Michael Schulz lobt den BVB-Fußball - und kritisiert Mario Götze

hzGastkolumne

Michael Schulz kommt aus dem Schwärmen kaum heraus. Mehr denn je sorgen Heimspiele der Borussia für Gänsehaut beim ehemaligen BVB-Profi. Nur für Mario Götze findet er kritische Worte.

von Michael Schulz

Dortmund

, 29.08.2019, 16:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ganz ehrlich, Leute: Da habe ich Gänsehaut! Das ist ja wie früher bei mir. Die „Schuuulz“-Rufe im Stadion sind wieder da. Der neue Schulz spielt auch links und läuft auch ein wenig komisch. Alles wie beim alten Schulz. Ich freue mich tierisch, dass Nico Schulz beim BVB so gut losgelegt hat, der Typ gefällt mir.

Neuzugänge haben begriffen, worauf es in Dortmund ankommt

Genau wie die anderen Neuen. Kicken können die alle. Und ich habe den Eindruck, dass alle Neuzugänge auch sofort begriffen haben, für welch besonderen Verein sie spielen. Worauf es hier in Dortmund ankommt. Schulz, Brandt, Hazard, Hummels sowieso, sie bereichern die Mannschaft. Alles saubere Kerle. Ich bin nur gespannt, wie sie sich geben, wenn es mal nicht so läuft, wenn du mal einen brauchst, der dazwischenhaut. In den Momenten, in denen dich zu viel Harmonie nicht vorwärts bringt.

Zur Person

Michael Schulz

Michael Schulz absolvierte zwischen 1989 und 1994 166 Pflichtspiele für Borussia Dortmund. Der Innenverteidiger eroberte mit seiner beinharten Spielweise schnell die Herzen der BVB-Fans. Der heute 57-Jährige war in seiner aktiven Laufbahn aber auch für den 1. FC Kaiserslautern und Werder Bremen am Ball, insgesamt stehen für Schulz 243 Bundesliga-Spiele in der Vita.

Aber derzeit läuft es ja top für die Borussia. Mit zwei Siegen zum Saisonstart hat sie echt ein Zeichen gesetzt. Klar, Augsburg ist kein Maßstab, der FCA zählt für mich zu den Abstiegskandidaten. Aber die musst du in dieser Art und Weise, wie es der BVB dann getan hat, auch erstmal abfrühstücken. Und das Spiel in Köln zu drehen, ist auch nicht einfach.

Der Konkurrenzkampf beflügelt die Spieler

Ich kenne einige Kölner Spieler, die haben mir nach dem Duell mit dem BVB gesagt: Wahnsinn, was Dortmund da noch auf der Bank hat. Und sie haben Recht. Da hast du jetzt richtig Qualität sitzen, wenn du mal nachlegen musst, wenn jemand die Wende erzwingen muss. Und der größere Konkurrenzkampf scheint alle Spieler zu beflügeln. Da muss man sich nur Julian Weigl angucken, der im zentralen Mittelfeld jetzt Thomas Delaney verdrängt hat. Oder Paco Alcacer, der noch besser drauf ist als im Vorjahr.

Und du hast jetzt Mats Hummels wieder hintendrin, und damit der Abwehr deutlich mehr Halt und Erfahrung gegeben, die BVB-Defensive hat sich in der letzten Saison zu viele Böcke geleistet.

Wenn nicht der BVB, wer denn sonst?

Also: Dortmund ist noch stärker geworden, und deshalb ist es auch absolut richtig, dass der Verein das klare Ziel Meisterschaft ausgegeben hat. Wenn du solch einen Fußball spielst, und ich finde, der BVB spielt den besten Fußball der Liga, und du solch einen Kader zusammen hast, dann musst du den Titelkampf ausrufen. Wenn nicht der BVB, ja wer denn bitteschön sonst?

Die Kader aus Dortmund und Bayern bewegen sich auf einem Level, finde ich. Der BVB hat tierisch aufgeholt und besitzt den Vorteil, eingespielt zu sein. Die Bayern müssen ihre neuen Spieler erst noch integrieren. Und wer weiß, wenn so ein Thomas Müller seinen Stammplatz an Coutinho verlieren sollte, ob da nicht vielleicht Unruhe aufkommt. Also für mich spricht gerade einiges für den künftigen Meister Borussia Dortmund.

Appell an Mario Götze

Nur eins verstehe ich gerade beim BVB nicht. Das Theater um Mario Götze. Wenn es wirklich am Geld liegen sollte, dass er seinen Vertrag nicht verlängert, dann weiß ich auch nicht weiter. Götze hat bei aller Qualität die er hat, in den letzten Jahren nicht so wahnsinnig viele Argumente dafür geliefert, warum er noch immer soviel Geld bekommen soll wie zu seiner Top-Zeit.

Michael Schulz lobt den BVB-Fußball - und kritisiert Mario Götze

Michael Schulz trug von 1989 bis 1994 das Trikot des BVB. © imago

Und der Verein hat viel für ihn getan, hat ihn eine große sportliche Krise überwinden lassen. Da müsste Götze über seine Situation jetzt doch eigentlich glücklich und dankbar sein.

Die Zahlen sprechen klar für Lucien Favre

So wie die BVB-Fans mit Lucien Favre. Trotz einer tollen Saison hat er viel Kritik einstecken müssen wegen seiner ruhigen, vorsichtigen Art. Aber die Zahlen sprechen klar für Favre, er passt offenbar gut zu dieser Mannschaft. Und wie gesagt: Mit diesem Kader könnte er es in diesem Jahr wirklich schaffen, Meister zu werden. Ich würde es Dortmund total gönnen, wenn es weiter so toll läuft. Nicht nur, weil ich dann noch viele „Schuuulz“-Rufe hören darf …

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