Neue Rolle: Für BVB-Kapitän Reus hat die Gesundheit absolute Priorität

hzBorussia Dortmund

Die Coronakrise hilft BVB-Kapitän Marco Reus, seine Verletzung auszukurieren. Der 30-Jährige biegt auf die Zielgerade seiner Karriere ein. Längst hat die Gesundheit absolute Priorität.

Dortmund

, 27.04.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Marco Reus ist ein alter Hase im Profi-Geschäft, aber in der vergangenen Woche erlebte er eine Premiere. Zum ersten Mal nahm der BVB-Kapitän einen Podcast auf. Entspannt, ohne Zeitdruck, ohne Rechtfertigungsdruck vor der Kamera direkt nach aufwühlenden Spielen. Das, sagte der Mittelfeldspieler, gefalle ihm.

Reus verpasste in seiner Zeit beim BVB bislang 126 Pflichtspiele

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Reus hat mal wieder einen Marathon hinter sich gebracht. Zum x-ten Male in seiner langen Karriere, in der Verletzungen ein steter und unangenehmer Begleiter gewesen sind. Wer sich so oft zurückkämpfen muss nach so schweren Verletzungen, der braucht extreme Leidensbereitschaft, hohe Professionalität in der Reha, eine starke Psyche und - nicht zuletzt - sehr gutes Heilfleisch.

Doch auch an Reus sind die Spuren einer langen Karriere nicht vorbeigegangen. Die Zeit, die er durch eine lange Verletzungspause verloren habe, würde er gern „hinten dranhängen“, das hört man oft und gern von Profis, wenn sie nach langen Verletzungen ihr Comeback feiern können. Bei Marco Reus summieren sich die diversen Blessuren allein im BVB-Trikot zu 126 verpassten Pflichtspielen. Das sind mehr als zwei komplette Saisons. Ob die Rechnung auch bei ihm aufgeht, daran sind Zweifel erlaubt.

BVB-Kapitän Marco Reus musste sein Spiel umstellen

Denn der Sport fordert seinen Tribut. Reus hat sein Spiel umgestellt in den vergangenen Jahren. Die Statistiken belegen, dass er an Geschwindigkeit mit Ball eingebüßt hat, auch deshalb sucht er seltener das (bisweilen schmerzhafte) Eins-gegen-Eins. Er spielt mit mehr Übersicht, mehr Ballstafetten statt Dribblings und versucht sich über schlaue Laufwege in eine Abschlussposition zu bringen.

Neue Rolle: Für BVB-Kapitän Reus hat die Gesundheit absolute Priorität

Die aktuelle Zwangspause soll sich auszahlen für Marco Reus. „Es war ein logischer Schritt, dass wir es bei mir nach dem Stopp langsamer angehen lassen“, sagt er. Zusammen mit den Reha-Trainern habe er die Zeit genutzt, „um meinen Körper in einen noch besseren Zustand zu bringen.“ Reus bekräftigt, er sei „voll im Reha-Plan, läuferisch und mit Ball.“

Marco Reus hört auf die Signale seines Körpers

Die Rolle von Marco Reus hat sich schon verändert beim BVB, sie wird sich in den nächsten Jahren womöglich weiter verändern. Als Führungsfigur und Kapitän ist er immer noch wichtig, er kann immer noch Spiele entscheiden. Seine besondere Stärke ist, mit seinen Toren Partien in die richtige Richtung zu lenken. Doch es wird vor allem immer wichtiger werden, dass ihm seine Gesundheit keinen Strich durch die Rechnung macht. Schon jetzt nimmt der 30-Jährige deutlich mehr Rücksicht auf die Signale seines Körpers. Als er sich Anfang Februar beim Pokalspiel in Bremen verletzte, wurde die Ausfallzeit auf vier Wochen bis zum Wiedereinstieg ins Training prognostiziert. Der Heilungsverlauf erzwang einen anderen Zeitplan.

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Der Vertrag von Marco Reus bei Borussia Dortmund läuft noch drei weitere Spielzeiten. Es ist klar, dass er beim BVB seine Karriere beenden wird. Lange Zeit hat der Fußball sein Leben komplett bestimmt, mittlerweile kommen andere Dinge hinzu. Auch wenn der Fußball immer noch sehr wichtig sei, seine kleine Tochter zeige ihm, „dass Du zu Hause etwas hast, was Liebe und Aufmerksamkeit braucht.“

Marco Reus unterstützt Dortmunder Betriebe finanziell

Reus ist als Fußballer und Mensch gereift. Durch die Coronakrise fand er einen Weg, Menschen in seiner Heimatstadt zu helfen. Die Initiative #helpyourhometown sei ein lang gehegter Wunsch gewesen, sagt Reus. Einige Mitspieler schlossen sich spontan seiner Aktion an.

Die jüngste Verletzung und die Fußballpause boten ihm die Chance, sich diesem Projekt verstärkt zu widmen. Auch Reus aber hofft, dass es bald Grünes Licht für eine Saisonfortsetzung gibt. Wenn dann Mannschaftstraining wieder erlaubt sein wird, will er zurück sein. Der Schritt „zwischen Reha und Teamtraining ist extrem hart“, sagt er, „ich weiß, wovon ich spreche.“

Reus wird es gelingen, den Anschluss wieder herzustellen. Wieder einmal. Im Herbst seiner Karriere aber gönnt man ihm vor allem, dass er das nicht noch weitere Male unter Beweis stellen muss.

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