Zwei Tore in der Nachspielzeit retten den BVB-Neustart in Fürth. Für Trainer Favre geht die Arbeit weiter. Die Diskussionen um einen neuen Stürmer bleiben. Jürgen Koers kommentiert.

Fürth

, 21.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Das berauschende Glücksgefühl des späten Sieges pumpte bei den Dortmundern in Strömen durch die Blutbahnen. Dem Schrecken der drohenden Blamage entkommen, ließ sich das schmeichelhafte 2:1 des BVB in Fürth viel leichter analysieren. „Wir sind weiter, und das zählt“, sagte Lucien Favre. Er lächelte. Ende gut, und doch noch nicht alles gut - aber das hätte auch keiner erwarten dürfen, so die Lesart der Borussen.

Nahe am Abgrund getaumelt

Zwei Tore in der Nachspielzeit, die erst die Verlängerung und dann den Sieg einbrachten, retteten die Premiere des „neuen“ BVB beim Pflichtspielstart in die Saison 18/19. Was den Fürthern den Glauben an die Gerechtigkeit des Fußballs raubte, euphorisierte den Erstligisten, der nahe am Abgrund taumelte und am Ende doch jubeln durfte. So spät zuzuschlagen, meinte Manuel Akanji, das spreche doch für die Mannschaft und ihre Mentalität.

Nüchtern betrachtet verpassten es die Dortmunder, in ihren besseren Phasen aus der spielerischen Überlegenheit Kapital zu schlagen. Eine Reihe vergebener Großchancen wird die Diskussion um einen weiter fehlenden Torjäger in den Reihen der Borussen befeuern.

Bälle gehen leichtfertig verloren

Ebenfalls auffällig: Im Spiel des BVB hakte es gewaltig in den Passstafetten, zu viele Bälle gingen leichtfertig verloren, zu oft bot die Elf dem Gegner Raum zum Kontern. Es fehlt noch - das ist nachvollziehbar - an Verständnis, an Rhythmus, an Leichtigkeit, auch an körperlicher Frische. Die engagierten Fürther, die sich keineswegs nur auf das Zerstören des Dortmunder Spiels beschränkten, hätten dies beinahe für eine kleine Pokalsensation ausgenutzt.

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Das anfällige Gebilde des gemeinsamen Neustarts der Borussia nahm ob des gelungenen Ausgangs keinen Schaden, im Gegenteil. Solche Situationen wie die am Montagabend, als das Spiel auf des Messers Schneide und die Mannschaft vor dem Aus stand, gemeinsam durchzustehen, erklärte Profi-Chef Sebastian Kehl, das könne Auftrieb und Selbstvertrauen geben.

Kollektives Erfolgserlebnis

Unter dem Strich steht dies: ein glückliches, kollektives Erfolgserlebnis und die Gewissheit, dass der BVB, wie es Favre nicht müde wird zu betonen, viel, viel Arbeit vor sich hat. Das wiederum ist zum Auftakt der Saison und nach erst wenigen Wochen Vorbereitung selbstverständlich.

Lucien Favre sieht sich bestätigt - Stürmer-Debatte bleibt BVB erhalten

Torhüter Roman Bürki (r.) hielt den BVB gegen Fürth im Spiel. © imago

Der Trainer hat nun zwei gute Ansatzpunkte für sein Wirken, nämlich unverhoffte Euphorie nach diesem außergewöhnlichen Fußballerlebnis und zugleich ein offenes Ohr bei seinen Spielern für seine Mahnungen und den Ansporn zur Arbeit. Denn gegen die Mehrzahl der Erstligisten hätte eine Leistung wie die gegen Fürth nicht zum Sieg gereicht. Die Saison kann also losgehen.

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