Marin Pongracic ist beim BVB nur noch Innenverteidiger Nummer fünf. © imago images/Revierfoto
Borussia Dortmund

Nur noch BVB-Innenverteidiger Nummer fünf: So geht es mit Marin Pongracic weiter

Marin Pongracic ist beim BVB in der Hierarchie der Innenverteidiger ganz nach hinten gerutscht - noch hinter einen Mittelfeldspieler. Ein Verbleib des Kroaten bei Borussia Dortmund scheint ausgeschlossen.

Mit frisch blondierten Haaren und dicker Jacke nahm Marin Pongracic in Frankfurt auf der Ersatzbank Platz. Und das, obwohl Borussia Dortmund in Dan-Axel Zagadou und Manuel Akanji gleich zwei Innenverteidiger fehlten. Pongracic wäre die einzig positionsgetreue Alternative des BVB-Kaders gewesen, doch Trainer Marco Rose entschied sich mit Emre Can lieber für einen gelernten Mittelfeldspieler an der Seite von Mats Hummels. Das sagt viel über den Stellenwert des Kroaten aus – und über seine Perspektive beim BVB.

Nach gutem Start beim BVB ging die Formkurve steil bergab

Dabei verlief der Start in Dortmund recht verheißungsvoll. Am letzten Tag der Transferperiode für ein Jahr aus Wolfsburg ausgeliehen, stand Pongracic nur wenige Tage nach seiner Vorstellung beim Bundesliga-Spiel in Leverkusen in der Startelf. Zwar passte die Abstimmung mit Nebenmann Akanji noch nicht hundertprozentig, Pongracic präsentierte sich aber extrem zweikampfstark. „Ich weiß, was er kann“, sagte Rose, der mit dem Kroaten bereits in Salzburg zusammengearbeitet hatte. „Und das muss er versuchen, jetzt bei Borussia Dortmund abzurufen.“

Doch nachhaltig konnte Pongracic im schwarzgelben Trikot nicht überzeugen. Die Auftritte wurden von Woche zu Woche schwächer. Aus vielen Laufduellen ging er nur als zweiter Sieger hervor, in den Zweikämpfen fehlte nötige Härte, dazu schlichen sich immer mehr kapitale Böcke ein. So wie in Leipzig, als er nach 45 Minuten wieder ausgewechselt wurde. Oder in Lissabon beim desaströsen 1:3, als er beim 0:1 desorientiert umherlief.

BVB-Leihspieler Pongracic schießt öffentlich gegen VfL Wolfsburg

In der Liga fand Pongracic sich ab dem 11. Spieltag (Leipzig) fast ausschließlich auf der Bank wieder. Nur gegen die Hertha durfte er noch einmal ran, dort waren allerdings in Hummels, Akanji und Zagadou gleich drei Innenverteidiger ausgefallen. Can und Axel Witsel im Defensivzentrum – das war dann wohl selbst Marco Rose ein zu großes Wagnis. Also startete Pongracic, er konnte aber nicht unbedingt Eigenwerbung betreiben.

© Pinnow, Kevin

Statt auf dem Platz machte Pongracic zuletzt eher außerhalb des Feldes von sich reden. In einem weder von Borussia Dortmund noch vom Berater autorisierten Gespräch mit dem Rapper SSYNIC, das auf der Plattform Twitch gestreamt wurde, schoss der Verteidiger scharf gegen den VfL Wolfsburg – immerhin noch bis 2024 sein eigentlicher Arbeitgeber. „Ich war in Wolfsburg abgeschrieben. Die hatten gar keinen Bock mehr auf mich“, haute der BVB-Leihspieler raus. „Die haben angefangen, Faxen zu machen und ich habe gemerkt, die wollen, dass ich von mir ausgehe.“

Pongracic sorgt mit „Like“ für Diskussionen bei den BVB-Fans

Außerdem, und das wiederum verärgerte die BVB-Verantwortlichen, plauderte er über Vertragsinhalte seiner Leihe. „Dortmund hat das Gehalt übernommen.“ Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl deutete damals umgehend Konsequenzen an. „Einige Aussagen sind inhaltlich absolut nicht in Ordnung. Sie können sicher sein, dass wir intern mit Marin darüber sprechen werden.“

Ob die Verantwortlichen von Borussia Dortmund in diesen Tagen wieder das Gespräch mit Pongracic suchen werden, ist nicht bekannt. Glücklich werden sie über den neusten Fauxpas des Innenverteidigers aber sicherlich nicht sein. Pongracic hatte einen Instagram-Post des „kicker“ mit einem Zitat von Lothar Matthäus („Würden Dortmund und Leipzig so gut arbeiten wie Mainz und Freiburg, dann hätten sie eine Chance. Geld allein ist es nicht.“) mit einem „Like“ versehen, diesen offensichtlich wenig später aber wieder zurückgezogen. Doch ein Screenshot hatte in den Sozialen Medien längst die Runde gemacht und bei den BVB-Fans für Diskussionen gesorgt.

BVB hat eine Kaufoption in Höhe von neun Millionen Euro

Sicherlich nicht der klügste Schachzug, aber auch keine Aktion, die man dramatisieren müsste. Dennoch: Sie passt in das Bild, das der Deutsch-Kroate in seiner Zeit bei Borussia Dortmund abgegeben hat – und auch schon bei vorherigen Klubs. Beim VfL Wolfsburg war er mehrfach durch Undiszipliniertheiten aufgefallen, kam beispielsweise öfter zu spät zum Training.

Theoretisch würde Pongracic nach Ablauf der Leihe im Sommer dorthin zurückkehren. Das Thema dürfte aber spätestens seit seinem medialen Rundumschlag gegen die Wölfe vom Tisch sein. Ähnlich unwahrscheinlich erscheint ein Verbleib bei Borussia Dortmund. Die Kaufoption, die der BVB ziehen könnte, liegt bei neun Millionen Euro. Das hatte Pongracic selbst in dem Twitch-Interview bekannt gegeben und noch hinterhergeschoben: „Wenn ich es hier einigermaßen gut mache, hoffe ich, dass die das machen.“

Marin Pongracic: Zukunft beim BVB so gut wie ausgeschlossen

Mittlerweile scheint die Hoffnung ein wenig verflogen. Aus dem Umfeld des Spielers war zu vernehmen, dass Pongracic und sein Berater sich der aktuell eher bescheidenden Situation durchaus bewusst sind. Demnach spricht viel dafür, dass sich Pongracic für die kommende Saison einen neuen Arbeitgeber suchen muss. Bis dahin dürfte er noch einige Male beim BVB von der Ersatzbank zuschauen.

Ihre Autoren
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.