Marius Wolf erschien beim BVB mit dem DFB-Pokal als Tattoo auf dem rechten Schienbein. In seinem ersten Jahr für die Schwarzgelben lieferte er aber keine weiteren gravierenden Vorlagen.

Dortmund

, 28.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Mit einer eigenen Image-Kampagne soll Marius Wolf zur Marke aufgebaut werden. „Unleash the Wolf“ heißt der Slogan, mit dem der BVB-Profi an Profil gewinnen will. Sportlich konnte Wolf in seinem ersten Arbeitsjahr bei Borussia Dortmund nur bedingt dafür sorgen, dass er komplett von der Leine gelassen wird.

Nur vier Mal über die volle Zeit gespielt

Den Arbeitsnachweis von 16 Bundesliga-Spielen und vier Einsätzen in der Champions League hätte Marius Wolf, seit Montag 24 Jahre jung, als Bilanz vor seiner Dortmunder Debüt-Saison wohl eher zähneknirschend unterschrieben.

„Er passt sehr gut zu unserer Ruhrgebiets-Mentalität.“
Michael Zorc

Über die volle Distanz spielte der Neuzugang von Eintracht Frankfurt in der Bundesliga nur vier Mal. Und hätte das Verletzungspech nicht doppelt zugeschlagen bei den rechten BVB-Außenverteidigern Achraf Hakimi und Lukasz Piszczek, Wolfs Bilanz wäre wohl weniger akzeptabel ausgefallen.

Wolfs Vielseitigkeit bedeutet für ihn Fluch und Segen zugleich. Trainer Lucien Favre stellte ihn anfangs als Linksaußen auf, als Rechtsaußen und als Mittelstürmer. Durchschlagenden Erfolg verbuchte er auf keiner der offensiven Positionen. Nur ein Tor gelang ihm, der mit der Bilanz von sechs Toren und elf Vorlagen aus Frankfurt angereist war.

Sportdirektor Michael Zorc lobte ihn bei der Präsentation für „seine Effizienz vor dem Tor“. Den Nachweis blieb Wolf schuldig. Seine Verpflichtung für nur rund fünf Millionen Euro Ablöse galt als Geschäft ohne großes Risiko, bezahlt gemacht hat es sich nur bedingt.

Zweikampfhärte, Laufvermögen, Kampfgeist

Erst im Winter, während des Trainingslagers in Marbella (Spanien), testete ihn Favre auf unbekanntem Terrain als rechten Verteidiger. Der Trainer sah in ihm die Anlagen für diese Position: eine gewisse Zweikampfhärte und Aggressivität, hohes Laufvermögen, Durchsetzungsstärke, Kampfgeist.

Die Rolle hinten rechts in einer Viererkette hatte Wolf vorher selten übernommen, eingeplant hatte der BVB ihn bei der Verpflichtung im Mai 2018 dort explizit nicht. Doch die Not machte erfinderisch, und mit der Aussicht auf Rasenzeit statt Bankdrückerei fand der gebürtige Oberfranke Gefallen an dem Vorschlag. „Wo mich der Trainer aufstellt, ist mir im Endeffekt egal“, sagte Wolf. „Ich will der Mannschaft helfen und die Position natürlich auch gut spielen.“

Rote Karte im Revierderby

Sieben Mal durfte der auf dem Feld heimatlose Wolf hinten rechts ran und sammelte so im letzten Viertel der Saison mehr Spielminuten als zuvor. „Er hat das gut angenommen und gut gelöst“, lobte ihn Sportdirektor Michael Zorc.

Fahrverbot
Im April sorgte Marius Wolf bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Er war am 24. März 2018 von der Polizei auf der A3 im Landkreis Kitzingen gestoppt worden. Dabei kam heraus, dass aufgrund eines früheren Vergehens ein Fahrverbot bestand. Die Folge: Zwei weitere Monate Fahrverbot und 200.000 Euro Geldstrafe.

Bis zu seiner Roten Karten für das grobe Foulspiel im Revierderby gegen Schalke 04 machte sich Wolf mangels Alternativen unverzichtbar. In den letzten drei Saisonspielen fehlte er dann gesperrt.

In der Statistik sind durchschnittliche Zweikampfwerte (48 Prozent gewonnen) aufgeführt und ein ordentliches Passspiel (86,8 Prozent der Zuspiele angekommen), lediglich 15 Torschussbeteiligungen lassen ihn nicht als zielführenden Offensivgeist erscheinen.

Insgesamt schlagen für Wolf Werte zu Buche, die ihn höchstens im Durchschnitt führen, spitze ist hingegen seine Laufbereitschaft, er kommt hochgerechnet auf rund 12,3 Kilometer pro Partie mit einem hohen Anteil intensiver Läufe.


Perspektive für die Saison 2019/2020:

Nicht viel deutet darauf hin, dass Marius Wolf gemäß seines Slogans in der kommenden Spielzeit endgültig von der Leine gelassen wird. In der Offensive wird der BVB durch die Neuzugänge wie Thorgan Hazard oder Julian Brandt noch stärker besetzt sein. Als rechter Verteidiger dürfte Wolf hinter Lukasz Piszczek und Achraf Hakimi nur die Option Nummer drei sein.

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Von den trüben Aussichten allerdings wird sich Wolf nicht beirren lassen. „Er holt immer alles aus sich heraus, damit passt er sehr gut zu unserer Ruhrgebiets-Mentalität“, sagte Sportdirektor Zorc. Was die Arbeitsauffassung betrifft, muss sich Wolf in der Tat nichts vorwerfen lassen. Und seine Art und Weise Fußball zu arbeiten ist im BVB-Kader nicht stark vertreten. Er wird also seine Chancen bekommen. Die muss er dann nutzen.

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