Auf wen kann BVB-Trainer Marco Rose in der Viererkette zurückgreifen? Auf Hummels, auf Pongracic oder auf beide? © imago images/Kirchner-Media
Borussia Dortmund

Mögliche Ausfälle in der Defensive: Der BVB und seine Ketten-Reaktion

Borussia Dortmund hat in dieser Saison bereits in fünf unterschiedlich besetzten Viererketten gespielt. Gegen Mainz dürfte es zu einer weiteren Variante kommen. Dafür sorgen mögliche Ausfälle.

Eigentlich war die Länderspielpause in Dortmund gedacht als Phase des Übergangs. Bevor es im Herbst in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League so richtig zur Sache geht, wollten sie bei der Borussia etwas verschnaufen, Kraft tanken und ein paar Wehwehchen auskurieren. Soweit die Theorie, die von der Realität fies durchkreuzt wurde. Binnen weniger Tage hat der BVB gleich eine Reihe neuer Verletzter angehäuft, was in der Defensive im wahrsten Sinne des Wortes eine Ketten-Reaktion erzeugen könnte.

BVB-Trainer Rose setzte in zehn von elf Pflichtspielen auf Viererkette

Denn mit der Viererkette des BVB verhält es sich genauso wie mit einer Fahrradkette. Für beide gilt: Gut geölt läuft es meistens wie geschmiert. Nun ist es an Marco Rose, in den nächsten Tagen die richtige Zusammensetzung für das Öl zu finden. Doch die möglichen Ausfälle limitieren seine Möglichkeiten und vergrößern zugleich seine Not bei der Besetzung der ersten Elf. Raphael Guerreiro ist wegen eines Faserrisses definitiv außer Gefecht. Auch Manuel Akanji ist angeschlagen von der Schweizer Nationalmannschaft zurückgekehrt. Daher wird Rose für das Heimspiel gegen Mainz 05 einmal mehr seine Viererkette umbauen müssen.

In zehn von elf Pflichtspielen hat sich der BVB-Trainer in dieser Saison für eine Viererkette entschieden. Nur beim 0:1 in Mönchengladbach gab er einer Dreierreihe den Vorzug. In den zehn Partien mit Viererkette bestand diese bislang aus fünf verschiedenen personellen Konstellationen – gegen Mainz könnte sie zum sechsten Mal neu gebildet werden. Wir stellen die Optionen vor.

BVB-Linksverteidigung: Schulz für Guerreiro in der Startelf

Am eindeutigsten dürfte die Besetzung der Linksverteidiger-Position ausfallen. Anstelle von Guerreiro dürfte Nico Schulz das Vertrauen erhalten. Zwei wichtige Gründe sprechen für dieses Szenario. Erstens hat der 28-Jährige bereits zu Saisonbeginn als Guerreiros Stellvertreter hier gespielt – so kam Schulz in den vier Pflichtspielen im DFB-Pokal gegen Wiesbaden, im Supercup gegen die Bayern und in der Bundesliga gegen Frankfurt und Freiburg zum Einsatz.

Zweitens überzeugte Schulz zuletzt auch im Testspiel gegen den SC Paderborn. „Nico hat ein richtig gutes Spiel gemacht“, lobte Rose, der den umstrittenen Linksverteidiger in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit immer wieder verteidigt hatte. „Die Entwicklung ist sehr, sehr ordentlich, wie er auftritt, wie er trainiert und wie er sich selbst wieder mehr vertraut“, befand Marco Rose bereits Mitte August.

BVB-Innenverteidiger Akanji wird am Dienstag untersucht

Kniffliger wird es da schon in der Innenverteidigung. Nach wie vor besteht die Hoffnung, dass Manuel Akanji und Mats Hummels gemeinsam den Bereich der inneren Sicherheit gegen Mainz abdecken. Für die Borussia ist das bisher eine erfolgversprechende Kombination. In den vier Begegnungen, in denen beide das Innenverteidiger-Pärchen gebildet haben, hat der BVB stets gewonnen – in der Bundesliga gegen Union Berlin (4:2) und gegen den FC Augsburg (2:1) wie auch in der Königsklasse bei Besiktas Istanbul (2:1) und gegen Sporting Lissabon (1:0). Beim missglückten Auftritt in Mönchengladbach (0:1) waren Akanji und Hummels dagegen gemeinsam mit Marin Pongracic Teil einer Dreierreihe.

