So reagiert der BVB auf die Fankritik am Freundschaftsspiel in Cottbus

hzBorussia Dortmund

Borussia Dortmund hilft Energie Cottbus. Das stößt in Fankreisen auf Kritik. Der Grund: Die Cottbuser Fanszene gilt als von Rechtsradikalen unterwandert. Der BVB erklärt seine Beweggründe.

04.09.2019, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem Profifußball in Cottbus droht das Aus. Der einstige Bundesligist dümpelt im Mittelfeld der Regionalliga Nordost, mit dem sportlichen Niedergang kam die finanzielle Krise. Rund sechs Millionen Euro Schulden belasten den Klub aus der Lausitz nahe der polnischen Grenze, das jüngste Geschäftsjahr endete mit einem Minus von über 700.000 Euro.

Cottbus bittet in Dortmund um Hilfe

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Der FC Energie zog die Reißleine, bat bei den früheren Konkurrenten um Hilfe, meldete sich auch in Dortmund. Und die Borussia sagte zu. Für ein Freundschaftsspiel. Jetzt am Freitag (Anstoß 17 Uhr/live bei Sport1) steigt es. In Cottbus, das Stadion der Freundschaft ist längst ausverkauft, der Erlös fließt an den klammen FC Energie.

So weit, so gut. Aber: Als die Hilfe des BVB für Cottbus bekannt wurde, regte sich direkt teils heftiger Protest im Fanlager der Borussia.

Viele BVB-Fans sehen Spiel in Cottbus kritisch

Der Grund: Die Fanszene von Energie Cottbus gilt als von Rechtsextremen unterwandert, die aus dem Hintergrund die Fankurve steuern oder sogar ihre Gesinnung offen zur Schau stellen. Vor einem Jahr traten Cottbus-Anhänger mit Ku-Klux-Klan Kappen auf, sie propagierten den „Aufstieg des Bösen“.

„Wir werden mit den Kräften aus Cottbus kooperieren, die für den Kampf gegen Rassismus arbeiten, ich habe den Eindruck, dass dort gerade etwas Positives in diese Richtung passiert.“
Daniel Lörcher

Der Tenor nicht weniger erboster BVB-Fans: Es könne nicht sein, dass die Borussia, die sich ausdrücklich gegen Rassismus engagiere, mit ihrem Gastspiel ausgerechnet diesen Verein am Leben erhalte und so womöglich sogar letztlich das Treiben rechter Kräfte unterstütze.

BVB entwickelt eigene Strategie

Der BVB zog dennoch nicht seine Zusage für das Freundschaftsspiel in Cottbus zurück, sondern entwickelte stattdessen eine Strategie, die den Kampf gegen Rechts beim FC Energie anschieben soll. „Cottbus hat ein Riesenproblem mit Rechtsradikalen, da gibt es nichts zu verharmlosen“, sagt Daniel Lörcher, der sich seit sechs Jahren beim BVB in der Antirassismus-Arbeit engagiert und seit kurzem im Klub die Abteilung „Corporate Responsibility“ leitet.

„Aber wir wollen die Menschen in Cottbus nachhaltig unterstützen, die die Probleme lösen wollen, die sich gegen jede Form von Diskriminierung zur Wehr setzen.“

BVB-Trikots mit besonderer Botschaft

Sichtbar wird dieser Einsatz am Freitagabend auf den Trikots der Borussia. Hauptsponsor Evonik gibt das Trikot-Werberecht für die Partie frei, die BVB-Profis werden mit der Botschaft „Borussia verbindet - Gemeinsam gegen Rassismus“ auf der Brust auflaufen. Doch das soll nur der Anfang sein.

So reagiert der BVB auf die Fankritik am Freundschaftsspiel in Cottbus

BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer präsentiert das besondere Trikot für das Spiel gegen Cottbus. © BVB/Alexandre Simoes

„Wir werden mit den Kräften aus Cottbus kooperieren, die für den Kampf gegen Rassismus arbeiten, ich habe den Eindruck, dass dort gerade etwas Positives in diese Richtung passiert“, erklärt Daniel Lörcher. Mit der Opferberatungsstelle Brandenburg gebe es bereits einen Austausch, es gehe um Beratung, um Prävention, darum, das Umfeld des Klubs für Maßnahmen gegen Rechts zu stärken.

BVB will mit seiner Erfahrung helfen

Der BVB wolle seine Erfahrungen dort einbringen, schließlich sei das Problem von Rechtsextremen in der Fanszene auch in Dortmund seit langem präsent. „Auch wir haben nach und nach unsere Arbeit und Aktionen im Kampf gegen jede Form von Diskriminierung ausgebaut, hoffentlich gelingt das auch in Cottbus“, erklärt Lörcher.

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Um 17 Uhr wird das Freundschaftsspiel am Freitag angepfiffen, wegen der Länderspiel-Abstellungen fliegt der BVB mit geschrumpftem Kader nach Cottbus. Zwölf Nationalspieler fehlen, auch die Verletzten Axel Witsel, Thorgan Hazard und Mateu Morey können nicht mitwirken.

Diese BVB-Profis reisen nach Cottbus

Aus dem Profikader der Borussia stehen die Torhüter Roman Bürki und Marwin Hitz sowie die Feldspieler Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Mario Götze, Julian Weigl, Mahmoud Dahoud, Lukasz Piszczek und Tobias Raschl zur Verfügung. Von den Sondertrikots, die der BVB in Cottbus trägt, werden exakt 1000 Stück produziert. Der Erlös des Trikotverkaufs fließt in die Anti-Diskriminierungsarbeit des BVB.

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