Marius Wolf fristet beim BVB ein trauriges Tribünen-Dasein - Was nun?

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Marius Wolf bleibt beim BVB aktuell nur der Platz auf der Tribüne. An den ersten beiden Spieltagen hat er es nicht in den Kader geschafft. Wird er deswegen jetzt kurzentschlossen flüchten?

Dortmund

, 29.08.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Es ist sehr ruhig geworden um Marius Wolf. Wenn über Borussia Dortmunds guten Saisonstart gesprochen wird, dann fallen andere Namen als der des gebürtigen Coburgers. Natürlich die von den Spielern, die auf dem Platz stehen und Akzente setzen, wie Mats Hummels, Jadon Sancho, Marco Reus oder Paco Alcacer.

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Es fallen aber auch oft Namen von Spielern, die nicht spielen. Mario Götze zum Beispiel ist eigentlich immer Thema, egal ob er spielt oder nicht. Bei Julian Brandt wird spekuliert, wann er erstmals in der Startelf steht und auf welcher Position er am besten aufgehoben ist. Bei Raphael Guerreiro wird gefragt, ob er den Verein noch verlässt oder seinen Vertrag verlängert.

Über Marius Wolf wird kaum gesprochen beim BVB

Über Wolf wird nicht gesprochen. Und so richtig scheint ihn auch niemand zu vermissen, dabei stünde er durchaus zur Verfügung. Wolf ist nicht verletzt, doch die Fans grübeln nicht, warum er nicht dabei ist – und auch die Presse fragt nicht mit Nachdruck nach, wie es um ihn bestellt ist. Für Diskussionsstoff und Schlagzeilen sorgen andere.

Marius Wolf fristet beim BVB ein trauriges Tribünen-Dasein - Was nun?

Leidgenossen auf der BVB-Bank: Mario Götze und Marius Wolf. Doch zuletzt war für Wolf selbst dort kein Platz mehr. © imago

Dabei könnte man durchaus leicht verwundert feststellen, dass ein Spieler, der in der vergangenen Saison immerhin in 22 Pflichtspielen für den BVB auflief, in der neuen Spielzeit völlig außen vor zu sein scheint. Im Supercup gegen Bayern München half er zwar noch neun Minuten mit, das 2:0 gegen den Rekordmeister über die Zeit zu bringen, im Pokal beim 2:0 gegen Drittligist Uerdingen aber saß er bereits nur 90 Minuten auf der Bank.

Größerer Spieltagskader, trotzdem keine Chance

Und an den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen schaffte er es schließlich nicht einmal in den Spieltagskader, obwohl seit diesem Sommer 20 statt bisher 18 Profis von BVB-Trainer Lucien Favre nominiert werden dürfen. Wolf ist, Stand jetzt, einer der Verlierer dieses Sommers bei Borussia Dortmund.

Der 24-Jährige weiß nur zu gut, dass es im Fußball schnell gehen kann. In beide Richtungen. In der Saison 2016/2017 wurde er bei Zweitligist Hannover 96 mal in die zweite Mannschaft verbannt, nur anderthalb Jahre später wurde er als Stammspieler von Eintracht Frankfurt sensationell DFB-Pokalsieger und wechselte für eine festgeschriebene Ablösesumme in Höhe von fünf Millionen Euro zum BVB. Er kennt Tiefpunkte genauso gut wie Höhenflüge.

Diese Spieler stehen höher in Favres Gunst

Wolfs erstes Jahr in Dortmund war okay, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger, das zweite Jahr beginnt mindestens eine Klasse schlechter. In Jadon Sancho, Julian Brandt, Thorgan Hazard, Raphael Guerreiro, wenn er denn bleibt, und Jacob Bruun Larsen stehen gleich fünf potenzielle Außenbahnspieler über ihm in Favres Gunst, auf der Außenverteidiger-Position hinten rechts sind es in Lukasz Piszczek und Achraf Hakimi mindestens zwei gelernte Defensivspieler – und die Zukunftshoffnung Mateu Morey ist ja auch noch da. Es sieht nicht wirklich gut aus für Wolf.

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Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie der Rechtsaußen mit schwierigen Situationen in seiner Karriere umgeht, hilft ein Blick in die Vergangenheit. „Ich bin der festen Überzeugung, dass es irgendwann belohnt wird, wenn man im Training immer alles gibt. Dann verbessert man sich und entwickelt sich automatisch weiter“, hat er mal in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ gesagt, als er noch für Eintracht Frankfurt spielte und sportlich auf dem Vormarsch war.

Wolf: „Weitermachen, bis es wieder gut läuft“

„Ich gebe nie auf“, habe er während der frustrierenden Zeit bei Hannover 96 gedacht. „Ich bekomme meine Chance, und wenn ich sie nicht in Hannover bekomme, dann bekomme ich sie woanders.“ Er wolle nie wieder in so eine Situation kommen. „Natürlich wird mal wieder eine schwere Zeit kommen, in der nicht so viel klappt und in der es nicht so läuft wie erhofft. Aber das ist so im Fußball, es ist menschlich. Aber ich werde dann nicht aufgeben, sondern weitermachen, bis es wieder gut läuft.“

Bis es wieder gut läuft. In Dortmund, dieser Eindruck drängt sich auf, könnte das ein bisschen dauern. „Wir haben sehr viel Konkurrenz“, sagt Lucien Favre gebetsmühlenartig, wenn es um die Spieler geht, die aktuell keine sportliche Hauptrolle spielen.

Transferfenster schließt am 2. September

Wolfs Problem ist, dass es in diesen Tagen selbst für eine Nebenrolle nicht wirklich reicht. Also nicht aufgeben, kämpfen und weitermachen? Oder nach nur einer Saison in Dortmund nach einer neuen Chance bei einem anderen Klub suchen? Bis zum 2. September bliebe theoretisch Zeit, um der Dortmunder Tribüne zu entkommen.

„Wir haben es in der vergangenen Spielzeit ja auch gesehen. Am Ende sind sehr viele Spieler auf ihre Einsätze gekommen.“
Michael Zorc

„Ich schließe generell nichts aus, bis das Transferfenster geschlossen ist“, sagt Michael Zorc nicht nur mit Blick auf die Personalie Wolf. Der BVB-Sportdirektor weiß nach über 40 Jahren Profifußball nur zu gut, wie wild es kurz vor Fensterschluss auf dem Transfermarkt zugehen kann.

Zorc: „Wir haben noch keine Englische Woche gespielt“

Und er hat Verständnis für die Spieler, die aktuell nicht mit ihrer Situation zufrieden sein können. „Es ist doch klar, dass es keinem Spieler gefällt, wenn er nicht spielt“, sagt er. „Aber wir haben erstens die Größe des Kaders und zweitens auch die Qualität. Wir sind noch ganz am Anfang der Saison. Wir haben noch keine Englische Woche gespielt. Wir haben es in der vergangenen Spielzeit ja auch gesehen. Am Ende sind sehr viele Spieler auf ihre Einsätze gekommen.“

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Marius Wolf wird für sich zeitnah die Frage beantworten müssen, ob ihm das als Perspektive reicht. Denn selbst wenn „sehr viele“ Spieler auf ihre Einsätze kommen, stehen immer noch sehr viele Spieler vor ihm in der Warteschlange – und die haben „gute Namen auf dem Rücken“ stehen, wie Wolfs Mitspieler und Konkurrent Julian Brandt am vergangenen Freitag nach dem 3:1-Sieg des BVB in Köln ganz richtig feststellte. Wolf musste das alles vom heimischen Sofa aus mit anhören.

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