Strom, Wasser, Müll: Wie sich der BVB für den Klimaschutz engagiert

hzNachhaltigkeitsbericht

Als Profi-Fußballklub verbraucht der BVB täglich Ressourcen. Seiner ökologischen Verantwortung ist sich Borussia Dortmund bewusst – und ergreift immer mehr Maßnahmen für den Klimaschutz.

Dortmund

, 11.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 5 min

Dass Borussia Dortmund viel mehr als nur ein Fußballverein ist, ist den Verantwortlichen seit vielen Jahren bewusst. Mit seiner riesigen Strahlkraft hat der BVB Verantwortung für seine Fans. Deshalb hat sich der Klub eine nachhaltige Entwicklung auf die Agenda geschrieben. Seit 2017 veröffentlicht der BVB jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht. Im vergangenen Jahr ist eine eigene Abteilung mit dem Titel Corporate Responsibility gegründet worden.

Das BVB-Stadion verbraucht viele Ressourcen

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Zu seiner nachhaltigen Verantwortung zählt die Borussia dabei nicht nur die soziale Komponente, sondern auch eine ökologische. Denn als Profi-Fußballklub verbraucht der BVB täglich viele Ressourcen, an Spieltagen im Signal Iduna Park ganz besonders. BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer sagt: „Aus der Begeisterung für Borussia Dortmund erwächst eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, aber auch den ökologischen Themen in Zeiten steigender Umweltbelastungen müssen wir uns zwingend stellen.“ Mit gezielten Maßnahmen versuchen die Verantwortlichen deshalb Umwelt und Klima zu schützen.

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Viele Projekte sind bereits angestoßen, weitere sollen in den kommenden Jahren folgen, sagt Daniel Lörcher, Leiter der Abteilung Corporate Responsibility. Das größte Augenmerk liege dabei auf dem Signal Iduna Park. „Es ist eines unserer zentralen Themen“, sagt Lörcher. Und eines der komplexesten, denn das Stadion ist mehr als 45 Jahre alt und über die Jahre ständig erweitert worden. „Leider kommen wir coronabedingt nicht ganz so schnell voran, wie wir gerne würden.“ Grundsätzlich brauche es für viele Projekte neben Geld, vor allem auch Zeit. „Wir fahren deshalb zurzeit eine Politik der kleinen Schritte“, so Lörcher.

In diesen Bereichen ist der BVB schon aktiv

In Sachen Klima- und Umweltschutz will der BVB dabei nicht nur selbst Vorbild werden, sondern seine Strahlkraft auch nutzen, um die eigenen Fans mitzuziehen und für das Thema zu sensibilisieren. „Wir möchten dem Thema die Angst nehmen, die viele damit verbinden“, sagt Lörcher.

In dem jüngst erschienen Nachhaltigkeitsbericht für 2019/2020 hat der BVB seine Bestrebungen in Sachen Umwelt- und Klimaschutz ausführlich beschrieben. In diesen Bereichen ist der BVB bereits aktiv geworden – und hat Pläne, wie es weitergehen soll:

Energieverbrauch und CO2-Emissionen:

  • Ökostrom: 99,8 Prozent des Stroms, den der BVB bezieht, ist Ökostrom. Die verbliebenen 0,2 Prozent sollen nach Vertragsablauf ebenfalls umgestellt werden.
  • Photovoltaik: Die 2011 auf dem Dach des BVB-Stadion installierte Photovoltaik-Anlage hat 2019 467.000 kWh erneuerbaren Strom in das Dortmunder Stromnetz eingespeist. Diese Energiemenge reicht aus, um 130 Drei-Personen-Haushalte ein ganzes Jahr mit sauberem Strom zu versorgen. Das BVB-Trainingszentrum in Brackel hat seit dem Sommer 2020 ebenfalls eine Photovoltaikanlage. Sie soll 17.000 kWh Strom produzieren. Ein Großteil der Gebäude des Trainingszentrums sind seit der jüngsten Erweiterung zudem an ein integriertes Energieversorgungssystem angeschlossen.
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  • Projekt „Strom09“: 2014 hat der BVB gemeinsam mit seinem Partner Lichtblick das Projekt „Strom09“ gestartet. Für jeden Sitzplatz im BVB-Stadion sollte eine Tonne CO2 eingespart werden. Mit 5000 gesparten Tonnen CO2 ist das Projekt 2014 gestartet, Ende 2019 haben BVB und Lichtblick das Ziel von 81.365 Tonnen erreicht.
  • Alternative Energieformen: Dortmund war Bergbau-Region. Auch nach dem Ende der Bergbau-Ära wird unter der Erde weiter Grubenwasser abgepumpt. „Wir prüfen zurzeit, ob eine Energieversorgung des Stadions mit Grubenwasser möglich wäre“, sagt Daniel Lörcher.

