Gregor Kobel ist die neue Nummer 1 des BVB. © imago / GEPA pictures
Borussia Dortmund

Neuer BVB-Torhüter: Gregor Kobel und ein Gefühl von Sicherheit

Nach sechs Jahren Roman Bürki geht Borussia Dortmund mit einer neuen Nummer eins in die Saison. In der Vorbereitung hat Gregor Kobel gezeigt, wieso er den BVB-Dreikampf für sich entschieden hat.

Man muss schon wirklich genau hinsehen, um diesen kleinen aber feinen Unterschied auf dem Instagram-Profil von Gregor Kobel zu erkennen. In seiner Zeit beim VfB Stuttgart hatte er seine Posts mit dem Hashtag #GK1 versehen. Unter dem Bild seiner Vertragsunterzeichnung beim BVB hingegen fehlte die 1 – wohl aus Respekt gegenüber seinen beiden Schweizer Konkurrenten Roman Bürki und Marwin Hitz. Wenngleich intern schon längst festgestanden haben dürfte, dass Kobel die neue Nummer eins im BVB-Tor werden würde. Mittlerweile ist das auch nach außen klar kommuniziert worden – und auch der Hashtag lautet wieder #GK1.

Kobel löst Bürki nach sechs Jahren als Nummer eins beim BVB ab

In Gregor Kobel hat der BVB also eine neue Nummer eins. Nach sechs Jahren muss Roman Bürki seinen Posten als Stammtorhüter räumen. 232 Mal stand er bislang für Borussia Dortmund zwischen den Pfosten, 83 Mal blieb er dabei ohne Gegentor. Doch trotz guter Quote und phasenweise auch starken Leistungen war der 30-Jährige im BVB-Umfeld nie unumstritten. Immer wieder leistete er sich Unsicherheiten, galt nie als einer dieser Torhüter, die auch die scheinbar Unhaltbaren festhalten. Nun soll er den Verein verlassen.

In Marwin Hitz hat der BVB zwar eine zuverlässige Nummer zwei in seinen Reihen, aber gerade in der vergangenen Saison, als Hitz seinen Landsmann zeitweise ablöste, zeigte sich, dass auch er nicht zwangsläufig der Torwart-Typ ist, mit dem der BVB nach Größerem greifen kann. Zu unkonstant – zu Beginn auch aufgrund mangelnder Spielpraxis – waren seine Leistungen, zu beschränkt seine fußballerischen Fähigkeiten.

BVB-Profi Kobel: Der Prototyp des modernen Torhüters

Also machte sich BVB-Sportdirektor Michael Zorc in diesem Sommer auf die Suche nach einem Torhüter, nach einer neuen Nummer eins. Und fand sie in Gregor Kobel, der für seine Aufgabe gleich einige Tage eher aus dem Urlaub zurückkehrte. „Borussia Dortmund ist einer der größten Vereine überhaupt. Ich habe richtig Bock drauf.“ 1,94 Meter groß, breit gebaut, schnell auf der Linie, stark mit dem Fuß – der Prototyp des modernen Torhüters. „In ihm sehen wir großes Potenzial. Gregors Zielstrebigkeit, sein Ehrgeiz und seine Konstanz sind bemerkenswert, das Profil seines Torhüterspiels passt zu uns“, sagte Zorc bei der Verpflichtung.

Für den VfB Stuttgart stand der neue BVB-Torhüter 65 Mal zwischen den Pfosten. © dpa © dpa

Vor allem die Konstanz ist es, die Bürki und Hitz in der vergangenen Saison haben vermissen lassen und die sich der BVB nun von Gregor Kobel erhofft. Eine Nummer eins, auf die man sich in fast jeder Situation verlassen kann, die da ist, wenn in der Hintermannschaft mal etwas schiefläuft, die bei hohen Bällen Präsenz ausstrahlt und die mit dem Ball umgehen kann. Eigenschaften, die Kobel laut eigener Aussage mitbringt: „Ich bin einer von den neueren Torhütern, der von klein auf gelernt hat, mitzuspielen, der Aufbauspieler zu sein. Und in Deutschland wurde ich sehr viel auf Eins-gegen-Eins geschult.“

BVB-Torhüter Kobel noch ohne internationale Erfahrung

Dennoch gibt es einige BVB-Fans, die den Kobel-Transfer kritisch beäugen. Zwar zeigte der 23-Jährige in den vergangenen beiden Spielzeiten beim FC Augsburg und dem VfB Stuttgart richtig gute Leistungen, allerdings verfügt Kobel bislang über keinerlei internationale Erfahrung. Auch in der Schweizer Nationalmannschaft, für die er im Laufe der Europameisterschaft nachnominiert wurde, sammelte er bislang keine Einsätze.

Trotzdem strahlt dieser Gregor Kobel etwas aus, was im Dortmunder Tor in dieser Form schon lange nicht mehr zu sehen war: Sicherheit. In drei Testspielen, zwei davon lediglich über 45 Minuten, musste Kobel noch nicht einmal hinter sich greifen. Er wurde zwar nur selten geprüft – aber wenn, dann war er da. Und das in einer Art und Weise, die Marco Rose und der gesamten Mannschaft ein gutes Gefühl vermitteln dürfte.

BVB-Stürmer Haaland verzweifelt an Gregor Kobel

Und auch im Training schmeißt der Schweizer wortwörtlich alles rein – häufig seinen Körper. Er zögert nicht beim Herauslaufen, wirft sich in jeden Ball, selbst wenn es im Zweikampf mit Erling Haaland noch so gefährlich für ihn werden könnte. So häufig wie im Trainingslager hat man den norwegischen Angreifer selten verzweifeln sehen. Schuld daran: Gregor Kobel. Denn selbst wenn er schon geschlagen scheint, hechtet er noch einmal hinterher, bekommt irgendwie die Hand oder den Fuß an den Ball. Nicht verwunderlich also, dass in fast jeder Spielform das Team gewonnen hat, bei dem Kobel im Kasten stand. „Die erste Priorität ist immer, kein Gegentor zu kriegen.“ Auch im Training.

Das lag auch daran, dass der Schweizer Nationaltorhüter viel mit seinen Verteidigern spricht. Mit wem er in den kommenden Wochen aufgrund der Verletzungen von Mats Hummels, Raphael Guerreiro und Emre Can und den erst spät dazugestoßenen Manuel Akanji und Thomas Meunier, der wegen des positiven Coronatests noch länger ausfallen wird, kommunizieren muss, ist noch offen. Klar ist aber: Egal, wer dort hinten aufläuft, sie können sich auf ihren neue Nummer eins verlassen. #GK1

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