Marco Reus ist in aller Munde, auch Axel Witsel. Doch es gibt auch etablierte Spieler, an denen der Aufschwung des BVB vorbeigeht, die aus dem Blickfeld gerückt sind. Wie Shinji Kagawa.

Dortmund

, 13.11.2018, 20:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kollegin kommt auf den letzten Drücker in Wolfsburg an, ihr Zug aus Berlin hatte Verspätung. Sie gehört zu einer Gruppe japanischer Journalisten, die in der Hauptstadt leben und von dort aus ganz Deutschland bereisen, um über japanische Spieler in der Fußball-Bundesliga zu berichten. Sie ist wegen Shinji Kagawa nach Wolfsburg gekommen, doch der steht an diesem Samstag nicht einmal im Kader der Dortmunder Borussia. Zum wiederholten Mal ist sie umsonst angereist.

Nicht erst seit dem 3:2 gegen die Münchner Bayern wird der Hype um Borussia Dortmunds „Auferstehung“ und neu belebte spielerische und mentale Stärke immer größer. Viele Spieler profitieren von diesem Lauf, der eine große Sogwirkung entfacht. Jacob Bruun Larsen ist ein Gewinner des ersten Saisondrittels, Jadon Sancho, Dan-Axel Zagadou oder Achraf Hakimi gehören ebenfalls dazu. Und da sind natürlich die Führungsspieler. Marco Reus, Axel Witsel, Manuel Akanji, die Liste ist längst nicht vollständig.

An Kagawa ist der Dortmunder Aufschwung vorbeigegangen

Auch Shinji Kagawa könnte dazugehören. Ausgestattet mit reichlich Erfahrung, mit nachgewiesenen Elementen in seinem Spiel, die jeder Mannschaft helfen können. Doch an Kagawa ist der Dortmunder Aufschwung komplett vorbeigegangen. Er ist Bankdrücker, oder wie zuletzt nur Tribünenhocker. Verschwunden aus dem Rampenlicht.

Kagawa steckt in einer schwierigen Situation. Er zählte in der schwierigen Rückrunde der vergangenen Spielzeit noch zu den wenigen Konstanten, doch unter dem neuen Trainer Lucien Favre kommt er einfach nicht in Schwung. Kagawa scheint nicht so recht in das System von Favre zu passen, Pech kam hinzu. Als er gerade Fuß zu fassen schien, verletzte er sich am Sprunggelenk. Zwei Partien in der Bundesliga nur, vier Pflichtspiele insgesamt, nur eins davon in der Startelf – das genügt den Ansprüchen des 29-jährigen Japaners bei weitem nicht.

Beim BVB gibt es jede Woche Härtefälle - Weigl geht es kaum besser

Der 26 Feldspieler umfassende BVB-Kader produziert jede Woche Härtefälle. Dass die jungen Dzenis Burnic und Alexander Isak Probleme haben würden, überhaupt auf Einsatzzeiten zu kommen, das konnte man vorausahnen. Ähnliches gilt für Sebastian Rode und Jeremy Toljan.

Shinji Kagawa ist nur noch Ersatz - der BVB-Aufschwung hat auch Verlierer

Das Spiel gegen die Bayern war Weigls dritter Bundesliga-Einsatz in dieser Saison. Überzeugen konnte dabei nicht (RN-Note: 5,0). © imago

Doch es gibt eben auch die prominenten Opfer der Kadergröße. Wie Kagawa. Oder wie Julian Weigl, dem es mit nur drei Liga-Partien und sechs Pflichtspielen insgesamt (von 17 möglichen) nur unwesentlich besser ergeht. Auf nur acht Pflichtspiele kommt Neuzugang Marius Wolf – der kam bis zu seiner Muskelverletzung allerdings regelmäßig auf Einsätze.

Im Sommer legte der BVB bei Kagawa sein Veto ein

Kagawa aber ist der ganz spezielle Fall. Im Sommer hatte der BVB sein Veto gegen den Wunsch des Japaners eingelegt, nach Spanien zu wechseln. Abgekühlt ist das Interesse des Spielers bestimmt nicht. Bessert sich die Situation nicht, dürfte Shinji Kagawa wieder an die Bürotür von Michael Zorc klopfen. Ob der ihn aber diesmal ziehen lassen würde?

Ein weiteres Problem: In Spanien dürfen pro Team nur drei Nicht-EU-Ausländer auf dem Platz stehen. Bei den meisten interessanten Vereinen sind diese Plätze belegt. Und Shinji Kagwa konnte kaum Werbung für sich machen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt