Pro und Contra: Hat der BVB ein Mentalitätsproblem?

hzBorussia Dortmund

Das ernüchternde 1:3 bei Union Berlin wirft Fragen bei Borussia Dortmund auf. Zu groß sind die Parallelen zur vergangenen Rückrunde. Wir diskutieren: Hat der BVB ein Mentalitätsproblem?

Dortmund

, 03.09.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Während die Schwarzgelben die Partien gegen Augsburg (5:1) und Köln (3:1) noch drehen konnten, kassierte das Team von Trainer Lucien Favre beim Aufsteiger Union Berlin eine verdiente 1:3-Niederlage.


Pro:
Der BVB hat ein grundsätzliches Problem (Von Dirk Krampe)

Es gibt viel zu viele Negativbeispiele aus einer viel zu langen Zeitspanne, um die Leistung von Berlin als einmaligen Ausrutscher abzutun. Wer eine Woche nach einem lauten Warnschuss wie in Köln wieder von der Aggressivität des Gegners überrascht und vom Spielverlauf paralysiert wirkt, wer keine Antwort findet auf die Probleme, die der Gegner bereitet, der hat ein grundsätzliches Problem.

Das BVB-Kartenhaus fällt in sich zusammen

Wenn sie es nicht schaffen, einen Gegner mit ihren spielerischen Mitteln klein zu halten, gelingt es den Dortmunder Hochbegabten weiterhin nicht, die Ärmel aufzukrempeln und Lösungen zu finden. Es gelingt zumindest nicht in der gewünschten Regelmäßigkeit.

Jetzt lesen

Das Muster ist bekannt. Jetzt Berlin, zum Teil ja auch Köln, in der Vorsaison Hannover, Augsburg, Nürnberg, Düsseldorf. Es ist kein Zufall, dass diese Gegner den BVB mit einer ähnlichen Herangehensweise vor Probleme stellten. Dazu die Spiele wie in Bremen und gegen Schalke, wo ein Gegentor genügte, um das eigene Vertrauen wie ein Kartenhaus zusammenfallen zu lassen.

Dortmund muss jetzt schnell Lösungen finden

Den Irrglauben, dass die höhere Qualität am Ende immer die Wende herbeiführen kann, prangerte Marco Reus nach dem glücklichen Ausgang in Köln deutlich an. Seine Mahnung verhallte offenbar ungehört. Reus wiederholte sie mit nahezu identischen Worten nach dem Spiel in Berlin. Eine Woche später.

Pro und Contra: Hat der BVB ein Mentalitätsproblem?

Auch BVB-Trainer Lucien Favre muss sich Kritik gefallen lassen. © imago

Ausnehmen darf sich der Kapitän allerdings nicht von der Kritik. Sie traf zu Recht die gesamte Mannschaft, auch die Erfahrenen, von denen man gerade in solchen Situationen Führung erwartet. Der BVB ergibt sich zu schnell in sein Schicksal. Will er seinen hohen Ansprüchen gerecht werden, braucht es schnell Lösungen, um dieses Mentalitätsproblem in den Griff zu bekommen.

BVB-Trainer Favre gab kein gutes Bild ab

Verantwortlich dafür ist letztlich der Trainer. Auch Lucien Favre gab in Berlin an der Seitenlinie kein gutes Bild ab. Zum wiederholten Male. Warum er zum Beispiel die Gelegenheit nicht nutzte, während der Trinkpause in der zweiten Hälfte korrigierend auf seine hilflose Mannschaft einzuwirken, wird er an geeigneter Stelle sicher erklären müssen.

Umfrage

Hat der BVB eine Mentalitätsproblem?

784 abgegebene Stimmen

Contra: Die Mentalität ist da (Von Sascha Klaverkamp)

Borussia Dortmund hat ein schwaches Spiel abgeliefert und in Berlin verdient verloren. Da gibt es sicher keine zwei Meinungen. Aber an diesem erschreckenden 1:3 im Hexenkessel des 1. FC Union ein generelles Mentalitätsproblem der Mannschaft festzumachen, wird der Borussia nicht gerecht.

Kein Verein dreht so viele Spiele um wie der BVB

Wer die hoch gekochten Emotionen zur Seite schiebt und nüchtern auf die jüngste Vergangenheit der Schwarzgelben schaut, dem fallen schnell viele Mentalitätsmonster-Beispiele des BVB ein. Erinnern wir uns an das spektakuläre 4:3 gegen Augsburg in der vergangenen Saison. Die Borussia ackerte bis in die letzte Sekunde der Nachspielzeit für den entscheidenden Treffer. Oder erinnern wir uns an die Auswärtsreise zur Berliner Hertha. In der Nachspielzeit belohnte sich Dortmund dort für den unermüdlichen Kampfgeist mit dem Siegtreffer.

Jetzt lesen

Kein anderer Bundesligist hat in der vorigen Saison so viele Spiele umgebogen wie der BVB. Keiner hat in der Schlussphase so viele Treffer erzielt. Ohne die herausragende Mentalität wäre der BVB gar nicht erst in die Lage gekommen, überhaupt um den Titel bis zum letzten Spieltag mitspielen zu können. Auch dort, unter großem Druck in Gladbach, unbedingt gewinnen zu müssen, um die Meisterchance noch zu erhalten, lieferten die Dortmunder Borussen.

Der Wille ist beim BVB immer da

Und haben wir schon vergessen, wie der sportlich aussortierte Marcel Schmelzer vom Spielfeldrand aus das Team nicht nur einmal gepusht hat? Oder wie Kapitän Marco Reus in Bremen eine Geldstrafe in Kauf nahm, nur um trotz seiner Sperre am Rand nah bei der Mannschaft sein zu können?

Pro und Contra: Hat der BVB ein Mentalitätsproblem?

Im Supercup besiegte der BVB den FC Bayern München mit 2:0. © imago

Das alles spricht für eine starke Mentalität im Team. Und in dieser Spielzeit drehten die Mannen von Lucien Favre bereits Rückstände gegen Augsburg und in Köln noch beherzt in Erfolge um. Und sie besiegten in starker Manier die Bayern im Supercup. Also: Dem BVB fehlte gegen Union Berlin am Samstag sicherlich ein guter Plan in der zweiten Halbzeit. Es fehlten zündende Ideen und sicher auch Power und Mut. Aber: Die meisten Zweikämpfe gewann am Samstag der BVB. Der Wille also war da.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt