Felix Passlack hat die Vorbereitung genutzt Werbung in eigener Sache gemacht. Im DFB-Pokal beim SV Wehen Wiesbaden dürfte er zur Startformation gehören. © Inderlied / Kirchner-Media
Borussia Dortmund

Plötzlich erste Wahl beim BVB: Felix Passlack wird belohnt

Beim Saisonstart im DFB-Pokal muss BVB-Trainer Marco Rose voraussichtlich auf sieben Defensivspieler verzichten. Nutznießer ist Felix Passlack, der für eine gute Vorbereitung belohnt wird.

Nur wenige Tage nach der schweren Kreuzbandverletzung von Mateu Morey verlängerte Felix Passlack im Mai seinen Vertrag bei Borussia Dortmund um zwei Jahre. Einen Zusammenhang mit dem langfristigen Ausfall des Positionskonkurrenten gab es allerdings nicht – schon weit vorher starteten der auf beiden Außenbahnen einsetzbare Verteidiger und sein Stammverein Gespräche über eine weitere Zusammenarbeit. Die Einigung war am Ende nur Formsache.

Passlack-Abschied lag bei Borussia Dortmund in der Luft

Passlacks Entscheidung damals kam dennoch überraschend. Drei Mal (zur TSG Hoffenheim, zu Norwich City und Fortuna Sittard) hatte ihn die Borussia in den vergangenen Jahren verliehen. Sein Vertrag lief aus, die Konkurrenz im top-besetzten Kader des BVB war groß – das roch nach einem endgültigen Abschied, zumal Passlack mit 23 Jahren etabliert genug für einen Neuanfang war, dennoch aber in einem Alter, in dem Spielpraxis auch wichtig ist.

„Unverhofft kommt oft“, dieses Sprichwort hat aber nun ein weiteres Mal Gültigkeit. Felix Passlack dürfte nach einer sehr ordentlichen und verletzungsfreien Vorbereitung durch das positive Corona-Testergebnis bei Thomas Meunier nun erst einmal erste Wahl auf der rechten Abwehrseite sein. Für das DFB-Pokalspiel am Samstag beim SV Wehen Wiesbaden (20.45 Uhr / bei uns im Liveticker) war das ohnehin zu erwarten, denn Meunier befand sich nach seinem EM-Urlaub erst wenige Tage im Training.

Passlack beim BVB mehr als ein wertvoller Backup-Verteidiger

Der positive Befund wirft aber nun erneut die Planungen des neuen Trainers Marco Rose über den Haufen. Erst zum Supercup gegen die Bayern am 17. August endet die 14-tägige Quarantäne Meuniers – wenn er dann zwei negative Corona-Tests vorlegen kann. Der Rückstand, den der Belgier gegenüber Spielern wie Felix Passlack aufbaut, die die komplette Vorbereitung mitmachen konnten, wird bis dahin eher noch anwachsen.

Passlack hat nachgewiesen, dass er als Backup wertvolle Unterstützung liefern kann. Seine Vertragsverlängerung erfolgte längst nicht nur aus romantischen Motiven, weil er ein „local player“ ist, der im kommenden Jahr auf zehn Jahre bei Borussia Dortmund zurückblicken kann. Passlack täte dem Kader gut, hat Sportdirektor Michael Zorc im Herbst 2020 gesagt, als die Gespräche mit dem damals 22-Jährigen starteten. „Felix bringt sehr viel positive Energie ein, er gibt jeden Tag im Training Gas. Der kann gerne bleiben.“

Corona-Fälle treffen den BVB an empfindlicher Stelle

Dennoch treffen die Corona-Fälle von Julian Brandt und gerade Meunier den BVB zur Unzeit – und an empfindlichen Stellen. Die Abwehr ist das große Sorgenkind, die Zahl der dort aktuell nicht einsetzbaren Spieler ist durch Meuniers Ausfall auf sieben angewachsen. Zählt man Marcel Schmelzer hinzu, sind es sogar acht.

Im Pokalspiel am Samstag stellt sich Rose daher allenfalls die Frage, ob er Manuel Akanji nach nur einer Trainingswoche schon einen Startelf-Einsatz zumuten kann. Nicht unwahrscheinlich, dass stattdessen innen die U23-Akteure Antonios Papadopoulos und Lennard Maloney wie schon in den vergangenen Testspielen erneut gemeinsam verteidigen. Mehr Auswahl hat Rose auch auf den Außenpositionen nicht. Dort sind Passlack (rechts) und Nico Schulz derzeit ohne Konkurrenz.

BVB-Lizenzspielleiter Kehl: „Passlack hat sich diese Chance verdient“

Passlack, sagt Lizenzspieler-Leiter Sebastian Kehl im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten, habe sich diese Chance, wenn er sie denn bekommt, sehr wohl verdient. „Er hat eine sehr ordentliche Vorbereitung hingelegt.“ Schon im vergangenen Sommer war der gebürtige Bottroper zunächst erste Wahl. Zehn seiner am Ende 14 Einsätze bei den Profis absolvierte er in der Hinrunde.

Den Ausschlag zur Vertragsverlängerung soll dem Vernehmen nach am Ende auch die familiäre Situation gegeben haben. Passlack hat ein sportlich schwieriges Jahr in England verbracht, ein sportlich erfolgreiches in den Niederlanden – aber er gilt als Familienmensch, der aus der Nähe zu seinem privaten Umfeld viel Kraft schöpft.

Roses bange Blicke auf die nächsten Corona-Tests beim BVB

Im zuletzt von Rose angewandten Rauten-System benötigt der Dortmunder Coach auch für Julian Brandt einen Ersatz, der bislang einen klaren Aufwärtstrend erkennen ließ. Axel Witsel, Thomas Delaney oder Jude Bellingham sind die Kandidaten, auch dieses Trio aber ist erst seit wenigen Tagen im regulären Training. Dass sich der BVB durch die ersten Saisonwochen wursteln muss, war Rose seit Vorbereitungsstart Anfang Juli klar. Doch die Lage hat sich nun noch einmal weiter zugespitzt.

Mit Bangen wird der Trainer daher auf die nächste Testreihe auf das Coronavirus schauen. Am Donnerstag ist es soweit, dann wird der 44-Jährige wissen, ob er weitere Ausfälle kompensieren muss – und ob er zu weiteren Personal-Rochaden gezwungen sein wird. Die Vorfreude auf den Saisonstart ist seit Wochenbeginn in jedem Fall merklich gedämpft.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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