Am Dienstag wird Manuel Akanji bei den BVB-Medizinern zwecks weiterer Untersuchungen vorstellig. Sollte sich dabei die von den Schweizer Ärzten diagnostizierte Adduktorenzerrung bestätigen, dürfte der seit Wochen starke Akanji am Samstag gegen Mainz nicht zur Verfügung stehen. Am ehesten dürfte dann ein Einsatz von Marin Pongracic in Frage kommen. Schon beim 4:3-Sieg in Leverkusen spielte der Kroate in der Innenverteidigung und hinterließ dabei einen guten Eindruck. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Ich wollte das Vertrauen, das man mir entgegenbringt, rechtfertigen und zeigen, was ich kann. Es ist noch Potenzial nach oben. Als ich mir das Spiel nochmal angeschaut habe, habe ich vieles gesehen, was ich verbessern kann“, sagte Pongracic jüngst im BVB-Podcast.

BVB-Abwehr: Hummels unersetzlich – Can Kandidat für Kurzeinsatz

Denkbar wäre alternativ auch ein Einsatz von Emre Can. Allerdings dürften dessen Kräfte nach wochenlangen muskulären Problemen noch immer nicht für 90 Minuten reichen, so dass der deutsche Nationalspieler eher für einen Teileinsatz in Frage kommt. Im Test gegen Paderborn erhielt Can eine Stunde lang im zentralen defensiven Mittelfeld Spielpraxis. Noch zu früh käme ein Einsatz für Dan-Axel Zagadou, der nach seiner Knie-Operation noch immer in der Reha ist.

Trotz immer wieder auftretender Patellasehnen-Probleme nahezu unersetzlich ist Mats Hummels. Hätte Marco Rose mehr gesunde Spieler in seinen Reihen, wäre es sicher ratsam, den Abwehrchef im Hinblick auf das Champions-League-Gruppenspiel bei Ajax Amsterdam (19. Oktober) zu schonen. Doch das dürfte allenfalls ein frommer Wunsch bleiben. Hummels muss auf die Zähne beißen. Sollte Hummels ausfallen, stünde Axel Witsel bereit, der in dieser Saison bereits viermal in der Innenverteidigung mit unterschiedlichem Erfolg ausgeholfen hat.

BVB-Rechtsverteidigung: Meunier, Wolf oder Passlack

Als Rechtsverteidiger war zuletzt Thomas Meunier gesetzt. Mit starken (Lauf-)Leistungen schob der Belgier vor allem in der Offensive mit an. Eine offene Wunde am Knie und ein geschwollener Zeh machen Meunier zu schaffen und ließen ihn vorzeitig von der belgischen Nationalmannschaft abreisen. Nach aktuellem Stand dürfte Meunier gegen Mainz auflaufen können. Sollte er passen müssen, hätte der BVB trotz des Langzeit-Ausfalls von Mateu Morey (Reha nach Knie-OP) zwei Optionen: Wie schon zu Saisonbeginn könnte Felix Passlack als Rechtsverteidiger spielen. Dabei hat der 23-Jährige allerdings nur bedingt überzeugt, so dass mehr für Marius Wolf spricht.

Wolf hat nach seinem Bänderriss hart im Training gearbeitet und bei seinen Einwechslungen immer wieder durch Fleiß, Engagement und Impulse überzeugt. Gegen Augsburg stand er überraschend auf der offensiven Halbposition in der Startelf. Auch im Test gegen Paderborn spielte er auf dieser Position. Dass er aber auch als Teil der Abwehrformation fungieren kann, hat Wolf bereits nachgewiesen.

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