Es kommt auch auf Erling Haaland an, ob der BVB die Qualifikation zur Champions League schafft. © imago images/Ulrich Hufnagel
Meinung

Pro und Contra: Erreicht der BVB noch die Champions League?

Borussia Dortmund will auch in der nächsten Saison in der Königsklasse spielen. Marvin K. Hoffmann und Dirk Krampe diskutieren: Erreicht der BVB noch die Champions League?

Das 2:2 in Köln ist für Borussia Dortmund der nächste Rückschlag im Kampf um die Qualifikation für die Königsklasse. Der Rückstand auf die viertplatzierte Eintracht aus Frankfurt ist wieder auf vier Punkte angewachsen. Wir diskutieren: Erreicht der BVB noch die Champions League?

„Ja, wenn Erling Haaland fit bleibt.“ – von Marvin K. Hoffmann

Erling Haaland ist dieser eine Kommilitone, der in einer Gruppenarbeit dank sehr guter Leistungen den Schnitt nach oben treibt und allen anderen einen Erfolg garantiert. Die Lerngruppe BVB ist von ihm abhängig, um zu bestehen. Denn wie an der Universität gilt auch in der Bundesliga: vier gewinnt. Zwar ist es freilich schwer vorstellbar, dass sich ein fleißiger Student mit dem leidenschaftlichen Ehrgeiz eines Haalands an einer Note der Güteklasse 4,0 erfreut. Im deutschen Oberhaus aber sichert das Erreichen des Minimalziels – Platz vier in der Tabelle – den Einzug in die Champions-League. Ein Ergebnis, das auch den Norweger zufriedenstellen würde. Und es ist eine Aufgabe, die der BVB durchaus meistern kann – wenn Erling Haaland fit bleibt und sein Team weiter so durch die Liga zieht.

Bei Borussia Dortmund ist schließlich nur eine Sache so sicher wie die vielen Rückschläge – etwa zuletzt das enttäuschende 2:2 in Köln – nach formstarken Wochen: Erling Haaland schießt ein Tor. Von den insgesamt 54 BVB-Treffern in der Bundesliga gehen alleine 21 auf das Konto von Haaland. Statistisch gesehen landet fast jeder dritte seiner Torschüsse im Netz des Gegners. Die Rechnung ist einfach: Wer mehr Tore schießt, gewinnt. Wer gewinnt, bekommt mehr Punkte. Wer mehr Punkte hat, landet am Ende der Saison unter den ersten Vier – und sichert sich das Ticket für Europas höchste Spielklasse. Nun wird ein Haaland allein den BVB natürlich nicht in die Champions League schießen. Mit ihm als Zielspieler aber steigen die Chancen enorm.

Der BVB muss gegen direkte Konkurrenten punkten

Nach 26 Spieltagen hat der BVB auf Frankfurt und damit Platz vier einen Rückstand von lediglich vier Punkten, der Rückstand auf Rang drei (VfL Wolfsburg) beträgt acht Punkte. Ganz oben werden wohl der FC Bayern München mit 61 Punkten und RB Leipzig mit 57 Punkten den Titel des Klassenbesten unter sich ausmachen. Für Borussia Dortmund dabei gar nicht mal so schlecht: In den acht verbleibenden Ligaspielen trifft man noch auf direkte Konkurrenten im Rennen um die Königsklasse.

Im April empfängt der BVB die Frankfurter Eintracht und trifft auswärts auf den VfL Wolfsburg. Auch gegen RB Leipzig und Bayer 04 Leverkusen (6., 40 Punkte) sowie Union Berlin (7., 38 Punkte) spielt Dortmund noch. Die anstehenden Prüfungen sind nicht leicht, doch mit Hilfe des hochbegabten Erling Haaland in ihren Reihen können die Borussen darauf hoffen, dass sie diese bestehen – und zum Ende des Fußball-Semesters im Mai die Vier feiern.

Der BVB ist auf Erling Haaland angewiesen, um sich für die Champions League zu qualifizieren.

Wir diskutieren: Erreicht der BVB noch die Champions League?

„Nein, der Sprung mindestens auf Rang vier gelingt nicht mehr.“ – von Dirk Krampe

Viel zu oft haben sie bei Borussia Dortmund schon das Gefühl gehabt, die Mannschaft habe endlich die Kurve bekommen, sie habe endlich den Schlüssel gefunden, um auch auf Sicht konstanter aufzutreten und stabile Ergebnisse zu erzielen. Dann kam mit großer Zuverlässigkeit der nächste Rückschlag. Mittlerweile kann das stete Auf und Ab in den Leistungen und Resultaten schon niemanden mehr überraschen, die Verzweiflung über unerklärliche Spielverläufe wie zuletzt beim 2:2 in Köln nimmt aber mit jedem Mal eher noch zu. Dieser Kader gibt immer wieder Rätsel auf. Doch die Gelegenheiten, die Rückschläge wettzumachen, werden immer weniger.

15 Bundesliga-Spiele mit Edin Terzic in der Verantwortung liegen nun hinter der Borussia. Das ist weit mehr als nur eine Momentaufnahme. Das Fazit bis hierhin: Terzic hat strukturell einiges zum Guten verändert, doch in den nackten Ergebnissen schlägt sich das noch nicht ausreichend nieder. Nur sieben Bundesliga-Siege, aber schon fünf Niederlagen, zu viele Punktverluste gegen die vermeintlich „Kleinen“, nur 1,6 Punkte pro Partie im Schnitt – das ist eine ernüchternde Bilanz und am Ende nicht gut genug, um unter den Top-4 zu landen.

Borussia Dortmund fehlt die Kadertiefe für die kommenden Aufgaben

Was noch gegen den BVB spricht: Das Restprogramm hat es in sich. In den acht verbleibenden Partien dieser Saison trifft Dortmund auf vier Konkurrenten aus dem direkten Tabellenumfeld. Das größte Problem aber stellt die unzureichende Kadertiefe dar. Borussia Dortmund beklagt zu viele verletzte Schlüsselspieler und schleppt zu viele formschwache Kicker mit durch die Spiele. Fehler wie der von Thomas Meunier vor dem 1:2 in Köln brechen dem BVB das Genick, sind aber keine Einzelfälle.

Fehlende Rotationsmöglichkeiten sind schon ein Problem und werden ein noch größeres, wenn im April nach der Länderspielpause fast nur noch Englische Wochen warten. Pause für Erling Haaland? Wäre mal angeraten, ist aber undenkbar. Wann ist Jadon Sancho wieder einsetzbar? Genau mag das niemand vorhersagen. Dabei fehlt er als zuverlässiger Scorer hinter Haaland an allen Ecken und Enden.

Und am Ende wird auch Form Klasse schlagen. Der BVB-Kader mag auf dem Papier den höchsten Ansprüchen genügen, auf dem Rasen tut er das zu selten. Und dort gibt es kaum einen wehrhafteren Gegner als die Frankfurter Eintracht. Der Dortmunder Hauptkonkurrent um Platz vier hat übrigens in dem Zeitraum seit dem Trainerwechsel in Dortmund satte zehn Punkte mehr geholt als die Borussia.

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Jahrgang 1993, Dortmunder Junge und Amateurhandballer mit großer Liebe für den Fußball und den Ruhrpott. Studium der Journalistik an der TU Dortmund, nach kurzer Zwischenstation beim Westfälischen Anzeiger in Hamm wieder zurück bei den Ruhr Nachrichten, seit 2020 BVB-Reporter.
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BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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