Will den ersten Titel seiner jungen Trainerkarriere: Edin Terzic (r.). © dpa
DFB-Pokalfinale 2021

Mit Haaland, Mut und Titelhunger: Der BVB will den Pott in den Pott holen

Mit Haaland. Mit Mut. Mit Titelhunger. Der BVB demonstriert Selbstvertrauen vor dem Pokalfinale. Gegner Leipzig auch. Im Endspiel prallen Fußballwelten aufeinander - bei Klubs und Trainern.

Auf die 30.000 Fans links und rechts vom Marathontor muss der BVB im Olympiastadion wehmütig verzichten. Riesige Banner erinnern stattdessen beim DFB-Pokalfinale an die Helden von einst. Bilder von Aki Schmidt, Nobby Dickel und Michael Zorc, Sebastian Kehl oder Marcel Schmelzer. Viermal durften Borussen nach dem Endspiel den stämmigen Pott in die Höhe recken. Nummer fünf soll am Donnerstag folgen.

Der BVB befindet sich in der besten Form seit langer Zeit

Trainer-Neuling Edin Terzic erntete wohlwollende bis fragende Blicke, als er in seinen ersten Tagen als Chefcoach beim BVB voller Verve verkündete, er wolle in dieser Saison „noch was gewinnen“. Ziemlich exakt sechs Monate und mehrere Rückschläge später steht der 38-Jährige im festlich geschmückten Olympiastadion vor seinem ersten Endspiel als leitender Angestellter seines Herzensvereins. Einer antriebsarmen Ansammlung hat er versiegtes Dortmunder Draufgängertum injiziert, einen zähflüssigen Spielstil mit Sturm und Drang aufgefrischt. Gerade noch rechtzeitig zum Saisonendspurt, gerade noch rechtzeitig zum Endspiel in Berlin erweckt der BVB den Eindruck, als befinde er sich in der besten Form seit langer Zeit.

Wenn Terzic jetzt sagt, er wolle den Pokal „nicht nur angucken, sondern auch anfassen nach dem Spiel“, klingt das nicht mehr juvenil-naiv. Team und Trainer sind zusammengewachsen, nach reichlich Wendepunkten fußballerisch schlagkräftig und voller Selbstvertrauen. Sportdirektor Michael Zorc lobt den Anstieg bei Form, Frische und Fokus, auch er betont: „Wir wollen den Titel holen.“ Kapitän Marco Reus ergänzt: „Wir sind da.“ Bereit für den ersten Cup-Coup seit 2017?

BVB-Torjäger Erling Haaland soll der entscheidende Faktor werden

Der Zuversicht in der Dortmunder Reisegruppe helfen fünf Pflichtspielsiege in Serie auf die Sprünge und der Top-Stürmer der Borussia: Erling Haaland hat seine muskulären Beschwerden überwunden, die Trainingseinheiten in dieser Woche mit seiner Mannschaft bestritten (Terzic: „Das sah ordentlich aus“). Er wird auf Torejagd gehen und, falls das nötig und möglich ist, den Faktor Titelhunger noch einmal exponentiell steigern. Im Gegenzug vergrößert er die Denkfalten beim 33-jährigen Julian Nagelsmann, der nach seiner zweijährigen Dienstzeit in Leipzig entweder als Volksheld oder mit gemischtem Allerlei zum nächsten Karrieresprung beim FC Bayern München ansetzt. „Für uns wird es tendenziell nicht leichter, wenn er spielt“, sagte Nagelsmann über Haaland. „Mit ihm hat der BVB noch mal eine extrem dynamische Komponente vorne.“ Sechs Tore hat seine Abwehr, die beste der Liga, in 180 Minuten von den Dortmundern eingeschenkt bekommen. Das wurmt ihn.

Die Sachsen verfügen über den ausgeglicheneren, tieferen Kader. Doch in der Offensive fehlt ihnen die Extraklasse eines Erling Haaland oder eines Jadon Sancho, die einmal mehr den Unterschied ausmachen sollen für die Schwarzgelben. Dass bei allen Diskussionen um den rechtmäßigen Status als deutsche Nummer zwei der Trend für die Borussia spricht und auch die jüngere Vergangenheit mit fünf Siegen und einem Remis in sechs Duellen gegen RB, wissen die Trainer. Direkte Auswirkungen werde das aber keine haben, sobald die Partie angepfiffen sei, meint Terzic. Sein Gegenüber Nagelsmann, vergleichbar ehrgeizig, aber zwei Oktaven kesser in der Selbst- und Außendarstellung, konstatiert: „Die Bilanz ist nicht herausragend. Es wird Zeit, dass wir mal wieder ein Spiel gegen den BVB gewinnen. Am Donnerstag haben wir die nächste Chance dazu. Da müssen wir es hinkriegen.“

BVB-Trainer Edin Terzic: „Der Wunsch ist extrem groß“

Gibt es den fünften Pokaltriumph für den Traditionsklub Borussia Dortmund oder den ersten großen Titel für den erst vor zwölf Jahren gegründeten Verein Rasenballsport Leipzig, den mit dem Verkauf von Brausedosen aufgeputschten Emporkömmling? Hier prallen kulturhistorisch Fußballwelten aufeinander, selbst wenn die Zeit der „ideologischen Grabenkämpfe“ vorbei sei, wie BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke glauben machen will. Ein Finale verliert keiner gerne, Gratulationen dürften in diesem speziell gelagerten Sonderfall besonders schwer über die Lippen kommen. Terzic will lieber den Pott einpacken: „Der Wunsch ist extrem groß. Ich kann versprechen, dass wir alles rausholen werden.“

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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