Die Chancen von BVB-Kapitän Marco Reus im DFB-Team sind nicht schlecht. © imago images/Team 2
Borussia Dortmund

Kandidatencheck: Welche BVB-Spieler nimmt Löw mit zur EM?

Bundestrainer Löw beendet am Mittwoch das Rätselraten um seinen EM-Kader. Nicht nur in Dortmund ist man gespannt: Beruft er einen, zwei oder noch mehr BVB-Spieler für die EM?

Gleich zweimal hat Bundestrainer Joachim Löw seine Dortmunder EM-Kandidaten beäugt vor der finalen Bekanntgabe seines Kaders für die Europameisterschaft. Am vergangenen Samstag beim Bundesliga-Spiel zwischen dem BVB und RB Leipzig (3:2) saß er ebenso auf der Tribüne wie auch am Donnerstagabend beim DFB-Pokalfinale zwischen den beiden Rivalen (4:1). In Berlin ging Löw seit Anfang der Woche in einem Hotel in Klausur mit seinem Trainerstab und den engsten Mitarbeitern, um die letzten Details und Personalfragen zu klären. „Wir haben alles nochmal analysiert, alles überprüft“, erklärte der Bundestrainer. Gelüftet wird das Geheimnis um seine Nominierung am Mittwoch (19. Mai). Verraten will er vorher nichts. Doch Überraschungen deuten sich an.

BVB-Allrounder Emre Can kann ziemlich sicher auf eine EM-Teilnahme hoffen

Einigermaßen sicher mit einem Anruf planen kann Borussia Dortmunds Defensiv-Allrounder Emre Can. Allein wegen seiner Flexibilität im Abwehrbereich darf Can mit dem Zuschlag rechnen. Ob als Innenverteidiger in einer Dreierkette, links oder rechts auf der Seite oder als Abräumer im defensiven Mittelfeld: Der 27-Jährige kann überall seinen Mann stehen. Wenn er fit war, wurde er zuletzt immer nominiert. So dürfte es auch diesmal kommen. Im Februar lobte Löw die „unglaubliche Vielseitigkeit“ von Can und dessen „überragende Mentalität. Er ist ein Führungsspieler, der alle mitreißen kann.“

Kniffliger wird es bei den weiteren BVB-Kandidaten. Er wisse es nicht, sagte Kapitän Marco Reus dieser Tage über seine EM-Chancen und berichtete von der bisherigen Absprache mit Löw: „Wir hatten vor der vergangenen Nominierung (im März, Anm. d. Red.) ein gutes Gespräch und haben gesagt, wir lassen uns Zeit und werden zu gegebener Zeit nochmal sprechen. Ich gehe da ganz locker mit um, aber freue mich natürlich, wenn ich dabei bin“, sagte er der Sportschau.

An einem formstarken BVB-Kapitän Reus kommt Löw nicht vorbei

Der Bundestrainer hatte betont, bei Reus gehe es vor allem auch um das Thema Fitness. Nach seiner siebenmonatigen verletzungsbedingten Pause seit Februar 2020 benötigte der 31-Jährige Zeit und Spiele, um wieder richtig in Form zu kommen. Das ist ihm in den vergangenen Wochen und Monaten eindrucksvoll gelungen. Beim Pokalfinale in Berlin glänzte Reus, der an allen vier Toren seiner Elf beteiligt war, nicht nur fußballerisch, sondern auch als Anführer seiner Mannschaft. Bei der aktuell starken Phase des Borussen bleiben objektiv wenig Zweifel: Einen formstarken Reus zu Hause zu lassen, wäre eine fragwürdige, diskussionswürdige Entscheidung.

Zu einer klaren Aussage ließ sich Löw bisher nicht hinreißen. Reus gehöre sicherlich zum erweiterten Kader, meinte der Bundestrainer. „Marco hat wieder seinen Rhythmus gefunden“, lobte der Bundestrainer den einstigen Pechvogel, der sich schon zweimal kurz vor großen Turnieren schwer verletzte. Löw wollte nicht ausschließen, dass Reus noch in den EM-Kader der Nationalmannschaft rückt. Auf die Frage, ob er auf seinem Zettel stehe, antwortete Löw: „Ja, da drauf ist er schon. Wir haben auch einen erweiterten Kader insgesamt. Jetzt haben wir noch mal ein paar Namen diskutiert.“

Bayern-Trainer Hansi Flick lobt BVB-Kapitän Marco Reus

Löws ehemaliger Co-Trainer und wahrscheinlicher Nachfolger, Hansi Flick, äußerte sich sehr positiv über Reus. „Ich kenne Marco von der Zeit bei der Nationalmannschaft. Es ist einer, der in der Box, im letzten Drittel, Sachen machen kann, die einfach eine gegnerische Abwehr vor Schwierigkeiten bringt. Er ist im Moment in einer ganz tollen Form“, befand der Bayern-Coach am Freitag.

Für eine Reus-Berufung sprechen unter anderem seine Erfahrung, sein schlauer Spielstil und die Qualitäten als Kreativspieler, von dem die Tempodribbler wie Serge Gnabry oder Leroy Sane profitieren können. Der Dortmunder kann und muss nicht mehr jedes Laufduell gewinnen, um Tore und Vorlagen zu verbuchen.

