Ein rauschender Champions-League-Abend endet für den BVB mit dem Einzug ins Viertelfinale. © imago / Laci Perenyi
Meinung

Rückkehr in die Beletage ist für den BVB Segen und Verpflichtung

Borussia Dortmund gehört zu den besten acht Teams in Europa. Das ist sportlich und wirtschaftlich ein Segen für den BVB - und muss Rückenwind für den Liga-Endspurt geben.

364 Tage ist es her, dass Borussia Dortmund sein erstes Geisterspiel der Corona-Pandemie absolvieren musste. Damals wie am Dienstagabend: Achtelfinale der Champions League, Rückspiel. In Paris fremdelte der BVB seinerzeit unübersehbar mit den skurrilen Umständen und schied ziemlich sang- und klanglos aus. Alle empfanden das Ausscheiden damals als überflüssig und extrem unnötig.

BVB-Spiel in Paris im März 2020 bedeutete eine Zäsur

Die Partie in Paris bedeutete eine Zäsur. Wenige Tage später unterbrachen die meisten europäischen Verbände den Spielbetrieb in ihren nationalen Ligen. Erst zwei Monate später ging es in Deutschland weiter, doch niemand hätte damals geahnt, dass ein Jahr nach Paris immer noch Spiele ohne Zuschauer stattfinden müssen.

Das Heimspiel gegen Sevilla war am Dienstagabend für den BVB das 21. nach diesem einschneidenden Datum. Mit knapp vier Millionen Euro Umsatz kalkuliert Borussia Dortmund, wenn im Signal Iduna Park die Türen aufgehen und der Stadionsprecher „ausverkauft“ melden darf. Ein paar wenige Fans gab es zum Start der aktuellen Saison, doch über den Daumen sind dem BVB in dieser Zeitspanne rund 80 Millionen Euro an Einnahmen weggebrochen. Das zeigt die Dimension des wirtschaftlichen Schadens, den Corona bislang angerichtet hat.

Der BVB bewegt sich wieder in einem elitären Kreis

Allein deshalb ist der erstmalige Einzug ins Viertelfinale des lukrativsten internationalen Vereinswettbewerbs seit der Saison 2016/17 ein Segen. Abgesehen vom wirtschaftlichen Effekt ist der sportliche Wert kaum in Zahlen zu messen. Es wird dem Standing der Borussia guttun, das gelitten hat in den vergangenen beiden Jahren, es wird das Selbstvertrauen stärken. Regelmäßiger zu den besten acht Klubs des Kontinents zu gehören, das ist der im vergangenen Jahrzehnt langsam gewachsene Anspruch, seit Jürgen Klopp die jungen Dortmunder Wilden zu zwei Meisterschaften und 2013 ins Endspiel der Königsklasse führte.

Immer im Wissen, dass es nie eine Selbstverständlichkeit sein wird. Sich in diesem elitären Kreis zu messen, waren immer Festtage, die der Borussia etliche denkwürdige Momente beschert hat. Die vergangenen Jahre aber haben gezeigt, dass es immer schwieriger wird, diesem Anspruch auch gerecht zu werden angesichts weiter auseinanderklaffender finanzieller Möglichkeiten zu den Top-Klubs in Europa.

Borussia Dortmund hinkt den Ansprüchen in der Bundesliga hinterher

Das Weiterkommen muss Borussia Dortmund daher nun einfach kräftigen Rückenwind geben. Für die nächste Runde. In der ist träumen absolut erlaubt – und die Endstation muss ja noch nicht erreicht sein! Aber vor allem auch für die Liga. Trotz aller Feierstimmung am Dienstagabend wird der Blick auf die Bundesliga-Tabelle nicht angenehmer und der Fakt bleibt bestehen, dass Dortmund im „Brot- und Buttergeschäft“ den eigenen Zielen und Ansprüchen immer noch hinterherhinkt.

Womit wir schon wieder beim lieben Geld sind. Rund 50 Millionen Euro hat der BVB allein für die Achtelfinal-Qualifikation in der Champions League eingestrichen, nun kommen rund zehn weitere Millionen hinzu. Man muss diese gigantischen Summen nicht greifen können, um zu verstehen, dass sich Dortmund ohne diese Gelder diesen Kader in der kommenden Saison nicht leisten könnte. Erst recht nicht vor dem Hintergrund, dass die Pandemie ja noch lange nicht vorbei ist. Und ob der BVB einem Erling Haaland die Europa League oder Königsklassen-Abende auf dem heimischen Sofa schmackhaft machen könnte, darf auch bezweifelt werden.

Qualifikation für die Königsklasse ist für den BVB absolute Pflicht

Die erneute Qualifikation für die Königsklasse ist daher aus vielerlei Gründen absolute Pflicht. Nur sie würde die Saison zu einem guten Ende bringen. Noch stehen genügend Spiele im Plan.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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