BVB-Sportdirektor Michael Zorc. © BVB/Alexandre Simoes
Borussia Dortmund

Sancho, Haaland und Co.: Das denkt BVB-Sportdirektor Zorc über Transfers im Sommer

Erling Haaland und Jadon Sancho gehören zu den heißesten Kandidaten im Transfersommer. BVB-Sportdirektor Michael Zorc erklärt, was er in der Wechselperiode erwartet. Und was nicht.

Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc (58) rechnet mit einen ruhigen Transfersommer im nationalen wie internationalen Fußball. „Ich erwarte einige wenige Deals. Aber insgesamt wird das sehr überschaubar ablaufen“, sagte Zorc im Gespräch mit den Ruhr Nachrichten. Bei Erling Haaland und Jadon Sancho, den am heißesten gehandelten BVB-Profis, hat Zorc klare Ansichten.

BVB-Sportdirektor Michael Zorc: „Es gibt kaum Transfers, die feststehen“

„Wenn ich den Zeitpunkt Anfang Mai vergleiche mit den Vorjahren, ist es sehr, sehr ruhig. Es gibt kaum Transfers, die feststehen“, erklärte Zorc. Auch für seine beiden Top-Offensivkräfte liegen keine Angebote auf dem Tisch. Aus einem simplen Grund. „Den allermeisten Klubs fehlt sehr viel Geld.“ Mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise haben die Fußballklubs schwer zu kämpfen. Auch der BVB. Mehr als vier Millionen Euro weniger Umsatz pro Heimspiel, rechnet der Sportdirektor vor. Bei 24 Heimspielen in dieser Saison kommt eine Summe von 90 Millionen Euro zusammen. International, weiß der erfahrene Manager, hat es andere Klubs noch härter getroffen. Mit Konsequenzen.

Für Dortmunds Hochkaräter Jadon Sancho hat noch kein Interessent ein Angebot vorgelegt. Und es sei mitnichten so, dass er auf einen Anrufer sehnsüchtig warte, der bis zu 100 Millionen Euro auf den Tisch legen könne, meint Zorc. „Wir müssen diesen Klub ja nicht suchen. Sondern wenn überhaupt, dann der Spieler. Für uns wäre es gut, wenn er bliebe.“ In den Wochen im Februar und März, in denen Sancho mit muskulären Verletzungen im Oberschenkel ausgefallen ist, habe jeder gesehen, welchen Wert der 20-jährige Engländer für die Schwarzgelben habe. Wie es weitergeht, ist für Zorc und den Spieler klar geregelt: „Ich habe das transparent beschrieben. Bei einem gewissen Angebot zu einem gewissen Zeitpunkt würden wir ihn ziehen lassen. Aber: Aktuell ist alles ruhig. Wenn sich nichts tut, bleibt er. Von mir aus sehr gerne!“

Zorc will sich erst mit dem neuen BVB-Coach Marco Rose absprechen

Das Datum für die Deadline will Zorc zuerst mit dem Spieler und dem neuen Trainer Marco Rose besprechen. Im Vorjahr galt die Wechselfrist bis zum Trainingslager vor Saisonbeginn. Das könnte auch im Sommer 2021 gelten, selbst wenn wegen der Europameisterschaft im Juni und Juli die Termine anders berechnet werden müssen.

Bei der Personalie Erling Haaland bleibt Zorc ebenfalls gelassen, auch wenn er erwartet, dass trotz der unmissverständlichen BVB-Ansage bis Ende August permanent neue Gerüchte aufkommen werden. „Das gesprochene Wort zählt in der Auswertung ja ohnehin längst nicht mehr“, sagte Zorc. „Ich habe ja gesagt, dass Erling Haaland bleibt. Nur macht das keinen Unterschied. Das hat vor einem Jahr bei Jadon Sancho auch niemanden interessiert. Die das Gegenteil behauptenden Geschichten sind dennoch Tag für Tag erschienen, und so wird es vermutlich auch in diesem Sommer mit Erling laufen. Ich kann das nicht beeinflussen.“ Der BVB jedenfalls könne mit diesen Spekulationen „sehr gut und sehr entspannt“ leben. „Wir wissen ja, was in den Verträgen steht.“

BVB-Zugänge im Sommer? Zorc will abwarten

Was die Zugänge betrifft, will oder muss Zorc noch das Saisonfinale abwarten. Gelingt noch die Qualifikation für die Champions League, stehen gesichert mehr als 30 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Auch sportlich würde das Verpassen der Königsklasse „an unserem Selbstverständnis nagen“, erklärt Zorc. „Wir haben uns in neun der letzten zehn Jahre für die Champions League qualifiziert. Sollte das nicht gelingen, wäre es ein Rückschlag, keine Frage! Auch wenn man festhalten muss, dass ein solches Schicksal in den vergangenen Jahren schon viele internationale Top-Klubs punktuell mal getroffen hat. Wir wollen es jedenfalls unbedingt noch in die Champions League schaffen.“

Das beschert neben der Aussicht auf höhere Einnahmen auch bessere Argumente bei den Spielern. Sowohl bei denen, die bleiben sollen, als auch bei denen, die der BVB anwerben will.

Das große Exklusiv-Interview mit BVB-Sportdirektor Michael Zorc erscheint am Samstagmorgen in den gedruckten Ruhr Nachrichten und hier im Netz.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Jahrgang 1980, liebt Sport und lebt (meistens) sportlich. Erste journalistische Gehversuche mit 15. Einser-Diplom in Sportwissenschaft an der Universität Hamburg (2006). Heinz-Kühn-Stipendiat. Seit 2007 bei Lensing Media tätig. Seit 2012 BVB-Reporter.
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