DFB-Pokal

Sieg des Willens in Gladbach: Berlin rückt für den BVB in greifbare Nähe

Das große Ziel Berlin rückt für den BVB nach dem 1:0 in Mönchengladbach in greifbare Nähe. Für Dortmund ist es ein Sieg des Willens. Wird aus einer zerfahrenen noch eine erfolgreiche Saison?
Jadon Sancho (r.) und Marco Reus bejubeln den BVB-Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. © dpa

Als der Ball endlich rollte in Mönchengladbach, reduzierte sich die besondere Konstellation in diesem Aufeinandertreffen der beiden Borussias endlich auf die rein sportliche Brisanz. Viertelfinale, DFB-Pokal, Berlin und das Finale zumindest am fernen Horizont schon in Sichtweite, das versprach einen spannungsgeladenen Abend im Duell zweier Mannschaften, die sich an gleicher Stelle im Januar einen spektakulären Abtausch geliefert hatten.

Mönchengladbach gegen BVB – zunächst ein Rohrkrepierer

Offenes Visier, viele Chancen, hohes Tempo, all das allerdings vermisste man dann in einer ersten Hälfte, die allenfalls durch einige nickelige Zweikämpfe den besonderen Charakter dieses Spiels ausstrahlte. Vor allem die Dortmunder Borussia fand in den ersten 45 Minuten nicht zu ihrem Spiel, agierte im Aufbau sehr fahrig mit vielen schnellen Ballverlusten, bekam nach Ballgewinnen keine Struktur ins eigene Spiel und konnte aus den Räumen, die Gladbach einige Male durchaus preisgab, daher kein Kapital schlagen.

Im 4-3-2-1 mit Mahmoud Dahoud und Jude Bellingham als ballsichere Achter war das eigentlich der Plan von Trainer Edin Terzic: Oft zog sich der BVB bis in die eigene Hälfte zurück, presste erst sehr tief und wollte nach Balleroberungen über die beiden Achter schnell nach vorne stoßen. In der Theorie ein guter Ansatz, der aber in Ansätzen stecken blieb.

BVB-Torjäger Haaland lässt die große Chance zur Führung liegen

Mit dem Fortgang einer letztlich zähen ersten Hälfte passte sich auch die Borussia in den weißen Trikots dem zerfahrenen Spiel an. Dennoch stellte Gladbach die Mannschaft mit der besseren Aufteilung und hätte schon nach zwei Minuten in Führung gehen können, als sich Raphael Guerreiro einen fatalen Fehler im Aufbau leistete, Jonas Hofmann über außen durchkam und in der Mitte Marcus Thuram schneller war als Emre Can. Sein Abschluss landete knapp neben dem Dortmunder Tor, in dem erneut Marwin Hitz stand.

Nur zwei Mal tauchte der BVB vielversprechend vor dem Tor des Gegners auf. Marco Reus verzog eine Volleyabnahme nach unfreiwilliger Vorlage von Thuram (9.), Erling Haaland verließ nach Stellungsfehler von Nico Elvedi allein vor dem Gladbacher Tor die Ruhe (35.). Dass es beim 0:0 zur Pause blieb, verdankte der BVB auch der knappen Abseitsstellung von Thuram, dessen vermeintlicher Treffer zu Recht einkassiert wurde (45.+2).

Jadon Sancho vollendet perfekten BVB-Konter zum 1:0

Terzic reagierte auf die fehlende Präsenz im Zentrum. Dahoud ließ sich mit Wiederanpfiff tiefer fallen und war deutlich anspielbereiter. Der erste Torjubel der Dortmunder Borussia aber entsprang einer Balleroberung von Hummels, über Jadon Sancho landete der Ball bei Reus, dessen Pass in den Rücken der Gladbacher Abwehr Haaland erreichte. Der Norweger hatte keine Mühe mit dem Linksschuss ins Tor, doch auch dieser Treffer sollte keinen Bestand haben – beim Spurt in den Gladbacher Strafraum hatte Haaland Bensebaini leicht touchiert und zu Fall gebracht (53.).

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DFB-Pokal, Viertelfinale: Borussia M’gladbach – BVB 0:1 (0:0)

Deutlich lebhafter war die Partie nun, daran hatte der BVB einen maßgeblichen Anteil. Die Führung durch Sancho war daher nicht unverdient, diesmal eroberte Nico Schulz, früh eingewechselt für Guerreiro (Muskelverletzung), den Ball. Hart an der Abseitslinie der weit vorgerückten Gladbacher startete Sancho hinter Passgeber Reus und schob den Ball an Tobias Sippel vorbei. Innenpfosten, Tor – und diesmal keine Regelwidrigkeit (66.), es stand 1:0 für die Schwarzgelben.

BVB-Kapitän Marco Reus: „Ein Sieg des Willens“

Gladbachs Coach Marco Rose, ab Sommer zusammen mit seinem Trainerstab ein Dortmunder, reagierte mit einem Dreifachwechsel und tauschte quasi die komplette Offensive. Doch die Chancen in der Schlussphase hatte fast ausschließlich der Gast. Hummels hätte gleich zwei Mal treffen können (75./83.), Haaland blieb erneut nach gedankenschneller Vorarbeit von Reus das Schusspech treu – Sippel verkürzte geschickt den Winkel (83.).

Weil der erlösende Treffer nicht fallen wollte, blieb Dortmund das Zittern bis zum Schluss nicht erspart. Zakaria verzog aus 16 Metern äußerst knapp (88.), Dahoud sah noch Gelb-Rot (90.+3). Auch Lainer verzog in der dramatischen Schlussphase (90.+6). „Es war auch ein Sieg des Willens“, befand Kapitän Marco Reus erleichtert, „in der ersten Hälfte waren wir nicht klar, es war ein zerfahrenes Spiel von uns.“ Am Ende konnte das allen egal sein: Berlin ist für den BVB jetzt nur noch einen Schritt entfernt.

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