Wie sage ich es Ihnen? BVB-Trainer Marco Rose fand in Frankfurt die richtigen Worte für seine Spieler. © imago images/Schüler
Borussia Dortmund

Roses Kabinen-Kniff: Wie der BVB das Frankfurt-Spiel im Kopf drehte

Borussia Dortmund drehte die Partie beim 3:2 in Frankfurt auch mit dem Kopf. Marco Rose will seine Spieler mental stärker machen. In der Kabine trifft er dafür den richtigen Ton.

Leicht hat es Marco Rose nicht. Seit dem Sommer kämpft er mit den vielen Verletzungen, die sich durch das erste Halbjahr zogen. Oder mit den (zu) hohen Erwartungen an den BVB, der stellvertretend für die Bundesliga die Münchner Bayern stoppen soll. Manches lässt sich halt nicht beeinflussen. Das Selbstverständnis und die gemeinsame Arbeitsauffassung schon. Vielleicht intensiver denn je wird unter Rose beim BVB auch an sportpsychologischen Themen gearbeitet. In Philipp Laux ist ein erfahrener Experte nah dran an Mannschaft und Mitarbeitern.

BVB-Coach Rose trifft den Ton – nicht immer muss es krachen

Als die Borussen im September mit 1:2 gegen Bayer Leverkusen zurücklagen, krachte es in der Kabine. Rose schimpfte, er ging seine Spieler hart an. Das Ergebnis: Dortmund gewann die Partie noch mit 4:3 und holte dort drei der bisher zehn Bundesliga-Punkte, die der BVB nach Rückständen noch eingetütet hat (Platz vier in der Liga). Am Samstag gab es den nächsten Dreier aus der Kategorie „Spiel gedreht“. Diesmal ging Rose anders vor.

„Unser Thema vor dem Spiel war ja auch die Widerstandsfähigkeit bei Rückschlägen“, erklärte Michael Zorc. In der Kabine, so der BVB-Sportdirektor, „hat der Trainer in der Halbzeit in Frankfurt die richtigen Worte gefunden. Er ist ruhig und analytisch an die Sache herangegangen.“ Die zwei Eintracht-Treffer zuvor hatten das BVB-System heruntergefahren. „Rose hat den Stecker wieder reingesteckt“, meinte Zorc.

Rose erinnert das BVB-Team an die gelungenen Aktionen

Marco Rose habe den richtigen Ton getroffen, heißt es auch von anderer Stelle. Seine immer noch viel zu leicht zu verunsichernde Mannschaft musste ein x-tes Mal daran erinnert und darin bestärkt werden, sich an die Vorgaben zu halten. Er habe sachlich darauf hingewiesen, „dass wir zu Beginn gut im Spiel waren, die Räume gefunden haben, die wir suchen wollten“, berichtete der 45-Jährige.

Videosequenzen auch von Szenen aus der Anfangsphase zeigten, was gelungen war und wie die fußballerischen Aufgaben des Matchplans weiter zu verfolgen seien. Von jedem einzeln. Und von allen gemeinsam.

„Damit“, so Rose, „konnten wir am nächsten Thema arbeiten, dass wir uns für dieses Jahr vorgenommen haben: Haltung.“ Mit diesem Begriff löst der Coach geschickt die in Dortmund verhasste Mentalitätsdebatte ab, die oft und sehr beliebig als Erklärung für jedwedes Missgeschick herhalten musste. In der Mehrzahl der Fälle haperte es da aber nicht an der Einstellung, sondern an der Umsetzung. Hier setzte der BVB-Trainer den Hebel an.

„Das bedeutet für mich, dass wir gedanklich bei uns bleiben, dass wir weiter an uns glauben, den Fokus auf jede Aktion hochhalten und nicht resignieren, weil wir 0:2 zurückliegen“, sagte Rose. Nach 90 Minuten durfte er zufrieden feststellen: „Auch das haben die Jungs sehr gut gemacht.“ Gute Szenen anschauen, gute Gedanken hervorrufen, Konzentration und Motivation – psychologisches Einmaleins. An der Qualität der Spieler hat es beim BVB sowieso nur selten gemangelt.

BVB-Keeper Gregor Kobel pusht ebenfalls sein Team

Anschub gab es am Samstag von der Bank und von ganz hinten. „Energie, kommt jetzt“, brüllte etwa BVB-Torhüter Gregor Kobel tief aus der eigenen Hälfte. Ein Umstand, den die Geisterspiele wieder hervorheben: Borussia Dortmund gehört zu den leiseren Teams der Bundesliga. Die Verantwortlichen fordern flehentlich, dass sich die Spieler mehr anstacheln, sich pushen und nicht in Watte packen. Am Ende müssen nicht elf Freunde auf dem Platz stehen, sondern elf Gewinner.

Wie in Frankfurt. „Wir können stolz sein auf unsere Reaktion und darauf, dass wir unser Spiel durchgezogen haben und am Ende belohnt wurden“, meinte Gregor Kobel zu der kollektiven Kraftanstrengung, die zwar Körner gekostet, aber auch neue Energie freigesetzt hat.

Emre Can äußerte: „Ich weiß nicht, wer nach der ersten Hälfte noch daran geglaubt hat, aber wir haben als Mannschaft daran geglaubt – sonst hätten wir es nicht rumreißen können.“ Die Erkenntnis, mit dem eigenen Können auch Spiele bei hoch eingeschätzten Konkurrenten (Leverkusen, Wolfsburg, Frankfurt) noch umlenken zu können, sollte „Mut“ machen (BVB-Sportdirektor Michael Zorc).

Aus dem Rückrundenauftakt könne seine Mannschaft auf jeden Fall mitnehmen, „dass es sich lohnt, gemeinsam zu kämpfen und zu spielen“, betonte Rose, da könne seine Elf „noch draufpacken“. Von den zitternden Knien, hängenden Köpfen und genervten Handbewegungen sprach kaum ein Borusse. Sie hatten das Spiel gedreht, weil sie ihre Haltung verändert hatten.

Dortmunder Comeback-Qualitäten

  • Borussia Dortmund gehört in der Bundesliga zu den Mannschaften mit den größten Comeback-Qualitäten. Zehn gewonnene Punkte nach zwischenzeitlichem Rückstand bedeuten Rang vier. Erster ist die TSG Hoffenheim mit 15 Punkten nach Rückstand.
  • Außerdem entschied der BVB einige knifflige Partien erst sehr spät für sich, etwa gegen Augsburg, Mainz, Köln oder Stuttgart.
  • Gäbe es eine Tabelle nur für die zweiten Spielhälften in dieser Saison – der BVB wäre Spitzenreiter!
Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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