Singen mit Zaga, Favres Ball, Hummels und ein Münztelefon: Das waren die Reporter-Momente 2019

Borussia Dortmund

Das Jahr hatte viel zu bieten. Für den BVB und für unsere Reporter. Sie erlebten Kurioses und Wunderschönes mit Borussia Dortmund - und haben ihre besten Momente des Jahres aufgeschrieben.

Dortmund

, 31.12.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 4 min
Singen mit Zaga, Favres Ball, Hummels und ein Münztelefon: Das waren die Reporter-Momente 2019

Lucien Favre und der Ball: Einer der Reportermomente des Jahres 2019. © Kirchner-Media

Tobias Jöhren: Singsang mit Zaga

Irgendwann lief die Nummer aus dem Ruder. Dan-Axel Zagadou holte sein Handy raus, um ein Video aufzunehmen. Und dann wurde halt gesungen: „Ohne Dich geht jeder Angriff rein, ohne Dich fahr’n wir null Punkte ein, ohne Dich hat Bürki keine Ruh‘, Dan-Axel Zagadou.“ Münchner Freiheit für Fortgeschrittene. Der Remix.

Kollege und Hobbytenor Jürgen Koers donnerte prompt voller Inbrunst und Überzeugung los. Ich dagegen „sang“ eher nuschelnd vor mich hin, wie man eben nuschelnd vor sich hin singt, wenn man früher in der Schule zurecht Angst vor dem Musikunterricht hatte und in Karaoke-Bars in der Regel ausgepfiffen wird wie der BVB in der Halbzeit des diesjährigen Paderborn-Spiels.

Video
Dan-Axel Zagadou singt den Zagadou-Song

Es war ein durchaus unangenehmer, aber eben auch schöner Moment, diese kleine Fremdschäm-Einlage in der Lobby des BVB-Mannschafthotels im spanischen Marbella, das auf den stolzen Namen „Gran Melia Don Pepe“ hört. Und es bleibt eine lustige Erinnerung an ein besonderes Interview im BVB-Trainingslager, in dem vermutlich so viel gesungen worden ist wie selten zuvor in einem Interview mit einem Fußballprofi. Dan-Axel Zagadou - vielleicht sowas wie der französische Berry White - trällerte später auch noch fröhlich mit.

Er kann nicht nur besser kicken als wir.


Jürgen Koers: Lucien Favre und die Liebe zum Ball

Für Interviews nutzen Journalisten gerne sogenannte Eisbrecher-Fragen. Ein unerwartetes Thema, ein Einstieg ins Gespräch über einen Umweg - das überrascht und schafft Nähe zum Gegenüber. Die harten Brocken kommen später. Für Lucien Favre gibt es keine solche Frage. Es reicht: ein Ball.

„Wie schön!“ Borussia Dortmunds Trainer freut sich aufrichtig, prompt jongliert er die Kugel mit seinem Zeigefinger. Die von ihm ungeliebte Interview-Situation, die reichen Gäste herum im mondänen Grand Resort in Bad Ragaz in der Schweiz – alles vergessen, sobald Favre einen Ball in der Hand hält oder mit dem Fuß treten kann.

Singen mit Zaga, Favres Ball, Hummels und ein Münztelefon: Das waren die Reporter-Momente 2019

Lucien Favre und der Ball: Eine wohl nie endende Liebe. © Kirchner-Media

Auch in seinem nach wie vor gebrochenen Deutsch erzählt der Fußballästhet bildreich von dem kleinen Lucien im Dörfchen Saint-Barthélemy in der Westschweiz.

Wie ihn als ganz kleinem Bub noch großer Respekt vor dem Fußballspiel zurückhielt. So ungestüm! Und die kurzen Hosen! Später dann habe er immer mehr Gefallen daran gefunden, einen Narren gefressen, sagt man so? Unentwegt habe er den Ball auf das Dach des Hauses geschossen, das herabfallende Leder mit Kopf, Bein oder Fuß unter Kontrolle gebracht, jongliert, wieder nach oben befördert.

Ich sitze Favre auf einem tiefen Terrassenstuhl gegenüber. Vor mir ein Mann, der vom Alter her mein Vater sein könnte. Der mit seinem Wissen über Fußball Bücher füllen könnte, ich vielleicht ein dünnes Kapitel. Er, der Trainer mit einem Millionengehalt in einem der spannendsten Fußballklubs Europas.

Er, der seit Kindesbeinen nie aufgehört hat, verliebt zu sein. Favre und der Ball.

Das bricht auch bei mir das Eis.


Sascha Klaverkamp: Willkommen im Neandertal

Der BVB hatte Prügel kassiert. 0:3 in Wembley gegen Tottenham. Das schmerzte heftig. Mir hätte eigentlich schon am Vormittag dieses 13. Februar klar sein müssen, dass dieser Königsklassen-Tag einen miesen Verlauf nehmen würde.

Denn am Flughafen in Dortmund bemerkte ich, dass ich mein Handy zuhause vergessen hatte. Und keine Zeit mehr hatte, um es vor dem Abflug nach London noch zu holen. Ein Reporter ohne Handy mit allen nötigen Telefonkontakten und E-Mails? Willkommen im Neandertal.

