Raphael Guerreiro - Warum BVB-Trainer Lucien Favre einen Verkauf bedauern würde

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Neue Saison, neuer Angriff! Der BVB will Meister werden - mit Raphael Guerreiro. Wir beleuchten Form und Perspektive jedes Spielers. Der nächste Teil: Guerreiro könnte für Unruhe sorgen.

Dortmund

, 18.08.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ganz Fußball-Deutschland fiebert der Bundesliga-Spielzeit 2019/2020 entgegen. Vor dem Auftakt in die Saison, an deren Ende Borussia Dortmund Deutscher Meister sein will, nehmen wir jeden Spieler im BVB-Kader unter die Lupe.

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Was zeichnet Raphael Guerreiro aus?

Es gibt wenige Spieler im Kader von Borussia Dortmund, die mit dem Ball verrücktere Dinge anstellen können als Raphael Guerreiro. Der Portugiese ist ein begnadeter Techniker. Joga Bonito, das schöne Spiel, Guerreiro mag es, wenn Fußball nicht nur erfolgreich, sondern auch hübsch anzusehen ist.

Unter BVB-Trainer Lucien Favre spielt der Europameister zumeist auf einer der beiden offensiven Außenpositionen im Mittelfeld, meistens links, manchmal rechts. Guerreiro fehlt zwar das letzte Tempo für einen Außenbahnspieler, aber dafür ist er aufgrund seiner spielerischen Klasse in der Lage, immer wieder ins Zentrum zu ziehen, die Außenbahn für die Außenverteidiger freizumachen und auf den Halbpositionen auf engstem Raum Fußball zu spielen.

Guerreiro ist extrem ballsicher und schlägt gefährliche Standards. Zudem ist der Linksfuß flexibel einsetzbar. In der Nationalmannschaft Portugals agiert er für gewöhnlich als Linksverteidiger, beim BVB hat er schon hinten links, im Mittelfeldzentrum und eben auf der offensiven Außenbahn gespielt.

Unter dem Strich lassen sich viele gute Argumente finden, warum Borussia Dortmund großes Interesse daran hat, Guerreiros 2020 auslaufenden Vertrag zu verlängern. „Wir wollen gerne mit Rapha verlängern“, sagt Hans-Joachim Watzke, „nur leider gehören dazu immer zwei Seiten“. Bislang zögert Guerreiro mit einer Unterschrift, die Tendenz geht eher in Richtung Abschied.

In den nächsten zwei Wochen hätte Watzke gerne Klarheit, denn Guerreiro im kommenden Sommer ablösefrei ziehen zu lassen, sei ein Szenario, „das wir nicht unbedingt haben wollen“. Der BVB müsse als Klub schließlich auch eine „gewisse kaufmännische Solidität“ an den Tag legen.

Noch hat der BVB die Hoffnung nicht aufgegeben. „Wir führen Gespräche“, sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc auf Anfrage nur. Und Favre sagt mittlerweile lieber gar nichts mehr zu der Personalie, obwohl er sich nach dem Supercup-Sieg gegen Bayern München (2:0) vor zwei Wochen noch sehr optimistisch geäußert hatte mit Blick auf Guerreiros Zukunft. „Wir hoffen, dass er bleibt“, hatte der Schweizer gesagt, kurz gelächelt und dann nachgeschoben: „Und er wird bleiben.“

Guerreiro selbst, der aktuell (mal wieder) mit einem Muskelfaserriss ausfällt, sagt gar nichts zu dem Trubel um seine Position. Im Februar erklärte er im Interview mit dieser Redaktion: „Gespräche mit den Klub-Verantwortlichen werden kommen, das weiß ich, und ich würde mich sehr freuen, wenn es ein Angebot zur Vertragsverlängerung gibt.“ Dieses Angebot hat der 25-Jährige längst bekommen, ob er sich wirklich so sehr darüber gefreut hat, muss mittlerweile bezweifelt werden.



Wie lief die Vorbereitung?

Ein Muskelfaserriss zur Unzeit hat Guerreiro unsanft ausgebremst. Kurz vor der ersten Runde im DFB-Pokal wurde der Papa von zwei Kindern zum Zuschauen gezwungen. Bis dahin hatte Guerreiro die Vorbereitung genutzt, um kräftig Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Raphael Guerreiro - Warum BVB-Trainer Lucien Favre einen Verkauf bedauern würde

Starke Vorbereitung mit dem falschen Ende: Raphael Guerreiro fehlt derzeit verletzt. © imago

Die Testspiel-Leistungen, in denen er teilweise auch als Linksverteidiger auflief, waren sehr ordentlich, im Supercup gegen Bayern München fiel er nicht nur wegen seiner traumhaften Torvorlage zum 2:0-Endstand positiv auf.

Aktuell befindet er sich im Lauftraining, der Bundesliga-Start gegen den FC Augsburg kam zu früh für ihn. Allerspätestens nach der Länderspielpause Anfang September sollte Guerreiro wieder ein Kandidat für die Startelf des BVB sein – sofern er dann noch da ist.


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Wie ist die sportliche Perspektive für die neue Saison?

Wenn Guerreiro fit ist und gesund bleibt, verfügt er über so viel Qualität, dass er immer eine Option für die BVB-Startelf ist. Favre schätzt seine Flexibilität, seinen Spielwitz, seine Ballsicherheit. Daran hat sich trotz der verschärften Konkurrenzsituation im Dortmunder Mittelfeld und der größeren Auswahl an Kreativspielern, über die Favre in der neuen Saison verfügt, nichts geändert. Es ist kein Geheimnis, dass Favre einen Verkauf Guerreiros sehr bedauern würde.

Doch aktuell hält der Portugiese alle Trümpfe in der Hand. Im kommenden Sommer wäre er ablösefrei, noch dazu könnte er sich spätestens bei der Europameisterschaft ins Schaufenster stellen, um sich für einen neuen Verein und ein üppiges Handgeld zu empfehlen.

Will der BVB mit Guerreiro, dessen Marktwert auf 25 Millionen Euro geschätzt wird, noch eine Ablösesumme erwirtschaften, dann bleibt Stand jetzt nur das Transferfenster in diesem Sommer oder das in der Winterpause. Kein Wunder, dass Watzke allmählich auf Klarheit drängt. Der BVB hat große Ziele ausgegeben, etwaige Störgeräusche sind da gänzlich unerwünscht.

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