Steht vor dem ersten Titelgewinn seiner jungen Karriere: BVB-Trainer Edin Terzic. © imago / Kraft

Sehnsucht nach Berlin: Bei BVB-Trainer Terzic ist die Vorfreude greifbar

Berlin im Mai ist ein BVB-Sehnsuchtsort. Nach vier Jahren Pause ist Dortmund zurück im Pokalfinale, der fünfte Triumph könnte einen entscheidenden Schub für den Bundesliga-Schlussspurt geben.

Edin Terzic war schon oft beim Pokalfinale in der Hauptstadt, wie er kürzlich schmunzelnd verriet. Mit dem PKW, mit dem Bus, mit dem Zug und nun am Mittwoch mit dem Charterflieger und anschließend weit vorne sitzend im Mannschaftsbus. Als Fan, als angestellter Nachwuchstrainer, als Co-Trainer unter Lucien Favre – und jetzt als Cheftrainer. Terzic strahlte übers ganze Gesicht, als er davon erzählte. Seine Augen blitzten.

Wie Terzic geht es allen Borussen: Berlin im Mai, das weckt schon eine große Vorfreude, wenn man in der ersten Pokalrunde der neuen Saison daran denkt, dass am Ende das Finale im Olympiastadion warten könnte. Hier hat Borussia Dortmund große, fast schon epische Erfolge erzielt. Wie den völlig unerwarteten Pokalsieg 1989 oder das Double 2012. Leider auch zum Teil dramatische Final-Niederlagen wie in den Jahren 2014, 2015 und 2016, aber das verdrängt man ja gerne.

BVB-Erfolg 2017: Marco Reus verletzt, Thomas Tuchel entlassen

Sie freuen sich trotzdem auf die Rückkehr. Wohl auch, weil „das letzte Mal“ nun schon eine ganze Weile her ist. 2017 setzte sich Dortmund gegen Eintracht Frankfurt durch, so ganz ungetrübt war das Erlebnis damals auch nicht. Marco Reus zog sich einen Kreuzbandriss zu, der ihn über ein halbes Jahr lang außer Gefecht setzte, das Zerwürfnis mit Trainer Thomas Tuchel erlebte seinerzeit seinen Höhepunkt. Zwei Tage nach dem Endspiel war Tuchel seinen Job los.

Drei Spielzeiten hintereinander war danach schon im Achtelfinale Schluss für die Borussia. Wenn man, wie 2018, dort die Bayern zugelost bekommt, muss man wohl damit rechnen. Doch die beiden folgenden Niederlagen gegen Werder Bremen schmerzten sehr. Umso größer ist die Vorfreude auf das diesjährige Finale, auch wenn es terminlich und atmosphärisch besondere Umstände sind, die den BVB und Finalgegner RB Leipzig in Berlin zusammenführen.

Borussia Dortmund droht eine kuriose Konstellation

Entgegen aller Hoffnungen muss auch dieser traditionsreiche Termin ohne Zuschauer stattfinden – und in der Woche, weil die Verlegung der EM 2020 und der coronabedingt verspätete Saisonstart keine andere Möglichkeit zulassen. So könnte es es zu der kuriosen und alles andere als optimalen Konstellation kommen, dass der BVB als Pokalsieger mit dem „Pott“ im Gepäck nach Frankfurt reist, wo die Mannschaft am Freitag vor dem Sonntagsspiel beim FSV Mainz 05 Quartier beziehen wird.

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Und eine ausgelassene Feier dürfte es angesichts der weiter offenen Frage, wo der BVB in der kommenden Saison international spielt, auch nicht geben. Bei den Sachsen sähe das zumindest etwas anders aus, denn RB würde am Sonntag ein Punkt im direkten Duell gegen den VfL Wolfsburg schon reichen, um die Vizemeisterschaft zu sichern. Für die Champions League ist Leipzig schon seit dem vergangenen Wochenende sicher qualifiziert.

Der BVB muss den Schalter nach dem Pokalfinale schnell umlegen

Dass sich die Finalgegner vor wenigen Tagen in der Bundesliga in Dortmund trafen, beschert dem Pokal-Endspiel einen zusätzlichen Reiz. Wer aus dem spektakulären 3:2 für den BVB mit zweimaligen Wendungen innerhalb der 90 Minuten die besseren Lehren gezogen hat, klärt sich am Donnerstag ab 20.45 Uhr (live in der ARD und auf Sky) auf Berliner Rasen. Wohl unstrittig ist, dass der BVB das Momentum auf seiner Seite hat. Form, Fitness und Selbstvertrauen stimmen nach fünf Bundesliga-Siegen hintereinander, eine Serie, die den BVB am Sonntag wieder auf Platz vier hievte, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt.

Den Status, das Schicksal endlich wieder selbst in der Hand zu haben, hat sich der BVB hart erarbeitet. Insofern gilt, nach der Ankunft in Frankfurt am Freitag den Schalter wieder umzulegen. Und das Spiel entweder abzuhaken oder den Schwung daraus für die letzten beiden Saisonspiele mitzunehmen. Je nach Ausgang.

Der BVB strahlt auch ohne Erling Haaland viel Torgefahr aus

Borussia Dortmund geht fokussiert in dieses Finale. Den Pokal zum fünften Mal in der Vereinsgeschichte zu gewinnen, ist das erklärte Ziel. Nur die weiter offene Frage, ob und wie fit Stürmer Erling Haaland in dieses Spiel gehen kann, ist so etwas wie ein kleiner Störfaktor in der Vorbereitung. Dass man Leipzig auch ohne den Norweger geschlagen hat, lässt die Sorge nicht allzu groß werden.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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