Schritt für Schritt: So kämpft der BVB gegen illegale Ticket-Verkäufe auf dem Schwarzmarkt

hzBorussia Dortmund

Der BVB intensiviert seine Bemühungen im Kampf gegen den Ticket-Schwarzmarkt. Der Verein will an Spieltagen rund um den Signal Iduna Park mehr Präsenz zeigen - und ändert seine Strategie.

Dortmund

, 22.11.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Carsten Cramer hat eine kleine Anekdote im Gepäck. Vor dem BVB-Spiel in der Champions League gegen Inter Mailand, so erzählt es Borussia Dortmunds Geschäftsführer, habe er einen Schwarzmarkt-Händler auf dem Weg zum Stadion erwischt.

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Er habe sich die Tickets, die er angeboten bekam, angeschaut, sich als BVB-Mitarbeiter ausgewiesen und versucht, die Karten zu fotografieren. „Dann ist der Typ abgehauen.“ Cramers kurzfristiges Ziel war erreicht. Der Schwarzmarkt-Händler entfernte sich noch ein Stückchen weiter vom Stadion, er hatte es noch ein bisschen schwerer, seine Geschäfte abzuwickeln.

Cramer will den verbotenen Handel bei viagogo und Co. bekämpfen

Ziemlich genau darum geht es Cramer, der beim BVB die Bereiche Vertrieb, Marketing und Digitalisierung verantwortet, auch mittel- bis langfristig.

„Wir wollen den Besucher, der mit seiner Karte Geld verdienen will, nicht bei uns haben.“

BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer

Er weiß, dass er den verbotenen Handel mit BVB-Tickets auf dem Schwarzmarkt nicht gänzlich verhindern kann, aber er will ihn zumindest bekämpfen und erschweren. Zum einen im Internet, auf Plattformen wie „viagogo“ oder „eBay“, zum anderen im unmittelbaren Stadionumfeld auf der Straße.

„Fakt ist: Wir wollen den Besucher, der mit seiner Karte Geld verdienen will, nicht bei uns haben“, sagt Cramer im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wer seine Karte auf dem Schwarzmarkt veräußert, weil er Gewinn erzielen will, hat nichts bei Borussia Dortmund zu suchen.“

Dafür betreibt der BVB viel Aufwand, zum Beispiel durchforsten zwei festangestellte Mitarbeiter das Internet auf der Suche nach illegal angebotenen Eintrittskarten für BVB-Spiele.

Der BVB bietet den Fans einen legalen Zweitmarkt an

Außerdem bietet der Verein seinen Fans einen legalen Zweitmarkt auf der eigenen Internetseite an. Tickets, die sonst verfallen würden, können hier zu regulären Preisen legal weiterverkauft werden.

Schritt für Schritt: So kämpft der BVB gegen illegale Ticket-Verkäufe auf dem Schwarzmarkt

So sieht es auf der BVB-Homepage aus, wenn der Zweitmarkt geöffnet ist. © BVB

Dieses Angebot werde immer besser angenommen sagt Matthias Naversnik, der Ticketchef bei Borussia Dortmund. „Als wir den BVB-Zweitmarkt 2017 ins Leben gerufen haben, waren es mehrere Hundert Karten, die dort für ein Heimspiel zur Verfügung standen, mittlerweile sind es Spieltag für Spieltag mehrere Tausend Karten.“

Der BVB möchte rund um das Stadion mehr Präsenz zeigen

Auch im unmittelbaren Stadionumfeld versucht der BVB seit dieser Saison, härter gegen den Ticket-Schwarzmarkt vorzugehen, selbst wenn der Verein außerhalb des Stadiongeländes keine juristische Handhabe hat, sondern auf das Ordnungsamt der Stadt Dortmund angewiesen ist.

„Wir geben uns viel Mühe, Herr über die Lage zu werden“, sagt Naversnik, „zum Beispiel sind unsere Sicherheitskräfte rund ums Stadion unterwegs.“ Und Cramer ergänzt: „Wir wollen einfach Präsenz zeigen, weil wir wissen, dass rund ums Stadion in puncto Schwarzmarkt Sachen stattfinden, die uns und die Fans stören.“

Schritt für Schritt: So kämpft der BVB gegen illegale Ticket-Verkäufe auf dem Schwarzmarkt

Schon 2013 demonstrierten die BVB-Fans gegen Plattformen wie „viagogo“. © imago

Man wolle, erklärt Cramer weiter, „dem Unheil Schritt für Schritt näherkommen“. Bisher habe der Verein zu oft gesagt, dass es die Aufgabe der Stadt sei, „aber jetzt packen wir es auch selbst an, um dann im nächsten Schritt gemeinsam mit der Stadt zu überlegen, wie wir das Problem Schwarzmarkt nachhaltig bekämpfen können.“

Der BVB arbeitet mit dem Ordnungsamt zusammen

Beim Ordnungsamt der Stadt Dortmund stößt der BVB damit durchaus auf offene Ohren, auch wenn die Stadt auf Anfrage erklärt, dass sich „der illegale Handel mit Eintrittskarten in den letzten Jahren verändert“ habe.

Vor Ort würden Karten „entweder in Depots gebunkert oder aber über einen Ring von mehreren Personen überwiegend einzeln weitergegeben“. Es werde nicht leichter, so der Tenor, gegen Schwarzmarkt-Händler vorzugehen, aber: „Das Ordnungsamt wird mit Blick auf eine Verbesserung der Situation mit dem BVB im Gespräch bleiben.“

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