Borussia Dortmund

„Musste mich prügeln“: Otto Addo über Rassismus und kuriose BVB-Verhandlungen

Otto Addo hat Rassismus schon häufig am eigenen Leib erfahren. Der BVB-Trainer verrät, wie er sich durchgekämpft hat - und spricht über kuriose Verhandlungen mit Borussia Dortmund.
Otto Addo fungiert derzeit als Co-Trainer bei den BVB-Profis. Ab der kommenden Saison wird er wieder als Toptalente-Trainer arbeiten. © imago / RHR-FOTO

Wie geht er mit rassistischen Beleidigungen um? Warum war sein Berater nach den Verhandlungen mit Borussia Dortmund sauer auf ihn? Und wieso ist er nicht zu Bayern München gewechselt? Darüber hat BVB-Co-Trainer Otto Addo im Format „Flügelzange“ mit Rapper und Comedian Samuel Sibilski gesprochen.

BVB-Co-Trainer Otto Addo sprach in der „Flügelzange“ über …

… seine Schulzeit: „Ich musste mich erstmal prügeln, dann gut Fußballspielen und dann war ich akzeptiert. Meine Schwester und ich waren die einzigen Schwarzen auf der ganzen Schule. Ich musste mich erstmal beweisen, egal, wo ich hinkam – in der ersten Klasse, der Vierten, der Gymnasialstufe.“

… rassistische Beleidigungen im Fußball:Ich war das auch im Fußball gewohnt, beleidigt zu werden. Das war für mich leider normal. In der Hälfte der Spiele ist das passiert, in der anderen nicht. Für mich war es das Größte, wenn ich trotzdem als Sieger vom Platz ging. Das war für mich das Beste.“

… das Interesse von Bayern München vor seinem Wechsel zum BVB: „Von 18 Bundesligisten wollten uns (Gerald Asamoah hatte denselben Berater wie Addo, Anm. d. Red.) 15 haben, Bayern München war auch dabei. Ich habe mir die damalige Bayern-Mannschaft angeguckt und gesagt: Pass auf, das wird nichts. Ich war kein Bayern-Fan und war nicht so der Freund davon, dass sie immer Meister wurden. Ich war mehr für die Außenseiter.“

Für manchen Gegner schwer zu halten: Otto Addo sprintet dem Wolfsburger Patrick Weiser davon.
Für manchen Gegner schwer zu halten: Otto Addo sprintet dem Wolfsburger Patrick Weiser davon. © dpa © dpa

… seine Gründe für den Wechsel zum BVB: „Ich hatte Riesen-Diskussionen mit meinem Berater. Ich hatte auch ein Angebot von Schalke, aber wollte unbedingt nach Dortmund. 1989 habe ich das Pokalfinale gesehen und da hat mich Dortmund in den Bann gezogen. Im Nachhinein war es sehr riskant, dorthin zu gehen. Wir hatten viele Nationalspieler und der Verein hat auch den ein oder anderen Spieler geholt. Ich hätte es woanders einfacher gehabt. Im Nachhinein war ich aber froh, dass ich das gemacht habe.“

… seine Vertragsverhandlungen mit dem BVB: „In unserem ersten Gespräch mit Michael Zorc und Michael Meier habe ich denen zugesagt, ohne dass wir über Geld gesprochen haben. Ich wollte ehrlich sein und denen zeigen, ich will kommen. Mein Berater war danach richtig sauer. Ich habe trotzdem ein sehr, sehr faires Vertragsangebot bekommen.“

Otto Addo (2.v.l.) spielte beim BVB mit Ewerthon (l.), Marcio Amoroso (M.) und Sunday Oliseh zusammen.
Otto Addo (2.v.l.) spielte beim BVB mit Ewerthon (l.), Marcio Amoroso (M.) und Sunday Oliseh zusammen. © dpa © dpa

… seine Anfangszeit beim BVB: „Die ersten zwei Monate dachte ich: Ach du Scheiße, was habe ich gemacht? Du bist völlig falsch. Ich habe jeden Zweikampf verloren, wurde abgegrätscht. Es war ein anderes Tempo. Nach zwei Monaten hatte ich mich akklimatisiert und ich habe gemerkt: Ok, das sind auch nur Menschen.“

… BVB-Legende Jürgen Kohler: „Wenn Jürgen Kohler mich gefoult hat und danach den Ball genommen hat, dann war das kein Foul. Egal, was Jürgen Kohler macht, es ist kein Foul (lacht). Ich wurde häufig gefoult und habe mich nie beschwert. Das hat mir bei ihm sehr viel Respekt eingebracht.“

… sein Tor mit Kreuzbandriss im Europapokal gegen Austria Wien: „Ich wollte es nicht wahrhaben und meinte: Doc, lass mich in Ruhe. Dann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich nicht mehr laufen kann. Ich wollte aber auf dem Feld bleiben, um noch einen Gegner zu binden. Dann war es Zufall, dass Lars Ricken mich angespielt hat, ich habe den Ball bekommen und gedacht: Komm, es tut zwar weh, aber Augen zu und durch.“

Austria-Torwart Thomas Mandl kümmert sich nach seinem Kreuzbandriss-Tor um den verletzten Otto Addo.
Austria-Torwart Thomas Mandl kümmert sich nach seinem Kreuzbandriss-Tor um den verletzten Otto Addo. © imago / Ulmer © imago / Ulmer

… das möglicherweise manipulierte WM-Achtelfinale 2006 mit Ghana gegen Brasilien (0:3): „Er hat sieben Stammspieler auf die Bank gesetzt, hat keine Begründung genannt. Wir waren baff. Ganz ehrlich, ich weiß gar nicht, wie der Trainer hieß, aber es war ein Jugoslawe (Ratomir Dujkovic, Anm. d. Red.). Im Nachhinein habe ich erfahren, dass das Spiel angeblich getürkt gewesen sein soll. Das ist nur spekulativ. Ich habe keine Beweise dafür, aber es war sehr, sehr ungewöhnlich und sehr, sehr merkwürdig.“

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