Projektentwickler Marco Rose und die Gladbacher Reifeprüfung gegen den BVB

hzGastkolumne

Borussia Mönchengladbach rückt unter Trainer Marco Rose an die Top-Klubs der Bundesliga heran. Jetzt steht die Reifeprüfung gegen den BVB bevor. Die Gastkolumne.

von Karsten Kellermann

Mönchengladbach

, 07.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bilanz ist eindeutig: Die vergangenen zehn Pflichtspiele hat Dortmund gegen Gladbach gewonnen, neun in der Bundesliga, eins im Pokal. Gegen keinen Gegner hat es je für Gladbach eine längere Niederlagenserie gegeben. Doch Manager Max Eberl möchte nicht akzeptieren, dass das 0:10 die tatsächlichen Kräfteverhältnisse zwischen den Borussias widerspiegelt, auf dem Rasen zumindest. Denn dass der aktiennotierte BVB in finanziellen Belangen die größere Nummer ist, darüber ist schwerlich zu diskutieren.

Die Gladbacher haben sich aber sportlich hinter den betuchteren Top-Klubs eingenistet, zum zweiten Mal hintereinander haben sie sich als ein Klub, der zumindest im Verdacht steht, Meister werden zu können, aufgestellt. Nun geht es darum, ob sie mit Trainer Marco Rose stabiler bleiben und anders als in der Vorsaison, als es in der Rückrunde mit Dieter Hecking einen Einbruch gab, zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den direkten Einzug in die Champions League schaffen.

Mönchengladbach will den BVB im Topspiel beeindrucken

Erstmals gelang das 2015. Auf dem Weg dahin gab es den bislang letzten Sieg gegen den BVB. Dieses 3:1, insbesondere die erste Minute des Spiels, kann als Vorlage herhalten dafür, wie Gladbach Dortmund mal wieder besiegen kann: mit viel Mut. Damals fiel in Minute eins das 1:0, die westfälische Borussia wurde schlichtweg überrumpelt. Sogar Rose, der Pressing-Experte, würde wohlwollend nicken und sagen: „Perfekt!“ Gladbach baute so viel Druck auf in der Szene, dass das Tor fast zwangsläufig fallen musste.

Rose wird den Seinen sagen: „Jungs, beeindruckt die Dortmunder. Wir spielen zu Hause und wollen das auch zeigen.“ Bei den beiden Spielen im ersten Saisonteil, dem 0:1 in der Liga und dem 1:2 im Pokal, war Gladbach auf Augenhöhe, doch es fehlte ein am Ende etwas. Das soll nun auf den Platz gebracht werden. Und zwar, das ist Roses Credo, mit aller Konsequenz.

BVB-Gegner Mönchengladbach will ein bisschen mehr Frankfurt sein

Dass Rose ein Trainer ist, dessen Fußball-Ansatz auch richtig gut zum BVB passen würde, darf man sagen, ohne irgendwem zu nahe zu treten. Max Eberl hat den Mann, den Jürgen Klopp als den „Gehyptesten von allen“ definiert hat, geholt, um dem in den vergangenen Jahren immer spielstarken, aber nicht immer standhaften Gladbach-Ensemble die Fähigkeit zu geben, den Gegnern auch mal weh zu tun, auch mal unangenehm zu sein und wenn nötig auch mal brachial etwas zu erzwingen. Gladbach wollte ein bisschen mehr Eintracht Frankfurt sein.

Jetzt lesen

Rose hat den Gladbachern die neuen Talente recht schnell beigebracht und ist nun dabei, wieder die fußballerischen Elemente, die im Team hinterlegt sind, mehr herauszuarbeiten. Wer sich die Tore der vergangenen Spiele anschaut, der sieht viel Tiki-Taka in der Entstehung. Dass die Borussen zudem hin- und herschalten zwischen einem 4-3-3- und einem 3-4-1-2-System, macht sie durchaus schwer ausrechenbar. Auch diese Variabilität sollte Rose dem Team geben. Er hat sein Projekt schon gut entwickelt - das Dortmund-Spiel wird nun Aufschluss darüber geben, wie weit man tatsächlich schon ist in Gladbach.

Mönchengladbach startet gegen Dortmund den dritten Versuch

Den FC Bayern haben die Gladbacher in der Hinrunde niedergekämpft und mit einigem Glück 2:1 besiegt. Ansonsten gab es gegen die Top drei der Liga nur noch einen Teilerfolg mit dem 2:2 in Leipzig. Gegen den BVB ist es der dritte Versuch in dieser Saison - und klar ist, nachdem am vergangenen Samstag der erste Bundesliga-Sieg in Augsburg überhaupt geglückt ist, dass nun die nächste Negativserie enden soll.

Autor Karsten Kellermann (49) schreibt seit 1999 für die „Rheinische Post“ über Borussia Mönchengladbach.
Lesen Sie jetzt