Borussia Dortmund

Meunier gibt erschreckende Einblicke: BVB-Profi rät Fußballern von einem Outing ab

BVB-Profi Thomas Meunier fordert ein starkes Zeichen gegen Homophobie und Rassismus. Er selbst rät Fußballern aber von einem Outing ab – und gibt erschreckende Einblicke.
BVB-Profi und Belgien-Nationalspieler Thomas Meunier bei einer Pressekonferenz. © dpa

Der Sänger Marcus Wiebusch, Frontmann der Band Kettcar, hat 2014 eine Solo-Single herausgebracht. „Dieser Tag wird kommen“, singt er dort und beschreibt die Geschichte eines jungen, aufstrebenden Fußballers, der ein Problem hat. Ein Problem, das eigentlich keines sein darf. Er ist schwul. Outen kann er sich nicht. Die Hoffnung ist groß, dass sich das irgendwann ändert. Sieben Jahre später zeigt nicht nur die Regenbogen-Debatte im Vorfeld der Partie zwischen Deutschland und Ungarn, dass sich rein gar nichts geändert hat. BVB-Profi und Belgien-Nationalspieler Thomas Meunier liefert nun erschreckende Einblicke in die Welt des Profi-Fußballs.

BVB-Profi und Belgien-Nationalspieler Meunier gewährt erschreckende Einblicke

Meunier offenbart, dass der von Marcus Wiebusch besungene Tag, „an dem wir die Liebe, die Freiheit und das Leben feiern“, noch in weiter Ferne liegt. „Wir befinden uns im 21. Jahrhundert. Es ist an der Zeit, die Menschen so zu akzeptieren, wie sie sind“, sagt der Rechtsverteidiger von Borussia Dortmund und fordert mehr Einsatz für Toleranz und Vielfalt. In der Welt des Fußballs ist das aber offenbar gar nicht so leicht. Homophobie und Rassismus spielen immer noch eine zentrale Rolle.

„Es ist bedauerlich, was hier passiert. Es hat gewisse Schritte nach vorne gegeben, aber ich weiß, dass es gegen Rassismus nicht genug ist. Wir müssen mehr dagegen tun. Es gibt viele Leute, die Angst haben. Wir müssen ein starkes Zeichen setzen“, sagt Meunier und der BVB-Profi ergänzt: „Jeder hat das Recht, seine eigene Meinung und Lebensweise zu haben und das muss man respektieren. Das nicht zu respektieren, geht gegen die Demokratie.“

BVB-Profi Meunier: Rassismus und Homophobie ist ein Problem im Fußball

Der 29-jährige Meunier kennt dabei alle Seiten des Fußballs. Lange Zeit kickte er selbst im Amateurbereich, erst spät startete seine Profikarriere. Dort hat er auch schon alles erlebt. Er war Teil großer Turniere, deren Ausrichter sich mit scheinheiligen Kampagnen wie zuletzt dem kläglichen „Respect“-Versuch der Uefa gegenseitig übertrumpfen wollten. Genützt haben die herzlich wenig. Homophobie ist im Fußball nach wie vor ein großes Problem.

„Wir sehen welche (Anm. d. Red.: Fußballer, die sich outen), nachdem ihre Karrieren beendet sind“, erklärt BVB-Profi Meunier bei der Pressekonferenz des belgischen Nationalteams. So geschehen etwa bei Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Aktive Profi-Fußballer, die sich outen, gibt es hingegen nicht. Meunier macht „die Denkweise“ dafür verantwortlich. Und rät Mitspielern aus diesem Grund sogar davon ab, offen ihre Sexualität auszuleben.

BVB-Profi Meunier rät schwulen Fußballern von einem Outing ab

„Es wäre wirklich mutig, wenn sie sich outen würden, aber ich würde davon abraten, denn die Leute sind einfach noch nicht bereit dafür“, sagt Meunier und bezieht sich nicht nur auf die Fans und Zuschauer. „Selbst in den Mannschaften, den Fußballteams kenne ich Leute, die mit einem schwulen Mitspieler nicht umgehen könnten“, so der Rechtsverteidiger, der damit einen erschreckenden Einblick in die Welt des nach außen hin oft so tolerant wirkenden Sports gewährt.

Lässt sich nur hoffen, dass Marcus Wiebusch mit seinem Song irgendwann Recht behält: Dieser Tag wird kommen. Fußballer wie Thomas Meunier, die klare Kante zeigen, helfen dabei jedenfalls. Doch seine Aussagen zeigen: Der Weg ist noch lang.

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