Kinofilm zur Torwartlegende - was Bernd Trautmann und den BVB verband

Besondere Beziehungen

Seit einigen Wochen läuft in den Kinos ein Film über den Fußball-Diplomaten Bernd Trautmann. Was viele nicht wissen: Der überragende Torhüter hatte auch eine besondere Verbindung zum BVB.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 03.06.2019 / Lesedauer: 3 min
Kinofilm zur Torwartlegende - was Bernd Trautmann und den BVB verband

Bernd Trautmann bei einer seiner zahlreichen spektakulären Flugeinheiten für Manchester City. © imago

Der Mann, der Anfang der 1950er Jahre als ehemaliger Kriegsgegner zunächst von den Fans von Manchester City in einer groß angelegten Aktion abgelehnt wurde, entwickelte sich in der Zeit danach zu einer wahren Torwartlegende und wurde 1999 zum Jahrhundertspieler von ManCity gewählt. Seine tollkühnen Paraden trotz eines überaus schweren Nackenwirbelbruchs im Pokalendspiel 1956 gegen Birmingham wurden zum Garanten des Sieges seiner Elf und hoben ihn und seinen Ruhm bis auf den Olymp des Sports.

Kinofilm zur Torwartlegende - was Bernd Trautmann und den BVB verband

Trautmann beim Endspiel 1956 mit Dortmunds OB Dietrich Keuning. © Repro: Kolbe

Als der BVB 1956 zum ersten Male Deutscher Fußballmeister wurde, saß eben jener Bernd Trautmann (oder Bert, wie die Engländer ihn nannten) als Ehrengast auf der Tribüne. Ein riesiges Stützkorsett gab seinem Oberkörper Halt und Stabilität. Nach einem kurzen Gespräch mit Bundestrainer Sepp Herberger, der ihn trotz seiner nachweislichen Glanzleistungen nie ins DFB-Team stellte, gab es einen intensiven Kontakt zu den Spielern von Borussia Dortmund, zu denen Trautmann spontan freundschaftliche Beziehungen entwickelte.

Trautmann ist für den BVB der Helfer in Manchester

Als dann einige Monate später der BVB im Europapokal der Landesmeister gegen Manchester United, den Stadtrivalen des Trautmann-Klubs, antreten musste, lebten die Kontakte wieder auf und verstärkten sich. Bernd Trautmann kümmerte sich in Manchester rührend um die Borussen, deren Quartier er aussuchte, die er begleitete, ihnen die Stadt vorstellte und den Aufenthalt in jeder Beziehung erleichterte.

In diesem Spiel wurden vom BVB übrigens die berühmten goldglänzenden „Flutlichttrikots“ kreiert, die in Manchester in Auftrag gegeben und rechtzeitig fertig geworden waren. Eine Dortmunder Zeitung schrieb: „Borussia hatte sich in Manchester Trikots aus goldener Seide gekauft. Es war ein phantastischer Anblick, dieses Gold im Scheinwerferlicht aufleuchten zu sehen“.

BVB-Keeper Kwiatkowski spielt in Trautmann-Pullover

Der BVB unterlag gegen ManUnited knapp mit 2:3. Bester Mann auf dem Feld war Heini Kwiatkowski, Borussias Keeper, der geradezu überirdisch hielt und als „Held von Manchester“ gefeiert wurde. Nach der Partie wartete Trautmann am Spielfeldrand auf „Kwiat“, um ihm zu seiner großartigen Leistung zu gratulieren. Übrigens spielte Borussias Zerberus in einem grünen Pullover seines Torwartkollegen von Manchester City. Eine tolle Geste!

Natürlich kam Trautmann auch zum Rückspiel nach Dortmund, das unentschieden 0:0 endete. Damit war der BVB zwar ausgeschieden, hatte aber einen guten Freund gewonnen.

Untadeliger Sportsmann mit großer Wirkung

So war es denn auch Bernd Trautmann, der dafür sorgte, dass sein Klub Manchester City am 22. Mai 1957 zu einem Freundschaftsspiel nach Dortmund kam. Der BVB siegte zwar mit 4:1, die 30.000 Besucher aber feierten den „großen Blonden“ im Tor des Gegners frenetisch.

Als Bernd Trautmann 2013 im Alter von 89 Jahren verstarb, trauerte die Fußballwelt um einen untadeligen Sportsmann, der (so die einhellige Meinung zahlreicher Zeitzeugen und Historiker) nach dem 2. Weltkrieg mehr für die Aussöhnung zwischen Deutschland und England getan hat als ganze Heerscharen von Berufsdiplomaten.

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