unglaubliche, inspirierende Anführer eines besonderen Teams. Der Henkelpott kommt wieder nach Hause an die Merseyside. Es gibt gute Gründe zu glauben, dass dies erst der Anfang einer goldenen Ära für die Reds gewesen ist“, schrieb der Liverpool Echo. „Wie hat Liverpool das geschafft?“, fragte The Guardian und lieferte gleich die Antwort: „Klopp hat alle Bestandteile des Vereins und der Mannschaft bearbeitet und aufpoliert. Er ist ein Trainer, der den Verein und die Menschen im Umfeld geradezu lesen kann.“

Und sogar in Spanien verneigten sie sich vor dem früheren Dortmunder Borussen. „Klopp ist jetzt schon eine Legende. Ach, Jürgen, das wäre schön, wenn wir dich irgendwann einmal in Spanien als Trainer erleben dürften“, schwärmte die Madrider Sportzeitung As. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann ein Zurück nach Dortmund. Nicht als Trainer des Gegners. Gute Sänger sind am Borsigplatz immer willkommen.

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