Kehrt BVB-Abwehrchef Mats Hummels ins DFB-Team zurück?

Zum Politikum entwickelt hat sich zwei Jahre lang die Frage, ob die im März 2019 ausgebooteten Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng wieder zur Elite-Auswahl der deutschen Fußballer zählen sollen. Ihre Aussortierung hatte Löw mit dem forcierten Umbruch im Team begründet, war aber zwischenzeitlich zurückgerudert. Vor seinem letzten Turnier als Bundestrainer gelte nur noch: „Was ist das Beste für diese Mannschaft, um erfolgreich zu sein?“

Thomas Müller (M.) und Mats Hummels (r.) könnten in DFB-Team zurückkehren. © imago images/Sven Simon © imago images/Sven Simon

Auch ohne schwarzgelbe Brille wäre es verwunderlich, sollte Löw Hummels nicht zu den besten deutschen Verteidigern zählen. Mit seiner Routine und nach wie vor großen Klasse könnte der Weltmeister von 2014 eine wichtige Stütze für die DFB-Elf darstellen. Hummels jedenfalls stünde bereit: „Ich wehre mich nicht, falls ich gefragt werde, noch mal zu helfen“, sagte Hummels bei Sky. Der Innenverteidiger war zwischen 2010 und 2018 ein fester Bestandteil der Nationalelf und absolvierte 92 Länderspiele.

BVB-Abwehrchef Hummels würde die DFB-Defensive verstärken

Beim Blick auf die EM-Kandidaten fällt vor allem im Abwehrbereich die Qualität gegenüber den anderen Mannschaftsteilen deutlich ab. Auch die Pflicht- und Testspiele seit der WM 2018 legten den Schluss nahe, dass in der Defensive die größten Probleme herrschen. Auf Hummels zu verzichten, wäre angesichts der – zum Teil formschwachen – Mitbewerber um ein Ticket beinahe fahrlässig.

Angeblich schon weiter vorangeschritten sind die Annäherungen zwischen Löw und Müller. Laut „Bild“ hat es in der vergangenen Woche ein Telefonat gegeben, demnach solle das Bayern-Unikum vor dem Comeback stehen und mit seiner Führungsstärke helfen, die deutsche Mannschaft bei der EM voranzubringen. Müller selber sagte, er habe „Lust, im Sommer nach Titeln zu jagen“. Das klang stark nach Comeback.

Außenseiterchancen im DFB-Team für BVB-Profi Mahmoud Dahoud

Von den weiteren Dortmunder Anwärtern besitzt Mahmoud Dahoud lediglich Außenseiterchancen. Der BVB-Mittelfeldspieler hat zwar im vergangenen Herbst seine Premiere im DFB-Trikot gefeiert. Doch nirgendwo ist die Konkurrenz in der Nationalmannschaft größer und stärker als im zentralen Mittelfeld. Es ist eher nicht davon auszugehen, dass U21-Europameister Dahoud Löw bei den jüngsten Partien mit seiner Spielfreude doch noch zum Nachdenken bewegt hat.

Überzeugte auch im DFB-Trikot: BVB-Prof Mo Dahoud. © imago images/MIS © imago images/MIS

Ein heikler Fall ist auch die Personalie Julian Brandt. Löw hatte den Ex-Leverkusener, der in seinem zweiten Jahr bei Borussia Dortmund komplett enttäuscht, im Herbst angezählt: „Ich hoffe und erwarte den nächsten Schritt von ihm. Er hat sehr viel Können, ist aber ein bisschen schwankend in der Leistung.“ Beim BVB hat der Edeltechniker keinen Stammplatz behaupten können, auch wenn die Formkurve zuletzt leicht nach oben zeigte. Seit 2016 stehen 35 Länderspiele und die WM-Teilnahme 2018 in seiner Vita – es erscheint fraglich, ob im Sommer weitere Einsätze hinzukommen.

Als nahezu ausgeschlossen gilt, dass Nico Schulz seinen zwölf Länderspielen zeitnah weitere hinzufügen wird. Der Linksverteidiger ist in Dortmund nur Bankdrücker und damit kein Thema für Löw.

Der mögliche EM-Kader der Nationalmannschaft (26 Spieler):

  • Tor: Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen, Kevin Trapp
  • Abwehr: Emre Can, Matthias Ginter, Robin Gosens, Marcel Halstenberg, Mats Hummels, Lukas Klostermann, Robin Koch, Antonio Rüdiger, Niklas Süle
  • Mittelfeld/Angriff: Julian Draxler, Serge Gnabry, Leon Goretzka, Ilkay Gündogan, Kai Havertz, Joshua Kimmich, Toni Kroos, Thomas Müller, Jamal Musiala, Florian Neuhaus, Marco Reus, Leroy Sane, Timo Werner, Florian Wirtz
  • Außenseiter-Chancen: Jonathan Tah, Amin Younes, Bernd Leno, Jerome Boateng, Benjamin Henrichs, Philipp Max, Mahmoud Dahoud, Maximilian Arnold, Jonas Hofmann, Nadiem Amiri, Kevin Volland, Max Kruse, Luca Waldschmidt, Lars Stindl, Ridle Baku, Julian Brandt, Nico Schulz
Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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