Piszczek, Dahoud, Götze - drei BVB-Spieler mit unterschiedlichen Perspektiven

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Klubs und Spieler hängen angesichts der Unsicherheiten im Profifußball in der Luft. Bei den BVB-Profis Piszczek, Dahoud und Götze ist das der Fall - mit ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Dortmund

, 23.03.2020, 18:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man sieht Mario Götze, wie er einen Espresso schlürft, dann zeigt er sich daheim bei Stabilitätsübungen, „um die Fitness zu erhalten“. Beim Fotodienst Instagram lässt Götze, zum „Homeoffice“ verdammt wie alle anderen Kadermitglieder von Borussia Dortmund, die Anhänger des BVB teilhaben an seinen täglichen Routinen und derzeit nicht den Eindruck, dass ihn Zukunftssorgen umtreiben. Doch das Coronavirus hat auch Einfluss auf die beruflichen Planungen des künftigen Ex-Dortmunders.

Der BVB-Abgang von Mario Götze ist beschlossene Sache

Dass Götze mit Ablauf seines Vertrages am 30. Juni Borussia Dortmund zum zweiten Mal den Rücken kehren wird, ist zwischen den Parteien inzwischen beschlossene Sache. Verhandlungen über einen neuen Vertrag gibt es seit Monaten nicht mehr. Elf Einsatzminuten in der Bundesliga, drei im Achtelfinal-Rückspiel in Paris dokumentieren zudem, dass die Rückrunde für Götze keine Besserung gebracht hat, was die Einsatzbilanz angeht. Eine realistische Perspektive besitzt er in Dortmund nicht mehr.

Für den 28-Jährigen war das bis vor einigen Wochen kein großes Problem. Götze hatte im vergangenen Jahr ein unterschriftsreifes Angebot aus Italien vorliegen, aus der Bundesliga soll sich neben der Hertha aktuell auch ein Westklub zumindest gedanklich mit ihm beschäftigen. Aus dem obersten Regal hätte Götze zwar nicht mehr aussuchen können, ein attraktiver neuer Arbeitgeber aber schien durchaus in Sicht für den Weltmeister.

Der BVB steht vor einem turbulenten Transfersommer

Für wechselwillige Profis wie Götze aber könnte es angesichts der fortschreitenden Spielpause, die mit großen Unsicherheiten und immer größer werdenden finanziellen Problemen für die Klubs einhergeht, schwieriger werden. Spielerberater prognostizieren schon jetzt für den Sommer einen sich drastisch verändernden Markt. Mit weniger hohen Ablösen und deutlichen Abstrichen beim Gehalt.

Piszczek, Dahoud, Götze - drei BVB-Spieler mit unterschiedlichen Perspektiven

© Deltatre

Das sollte Profis wie Götze immer noch keine schlaflosen Nächte bereiten, er hat genug verdient in seiner Karriere. Doch abseits der Top-Verdiener wird es für viele Berufsfußballer deutlich schwieriger, nicht nur in der 2. oder 3. Liga, in denen Vereine wie Spieler größer werdende Existenzsorgen plagen.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc erwartet einen unlustigen Sommer

Spieler an den Mann, sprich an einen neuen Verein zu bringen, wird zur Geduldsprobe. Viele Klubs, darunter auch der BVB und Schalke 04, haben offiziell kundgetan, ihre Transferplanungen einzufrieren. „Wir müssen erst einmal diese Krisensituation managen“, sagt Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Zorc, der ein Freund von weitsichtigen Transferplanungen ist und in der Regel bei vielen Spielern zeitig dran ist, erwartet „einen unlustigen Sommer“, wie er dem „Kicker“ erklärte. Je länger die Ungewissheit über Budget und finanziellen Spielraum anhält, desto schwieriger könnte es werden, sich mit einem enger geschnallten Gürtel ausreichend Bewegungsfreiraum zu erhalten.

Neben Götze gibt es in Dortmund weitere Spieler, die sich längst mit dem Thema Vereinswechsel befassen. Spieler wie Mahmoud Dahoud (46 Spielminuten bei drei Einwechslungen nach der Winterpause), der an die Rückrunde die Messlatte legen wollte, was seine Zukunftsperspektiven in Dortmund angeht, haben ihren Beratern längst den Auftrag gegeben, den Markt zu sondieren. Nur liegt der aktuell komplett brach. Froh können die Kicker sein, die Verträge besitzen, die über das Saisonende hinaus Gültigkeit haben. Das ist wie ein Rettungsanker, falls sich Wechselpläne nicht realisieren lassen sollten. Dahouds Vertrag läuft sogar noch bis 2022, er ist damit in einer komfortablen Situation.

Piszczek kann auf einen Vertragsverlängerung beim BVB hoffen

In Dortmund besitzen neben Götze nur Lukasz Piszczek und der dritte Torhüter Erik Oelschlägel einen auslaufenden Kontrakt. Piszczek kann nach zuletzt guten Leistungen auf eine einjährige Verlängerung hoffen, bei Oelschlägel, mit dem durch die Genesung von Nachwuchs-Torhüter Luca Unbehaun nicht mehr geplant wird, sieht die Situation schon anders aus. Mit dem Gehalt, das er in Dortmund verdient hat, kann er künftig wohl nicht mehr planen.

Kandidaten für eine Luftveränderung gibt es in Dortmund einige. Marcel Schmelzer ist im vergangenen Jahr mit einem Wechsel-Ansinnen noch gescheitert, er könnte nun theoretisch auch sein letztes Vertragsjahr aussitzen, wenn kein passendes Angebot ins Haus flattert. Der junge Tobias Raschl ist wie Mateu Morey oder Leonardo Balerdi ein Leih-Kandidat, das sollte für den Klub einfacher zu realisieren sein als zum Beispiel einen Abnehmer für Nico Schulz zu finden, falls der nach einer bis hierhin absolut unbefriedigenden Saison für sich einen Neustart ausruft.

Michael Zorc hat beim BVB schon schlimme Krisenzeiten mitgemacht

Der „unlustige Sommer“ ist noch relativ weit weg, aber Michael Zorc ist schon jetzt die gute Laune vergangen. Er hat schlimme Krisenzeiten mitgemacht bei Borussia Dortmund, als dem Klub das Wasser bis zum Hals stand und die Rettung erst in letzter Minute gelang. Noch kann aber niemand seriös prognostizieren, wie schlimm diese Krise noch wird.

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