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Reus ist beim BVB so wertvoll wie nie - als Torjäger, Vorbereiter, Lenker und Ratgeber

hzBVB-Kapitän

Nie war er besser als jetzt! Marco Reus ist Gesicht und sportliches Herzstück des BVB. Um den unumstrittenen Kapitän hat sich eine Mannschaft gebildet, die eine herausragende Saison gespielt hat.

Dortmund

, 22.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Sich als Kapitän nach einem gewonnenen Spiel vor die TV-Kameras zu stellen, ist nicht sonderlich schwierig. Schließlich ist man in diesem Moment der Kopf einer erfolgreichen Mannschaft. Man darf loben, schwärmen, baden im Glück.

Erst im Falle einer Niederlage zeigt sich die wahre Größe eines Kapitäns. Wie bei Marco Reus. Gerade hatte er mit Borussia Dortmund eine herbe 0:5-Packung beim FC Bayern kassiert. Und als weite Teile der BVB-Fans noch unter Schock standen, stellte sich Reus bereits – und fand klare Worte. „Wir müssen knallhart zu uns selbst sein. So dürfen wir nicht auftreten“, sagte er in die Kameras und Mikrofone. Keine Suche nach Ausreden. Stattdessen sogar ehrliche Demut im Moment maximaler Enttäuschung: „Und dann sieht man, wie überragend uns die Fans unterstützen. Da kann man sich nur entschuldigen.“

Marco Reus ist ein echter Anführer beim BVB

Diese Sekunden nach der Schmach von München bewiesen eindrucksvoll, welch überaus wertvolle Rolle Marco Reus mittlerweile bei Borussia Dortmund spielt. Er ist Torjäger, Regisseur, Vorlagengeber, Tempomacher, Ballverteiler. Und Anführer. Nie war Reus besser als jetzt, kurz vor seinem 30. Geburtstag. 17 Tore hat der gebürtige Dortmunder in dieser Spielzeit für seinen BVB erzielt, zwölf Treffer aufgelegt.

In jeder Partie, in der Reus auf dem Platz stand, war er im Schnitt an einem Treffer beteiligt. Herausragende Werte für einen hochbegabten Fußballer, den in seiner Karriere viel zu oft Verletzungen zurückwarfen. Auch in Gladbach, im letzten Spiel dieser Saison, war Reus der überragende Mann. Er war nach abgelaufener Sperre der Dreh- und Angelpunkt der BVB-Offensive.

Mehr als 450 Tage außer Gefecht - Seuche abgeschüttelt

Vor dieser Saison schüttelte der Kapitän eine Seuche ab, die ihn aufgrund einer Schambeinentzündung, eines Kreuzbandanrisses und eines Muskelbündelrisses zusammengerechnet mehr als 450 Tage außer Gefecht gesetzt hatte. Reus ist abgesehen von kleineren Blessuren seit einem Jahr fit – und endgültig das Herzstück des Dortmunder Spiels, das vor allem in der Hinrunde ganz Fußball-Deutschland oft zu verzaubern wusste. „Marco macht jede Mannschaft besser“, betont Borussias Sportdirektor Michael Zorc. Und: „Er ist der Mann für die wichtigen Momente und vor allem die wichtigen Tore. Er ist der Eckpfeiler unserer Offensive.“

Führungskraft Reus, seit dem 30. März stolzer Vater einer Tochter, lenkte den BVB leichtfüßig zur Herbstmeisterschaft. „Ich versuche immer, meine Leistung zu bringen. Das Gute ist einfach, ich bin gesund“, sagte Reus, und: „Ich konnte die Saisonvorbereitung mitmachen und das ist einfach eine Basis, für mich und meinen Körper, die ich brauche.“

In der Rückrunde fehlte dem BVB zunächst ein Marco Reus

Wie Recht er damit hatte, offenbarte sich nach dieser fantastischen Hinrunde in der Winterpause. Reus verpasste erkrankt weite Teile der Vorbereitung auf die Rückrunde, knickte dann im Training unglücklich um – und läutete so eine zweite Halbserie ein, die auch den BVB plötzlich humpeln statt tanzen ließ. Die sechs Punkte Vorsprung auf die Bayern schmolzen dahin, die Nerven flatterten, die Unbekümmertheit war verfolgen.