Wie ein Museumsrelikt kam ich mir auch vor, als ich an einer verlassen Säule in einer Ecke des Flughafens stand, Münzen einwarf und wie früher per Festnetz die Reporterkollegen anrief, um mein Malheur bekannt zu machen. Denn zwei Frauen sprachen mich an um zu fragen, ob sie mich mit ihren Smartphones mal fotografieren dürften.

Sie wollten die Fotos ihren Kindern senden um ihnen zu zeigen, wie man früher mal telefoniert hat. Gequält lächelnd stimmte ich zu. Später im Wembley-Stadion hatte sich mein handyloses Dasein schnell herumgesprochen. Englische Kollegen und Ordner grüßten mich mit dem Zusatz „Ah, the guy without a phone“. Ungewollt berühmt, so leicht geht‘s.


Florian Groeger: Wo ist mein Handy?

Eigentlich war die BVB-Saison 18/19 nach dem 2:4 im Revierderby gelaufen. Eigentlich wollte man dem FC Bayern München schon gratulieren. Eigentlich waren die verbleibenden Spieltage Makulatur. Eigentlich kam aber alles anders.

Die Titel-Entscheidung am 34. Spieltag in Mönchengladbach stellte auch unsere Redaktion vor besondere Herausforderungen. Große Sause oder Titelkater? Texte für beide Szenarien waren natürlich vorbereitetet.

Singen mit Zaga, Favres Ball, Hummels und ein Münztelefon: Das waren die Reporter-Momente 2019

Trotz des Sieges in Mönchengladbach blieb für den BVB nur der zweite Platz. © imago/Thomas Bielefeld

Die Anspannung stieg, als Frankfurt in München kurz nach der Halbzeit ausglich. Sie erinnern sich. Auf das Happy End wartete der BVB trotz des 2:0-Erfolgs vergeblich. Einer überdurchschnittlich guten Saison blieb die Krönung verwehrt.

Zum Abschluss des turbulenten Tages ging es - das kennen Sie von mir - in ein Schnell-Restaurant. Ich ging mit Handy hinein. Und ohne Handy wieder hinaus. Das Ausschlussverfahren und die „Wo-ist-mein-Handy-App“ verschafften Gewissheit: Ich hatte mein Mobilgerät mitsamt den Verpackungen im Mülleimer versenkt. Volltreffer. Und die Anekdote des Jahres war schon am 18. Mai in Stein gemeißelt. Frohes Neues!


Dirk Krampe: Das perfekte Spiel von Mats Hummels

Die Definition eines „perfekten Spiels“, dafür haben die Amerikaner, zum Beispiel im Baseball, klare Regeln. Wenn dort ein Werfer es schafft, in mindestens kompletten neun Innings keinem gegnerischen Schlagmann zu erlauben, eine Base zu erreichen, ist das eben ein perfektes Spiel. Warum dies besonders gefeiert wird, zeigt Statistik. Es gab in der langen Historie überhaupt erst 23 Werfer, die dies schafften, zuletzt ein gewisser Felix Hernandez am 15. August 2012.

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Mats Hummels machte beim 0:0 gegen Barcelona wohl eines der besten Spiele seiner Karriere. © dpa

Was das mit Borussia Dortmund zu tun hat? Nun, Mats Hummels spielte in den Augen vieler Journalisten am 17. September so etwas wie das perfekte Spiel. Genau definiert ist das im Fußball in Deutschland nicht. Aber Hummels‘ Leistung beim 0:0 gegen den FC Barcelona im Auftakt-Gruppenspiel der Champions League bestimmte am Tag danach die Schlagzeilen.

Hummels, sagten die Hüter der Zahlen, gewann ausnahmslos alle Zweikämpfe, die er führte. Er spielte 32 Pässe, von denen 28 ankamen. Er meldete Luis Suarez ab, später auch Lionel Messi. Und wo immer es brannte, tauchte Hummels als Feuerwehrmann auf und bereinigte die Situation. Überhaupt war es von Borussia Dortmund eins der drei besten Hinrundenspiele, leider versagte sich der BVB den verdienten Lohn dafür.

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Ob dieses Spiel auch eins der drei besten seiner an speziellen Spielen nicht armen Karriere war, darüber grübelte der Abwehr-Chef hernach länger als üblich. Hummels ist schließlich Weltmeister geworden, und damals, 2014 in Rio, meldete er Messi ab, er gestattete sich im Endspiel der Weltmeisterschaft kaum Fehler und war der Turm in der Schlacht.

Und an diesem Abend im September, meinte Hummels, sei sein Spiel eigentlich gar nicht perfekt gewesen. „An einen verlorenen Zweikampf“, erklärte er, „kann ich mich erinnern.“ Den Statistikern hingegen war er durchgegangen, sie wiesen ihm eine makellose Bilanz zu. Immerhin konnte der Innenverteidiger mit der Formulierung, nahe am perfekten Spiel gewesen zu sein, dann doch gut leben.

Und auch für den BVB insgesamt war es trotz des am Ende unbefriedigenden Ergebnisses ein Abend, auf den der Klub stolz sein durfte. Denn er zeigte, wozu dieser Kader fähig ist, wenn er sein Limit erreicht.

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