„Nur einmal pro Generation“: So tickt BVB-Neuzugang Jude Bellingham

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Erst Erling Haaland, jetzt Jude Bellingham. Borussia Dortmund gewinnt erneut das Rennen um eines der begehrtesten Talente im europäischen Fußball. So tickt der BVB-Neuzugang aus England.

Dortmund

, 18.07.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wo andere sich in ihren besten Zwirn geworfen hätten, wählte Jude Bellingham die sportliche Variante: Zum Medizincheck in Dortmund trug der 17-Jährige einen grauen Trainingsanzug mit kurzer Hose, weiße Socken und Badelatschen. Am Donnerstag hat der Offensivspieler seine sportliche Zukunft geklärt: Vom englischen Zweitligisten Birmingham City geht es ab August zu Borussia Dortmund.

Dortmund fädelt den Deal mit Jude Bellingham früh ein

Der BVB hatte Bellingham schon lange im Blick und fädelte diesen Transfer, der erst in der kommenden Woche offiziell wird, früh ein. Als seit dem Winter nacheinander auch eine Reihe englischer Topklubs ihre Avancen machten bei den Bellinghams in Birmingham, musste die schwarzgelbe Delegation um den Zuschlag zittern. Doch der Spieler und sein ihn beratender Vater hielten Wort. Auge in Auge sagten sie Manchester United oder dem FC Chelsea ab, um für eine mögliche Rückkehr auf die Insel in einigen Jahren nicht die Türen zu versperren.

Bereits im vergangenen Sommer streckte die Borussia um Chefscout Markus Pilawa seine Fühler aus, noch bevor Bellingham mit gerade einmal 16 Jahren sein Profidebüt feierte in der Championship. Das England-Juwel hatte in jungen Jahren immer Jahrgänge übersprungen und auch in Englands U-Auswahlmannschaften überragende Leistungen abgeliefert. Im Sommer nahm ihn Birmingham Citys Cheftrainer Pep Clotet mit auf eine Vorbereitungs- und Werbereise in die USA und behielt ihn gleich in seinem Kader. Dieser aufregende junge Mittelfeldspieler, von dem alle Jugendtrainer schwärmten, unterschrieb einen Ausbildungsvertrag („scholarship contract“) für zwei Jahre.

Jude Bellingham: starke Technik und großes Spielverständnis

In England verblüfft Bellingham seither. „Ich habe“, sagt Brian Dick, Reporter der „Birmingham Mail“, „noch nie einen Spieler gesehen, der in so jungen Jahren schon so gut war. So ein Talent findet man nur einmal pro Generation.“ Bei dessen Spielweise und seinem Verhalten auf und auch neben dem Platz könne man sich nur verwundert die Augen reiben: „Er wirkt in keiner Weise wie ein Teenager. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man ihn auf 25 schätzen.“ Im zentralen Mittelfeld, wahlweise auch auf der Seite oder etwas offensiver ausgerichtet, drückt der Teenager auch in den Duellen mit abgeklärten Mitt-Zwanzigern dem Spiel seinen Stempel auf.

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Den Youngster zeichnet eine starke Technik, großes Spielverständnis und eine für sein Alter erstaunliche Robustheit aus. Bellingham ist ausreichend schnell, wenn auch kein Supersprinter. Er deckt dank seiner Laufstärke den ganzen Platz ab, prescht auch in den Strafraum vor und scheut keinen Zweikampf. Vergleichbar sei er in der Spielanlage mit Englands Nationalspieler Dele Alli von den Tottenham Hotspur. „Ein Box-to-box-Spieler, überall zu finden auf dem Platz“, erklärt Brian Dick.

BVB überweist für Jude Bellingham bis zu 26 Millionen Euro

Bellinghams Familie um Vater Mark hält den hochtalentierten Jungen auf dem Boden und schirmt ihn nach außen ab. Indiskretionen gibt es keine. Wenig verwundert dabei auch, dass Bellingham den Abgang für seinen Heimatklub, für den er seit 2010 kickt, schmerzlindernd gestaltet. Die Ablösesumme liegt bei 23 Millionen Euro und kann durch erfolgsabhängige Nachzahlungen auf bis zu 26 Millionen Euro steigen. Die „Blues“ stecken finanziell in der Klemme, seit die Transferbilanzen über mehrere Jahre nicht stimmten - und mussten sogar Punktabzüge hinnehmen.

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Auf der anderen Seite steht der BVB, der gründlich, zielstrebig und effektiv scoutet. Das eröffnet einen kleinen Wettbewerbsvorteil. Es schadet sicher nicht, als einer der ersten Klubs sein Interesse zu bekunden, schon einen Fuß in der Tür zu haben, bevor die anderen Vereine anklingeln. So lief es auch bei Jude Bellingham. Und die Kombination aus dem vorauseilend guten Ruf in Sachen Talententwicklung sowie der frühen Anbahnung möglicher Transfers hat auch in diesem Fall ihre Wirkung nicht verfehlt.

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