Trotzdem prägte Marco Reus nach seiner Genesung weiter das Spiel der Borussia wie kein Zweiter. Und blieb der Mann für entscheidende Dinge. Er schoss per Elfer das 1:0 gegen Stuttgart, er schoss das 3:2 in der Nachspielzeit in Berlin. Und er war mit zwei Vorlagen und einem Treffer der Matchwinner beim 4:0 in Freiburg. Reus bugsierte die Borussia also überhaupt erst in die Lage, bis zum letzten Spieltag im Titelkampf mitmischen zu können.

Ein kapitaler Aussetzer gegen Schalke

Allerdings leistete sich der Blondschopf auch einen kapitalen Aussetzer. Ausgerechnet im Revierderby gegen Schalke vor drei Wochen kassierte er eine Rote Karte und zwei Spiele Sperre – nach einem unnötigen groben Foul im Mittelfeld. Es war eine unkluge Aktion, die so gar nicht ins nahezu makellose Bild des gereiften, besonnenen Strategen passte.

Reus ist beim BVB so wertvoll wie nie - als Torjäger, Vorbereiter, Lenker und Ratgeber

„Er ist wie ein Idol.“ - Jadon Sancho freut sich über Ratschläge von Marco Reus. © imago

Der externe BVB-Berater Matthias Sammer hatte es zum Ende der Hinrunde treffend formuliert: „Er ist ein Vorbild.“ Jadon Sancho gab Sammer Recht. „Ich sehe zu Marco auf, weil er ein sehr großer Spieler ist. Wenn er mir Dinge erzählt, höre ich zu. Ich muss diesen Rat einfach nur annehmen und als Spieler lernen“, betonte der 19-jährige Shootingstar jüngst im Interview mit „bundesliga.de“.

Auf Marco Reus hören die Jungspunde beim BVB

Auf einen Reus hören die Jungspunde eben, die Sanchos, Bruun Larsens, Hakimis. Reus‘ Richtung ist ihre Richtung. Der unumstrittene Kapitän bestimmt Tempo und Rhythmus dieser Elf. Und er lebt den Nachwuchskräften Bescheidenheit vor.

Auch an Tagen, an denen eitel Sonnenschein herrschen könnte. Als er sich mit seinem 17. Königsklassen-Treffer zum 3:0 gegen Monaco zum Dortmunder Rekordschützen in der Champions League aufschwang, nahm er das nüchtern zur Kenntnis. „Schön“ sei diese Statistik, meinte er, „Aber morgen ist schon wieder ein neuer Tag. Wir müssen weiter arbeiten.“

Watzke: „Ein Höchstmaß an Identifikation“

Auch diese Mentalität macht Marco Reus neben seinen sportlichen Qualitäten so wertvoll für Borussia Dortmund. Er hat hier längst seine fußballerische Bestimmung gefunden. Hier, wo sie bei Heimspielen seinen Namen lauter brüllen als ein Düsenjet starten kann. Hier, wo kleine Jungs seine vier Buchstaben hinten auf ihrem Trikot haben wollen und seine Frisur auf dem Kopf.

Reus ist beim BVB so wertvoll wie nie - als Torjäger, Vorbereiter, Lenker und Ratgeber

„Dieser Spieler zeigt ein Höchstmaß an Identifikation, auf das wir sehr stolz sind“, erklärte Borussias Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, als Marco Reus gerade seinen Vertrag bis zum 30. Juni 2023 verlängert hatte. © imago

Mit seiner Vertragsverlängrung schlug Reus die Chance aus, bei einem großen Klub im Ausland nicht nur nach Titeln zu greifen, sondern auch einige Millionen mehr als in Dortmund einzustecken. Aber das Herz entschied für den BVB. Reus selbst wertete seine Unterschrift unter das neue Arbeitspapier auch als „Dankeschön an unsere fantastischen Fans, die immer zu mir gehalten haben.“

Neue Rolle für Marco Reus auch unter Joachim Löw

Auch Bundestrainer Joachim Löw weiß um den Wert des Dortmunders. Beim Neuaufbau der Nationalelf bootete Löw einige Altstars aus. Darunter die Bayern Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller. Reus zählt dagegen weiter zu Löws Auswahl. Der BVB-Kapitän sei „Triebfeder“ des Dortmunder Erfolgs und solle auch beim DFB „Verantwortung übernehmen“, ließ Löw wissen. „Die individuelle Klasse bei ihm ist riesengroß. Er kann mit Druck sehr gut umgehen und er kann, wie er das in Dortmund zeigt, eine Führungsposition einnehmen.“ Es klingt danach, als bekäme Reus auch beim DFB das Prädikat „unverzichtbar“.

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