Kaum da, kaum noch wegzudenken: BVB-Anführer Emre Can

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Emre Can gilt nach einem halben Jahr bei Borussia Dortmund schon als unverzichtbar, obwohl seine Anfangszeit beim BVB ziemlich bitter geriet. Der Neuzugang geht voran.

Dortmund

, 22.07.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Emre Can war noch gar nicht so richtig dabei, aber er erlebte erstmals als Mitglied der BVB-Familie, wie viel Spaß und Freude Heimspiele von Borussia Dortmund bereiten können. 5:0 schossen Cans neue Teamkollegen Aufsteiger Union Berlin am 1. Februar aus dem Signal Iduna Park, Erling Haaland traf doppelt, Marco Reus, Jadon Sancho und Axel Witsel sorgten für die weiteren Treffer, es wurde ein entspannter Samstagnachmittag. Can selbst stand an diesem Tag noch nicht im Kader. Der 26-Jährige war erst tags zuvor auf Leihbasis von Juventus Turin zu Borussia Dortmund gewechselt, dazu war er noch ein wenig geschwächt wegen eines leichten grippalen Infekts.

Anfangszeit von Emre Can beim BVB war nicht schön

Als Can dann erstmals auflaufen durfte, war von einem entspannten Spieltag keine Rede mehr. Beim Pflichtspiel-Debüt, das nur eine Minute und ein bisschen Nachspielzeit lang dauerte, flog der BVB im Pokal gegen Werder Bremen raus. Das Startelf-Debüt vier Tage später im Auswärtsspiel bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Bayer Leverkusen, das 87 Minuten lang dauerte, und bei dem Can gleich ein traumhaft schönes Tor aus der zweiten Reihe schoss, ging ebenso in die Hose. 3:4 hieß es am Ende eines merkwürdigen Fußballspiels, das nur für neutrale Zuschauer und Fans von Bayer Leverkusen ein Fest gewesen war - und so musste der 26-Jährige nach einer guten Woche in Dortmund auf einen ziemlich bescheidenden Auftakt zurückblicken.

Ein knappes halbes Jahr später sind die Erinnerungen an den miesen Start verblasst wie die zu oft gewaschene Lieblingsjeans. Can, mittlerweile für 25 Millionen Euro Ablöse fest bis zum 30. Juni 2024 verpflichtet, ist aus der Dortmunder Startelf kaum noch wegzudenken. Der Nationalspieler hatte zweifellos seinen Anteil daran, dass der BVB in der vergangenen Rückrunde neun Punkte mehr sammelte als in der Hinrunde.

Emre Can über den BVB: „Die Borussia passt gut zu mir“

Er habe zu einem Verein gewollt, sagte Can vor ein paar Wochen, „für den ich wichtig sein kann, wo ich gebraucht werde“. Er glaubt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. „Das ist in Dortmund der Fall. Die Borussia passt gut zu mir – und umgekehrt.“

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15 Spiele hat Can seit Februar für den BVB absolviert, elfmal lief er dabei als Mittelfeldspieler auf, viermal als Verteidiger. Er hat zwei Tore geschossen, einen Treffer aufgelegt, fünf Gelbe Karten und eine Rote Karte gesehen. Manchmal wirkte er fast ein bisschen übermotiviert, als müsse man ihn einfangen wie einen wild gewordenen Stier, aber er zog die Mitspieler mit.

Emre Can soll beim BVB auf dem Platz vorangehen

Bei aller fußballerischen Qualität legen die BVB-Verantwortlichen genau darauf besonderen Wert. Natürlich habe Can auch „hervorragende spielerische Qualitäten“, sagte Sportdirektor Michael Zorc nachdem der Transfer in trockenen Tüchern war, „aber er soll schon mit seiner Mentalität auf dem Platz vorangehen, auch Zeichen setzen, Signale senden“. Der gebürtige Frankfurter sei ein Spieler, meinte Zorc, der vielseitig sei und bei „tollen Klubs“ wie Bayern München, dem FC Liverpool oder Juventus Turin gespielt habe. „Er ist es gewohnt, immer gewinnen zu müssen, und das wird uns guttun.“ Sebastian Kehl, der Leiter der Dortmunder Lizenzspieler-Abteilung, nannte ihn einen „Siegertypen, der immer gewinnen will“.

Daran wird sich in der neuen Saison nicht viel ändern. Can wird einer der Anführer beim BVB bleiben, vielleicht erhält er sogar noch ein bisschen mehr Verantwortung nach seiner ersten richtigen Vorbereitung in Dortmund. Die spannendste Frage wird dabei sein, ob Favre ihn in erster Linie als Mittelfeldmotor oder primär als Abwehrspieler in einer Dreier- oder Viererkette einsetzen wird. Durch die Verpflichtung Jude Bellinghams hat der Schweizer – Stand jetzt – eine Option mehr im Mittelfeldzentrum.

Emre Can sieht sich eher als Verteidiger beim BVB

Can selbst sieht sich perspektivisch eher als Verteidiger, vor allem auch deshalb, weil er sich auf dieser Position bessere Chancen in der Nationalmannschaft ausrechnet. Im Sommer 2021 steht eine Europameisterschaft auf dem rappelvollen Fußball-Terminplan, bei der Can mehr als nur eine Nebenrolle spielen möchte. Eine feste Position, um sich bei Bundestrainer Joachim Löw nachhaltig zu empfehlen, wäre da sicherlich nicht von Nachteil.

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