Neue Sorgen um BVB-Kapitän Reus - Favre will Vorsicht walten lassen

hzBorussia Dortmund

Marco Reus kann in Marbella vorerst nur individuell trainieren - der BVB-Kapitän hat mit den Folgen eines Muskelfaserrisses zu kämpfen. Trainer Lucien Favre zweifelt an einer zeitnahen Rückkehr.

Marbella

, 05.01.2020, 09:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Lucien Favres Blick verdüsterte sich ein wenig, als er am Flughafen in Dortmund kurz vor der Abreise nach Marbella Auskunft darüber gab, wie es um die Dortmunder Sorgenkinder bestellt ist. Eine ganze Handvoll Spieler kurierte über Weihnachten Blessuren aus der Spätphase der Hinrunde aus. Nur Mats Hummels (Handprellung) wirkte beim ersten Training in Marbella uneingeschränkt mit. Bei den meisten anderen sei „Vorsicht geboten“, wie Favre erläuterte. Gemeint war auch, und vor allem: der Kapitän.

Im vergangenen Jahr verpasste Reus das gesamte Trainingslager

Marco Reus in Marbella nicht im Training, da dürfte es bei den meisten Fans klingeln. Schon im vergangenen Jahr sah man ihn auf der Anlage „La Dama de Noche“ nicht auf dem Rasen. Der Infekt, der ihn ans Hotelbett fesselte, erwies sich als sehr hartnäckig. Prognosen über seine Rückkehr mussten immer wieder verschoben werden, letztlich war die Woche in Spanien vertane Zeit für den Dortmunder.

„Wir müssen bei allen aufpassen.“
Lucien Favre

Und im Verlauf der Vorrunde sollte sich erweisen, dass Reus gerade die Grundlagen-Einheiten in Spanien fehlten. Er kam nicht in den Rhythmus, er verletzte sich obendrein im Februar an den Adduktoren, und am Ende einer Saison, in der Borussia Dortmund die große Chance auf die neunte deutsche Meisterschaft noch verspielte, blickte Marco Reus auf eine auch persönlich sehr durchwachsene und frustrierende Rückrunde zurück.

Wie wichtig auch sein Trainer eine komplette, weil ja ohnehin sehr kurze Vorbereitung für seinen Kapitän erachtet, das ließ sich in Lucien Favres Gesichtsausdruck ablesen, auch wenn sich der Schweizer noch ein Lächeln abrang. Zumal die Summe an auf dem Platz noch fehlenden Spielern einfach zu groß ist, um dies nur als kleinere, nicht weiter dramatische Störung abzutun. Favres Lächeln sagte eigentlich auch nur: Wir nehmen hin, was nicht zu ändern ist. „Wir müssen bei allen aufpassen“, meinte er lakonisch.

Zeitnahe Reus-Rückkehr wohl nicht zu erwarten

Bei der Fülle auch an schweren Verletzungen, die der mittlerweile 30-jährige Reus schon hinter sich gebracht hat, wird dieser Faserriss allenfalls eine Randnotiz bleiben. Dennoch gebietet jede kleinere Störung der Gesundheit in seinem fortgeschrittenen Fußballer-Alter nun besondere Obacht. So strampelte Marco Reus am Samstag im eigens errichteten Fitness-Zelt neben Thomas Delaney und Thorgan Hazard nur auf dem Fitness-Ergometer, während sich seine Kollegen in der ersten lockeren Einheit auf dem Rasen den zweieinhalbstündigen Flug aus den Beinen schüttelten.

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Das erste Training des BVB in Marbella

Die Muskelverletzung, die sich Marco Reus beim 3:3 gegen Leipzig in der Woche vor Weihnachten zugezogen hat, wird den Dortmunder Kapitän wohl während des gesamten Trainingslagers noch beschäftigen. Favre klang am Samstag nicht sonderlich optimistisch, was eine zeitnahe Reus-Rückkehr auf den Trainingsplatz anging. Nach einer mäßigen Hinrunde hatte die Verletzung auch den klaren Aufwärtstrend des Mittelfeldspielers gebremst.

Reus muss beim BVB um Form und Rhythmus kämpfen

Wie sehr der BVB von einem starken Reus abhängig ist, hat nicht nur die sportliche Dürrephase gezeigt, die die Borussia durchmachte, als ihr Anführer im Februar verletzt fehlte. Drei Unentschieden in Serie ließen damals den Vorsprung auf die Bayern schmelzen wie ein Eis in der Sommersonne. Obwohl Reus in der Hinrunde dieser Spielzeit lange um Form und Rhythmus kämpfen musste, werden seine 13 Torbeteiligungen in der Bundesliga (neun Tore, vier Assists) auch nur von Jadon Sancho getoppt. In 22 Pflichtspielen (inklusive Supercup) kommt Reus auf zehn Treffer und fünf Torvorbereitungen, das sind trotz mühevoller Arbeit statt spielerischer Leichtigkeit immer noch sehr ordentliche Werte.

Reus wird seit Jahren von Verletzungen immer wieder zurückgeworfen. Er verpasste die WM 2014, weil er sich im letzten Test auf deutschem Boden bei einem üblen Foul einen Riss der Syndesmose zuzog. Kurz vor der EM 2016 stoppte ihn völlig überraschend eine Schambeinentzündung, im Mai 2017 folgte im Pokalfinale der Kreuzband-Teilriss. Von so schweren Blessuren blieb er seither verschont, immer wieder aber machte sich sein Körper zwischendurch bemerkbar. Zu Reus‘ Karriere gehört allerdings ebenso, dass er nach langen Zwangspausen immer wieder sehr schnell sein altes Niveau erreichte. Will der BVB möglichst lange um den Titel mitspielen, benötigt er einen gesunden Reus. Und Reus braucht absolute Fitness, um seinem Anführer-Anspruch gerecht zu werden.

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