Mobilität:

  • Anreise zum Stadion: Ein Großteil der BVB-Fans reist zu einem Heimspiel mit dem Auto an. Das möchte der BVB gerne ändern. Zum einen, sagt Daniel Lörcher, indem er für eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wirbt und sensibilisiert. Zum anderen, indem er die Infrastruktur verbessert. Dazu müssen zunächst Daten erfasst werden, der BVB möchte herausfinden, wo die Fans, die ins Stadion gehen, herkommen – durch die Übertragbarkeit der Karten ist das nicht so leicht – und möglicherweise seine Angebote anpassen. Zurzeit können Fans mit einem BVB-Ticket im VRR-Gebiet kostenlos zu einem Spiel an- und abreisen. Dieses Angebot können nach aktuellen Erkenntnissen etwa die Hälfte der Besucher nutzen. Ein gemeinsam mit den Westfalenhallen in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten soll weitere Erkenntnisse liefern.
    Der BVB kompensiert seit der vergangenen Saison die Mannschaftsflüge finanziell.

    Der BVB kompensiert seit der vergangenen Saison die Mannschaftsflüge finanziell. © Imago

  • Kompensation der Mannschaftsflüge: Zu vielen Spielen – vor allem ins Ausland - reisen die BVB-Profis mit einem gecharterten Flugzeug. Seit der Saison 2019/2020 kompensiert der BVB die durch die Flüge der Mannschaft verursachten CO2-Emissionen über die Klimaschutzorganisation „Atomsfair“. In der ersten Hälfte der Saison hat der BVB entsprechend 10.664 Euro, 23 Cent pro Tonne CO2, bezahlt. Mit dem Geld werden erneuerbare Energien im globalen Süden gefördert.
  • Elektromobilität: Die Elektromobilität beim BVB soll nach und nach ausgebaut werden. Dafür wurde der BVB-Fuhrpark um drei E-Autos aufgestockt. An der Fanwelt am Stadion und am Trainingsgelände in Brackel gibt es insgesamt neun E-Ladesäulen, die an der Fanwelt sind öffentlich nutzbar.
    Am Trainingszentrum in Brackel wurden neue E-Ladestationen installiert.

    Am Trainingszentrum in Brackel wurden neue E-Ladestationen installiert. © Tobias Jöhren

  • Radleasing: Der BVB will seinen Mitarbeitern künftig die Möglichkeit bieten, über ihren Arbeitgeber ein Fahrrad oder Pedelec zu leasen.
  • Nahverkehr: 523.863 Kilometer – und damit knapp 150.000 Kilometer mehr als 2018 – haben die BVB-Mitarbeiter mit der Bahn zurückgelegt.

Wasserverbrauch:

  • Bechersystem im Stadion: Zur Saison 2019/2020 hat der BVB sein Bechersystem teilweise von Ein- auf Mehrweg umgestellt. Außer in den Gästebereich auf Süd- und Nordtribüne werden 0,5-Liter-Kaltgetränke wieder in Mehrwegbechern ausgeschenkt. In den Gästebereichen werden 100 Prozent recyclebare PET-Becher verwendet.
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    Das Bechersystem ist für den BVB ein sensibles Thema. Zur Saison 2015/2016 hatte der BVB von Mehrweg- auf aus Mais produzierte Einwegbecher umgestellt – aus Sicherheitsgründen, aber auch in der Hoffnung, so eine ökologisch bessere Variante gefunden zu haben. Das erwies sich als falsch, deshalb gibt es nun wieder teilweise Mehrwegbecher im Signal Iduna Park. Ganz glücklich ist der Klub aber immer noch nicht mit dem System. Denn Mehrwegbecher seien nur dann sinnvoll, wenn sie häufig im Umlauf sind, sagt Daniel Lörcher. Viele BVB-Fans nehmen die Becher aus dem Stadion – für die sie 1,5 Euro Pfand zahlen – aber als Andenken mit nach Hause.
  • Gestiegener Wasserverbrauch im Stadion: Weil der Sommer 2019 so heiß und trocken war, hat sich der Wasserverbrauch des BVB im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt (von 49.487 Kubikmeter auf 97.250). Der Rasen im Stadion musste deutlich mehr gewässert werden. Ein Problem ist zudem Taubenkot auf den Tribünen, die dadurch häufiger gereinigt werden müssen. Wasserintensiv war zudem die Sanierung der Pylonen des Signal Iduna Park im Sommer 2019. 2020 wird der Wasserverbrauch – coronabedingt – wieder deutlich sinken. Grundsätzlich möchte der BVB den Wasserverbrauch auch im normalen Spielbetrieb wieder senken. Dafür soll künftig Regenwasser genutzt werden. „Da müssen wir aber noch Untersuchungen anstellen, wie wir das umsetzen können“, sagt Marieke Köhler, Managerin der BVB-Stiftung leuchte auf und mitverantwortlich für den BVB-Nachhaltigkeitsbericht. Ein verbessertes Verbrauchs-Monitoring soll helfen, den Wasserverbrauch im Stadion zu kontrollieren.
    Der Wasserverbrauch im Signal Iduna Park ist 2019 stark gestiegen.

    Der Wasserverbrauch im Signal Iduna Park ist 2019 stark gestiegen. © dpa

  • Rasenbewässerung am Trainingsgelände: Die Naturrasenplätze am Trainingsgelände werden über ein Zisternensystem bewässert, bei dem abgesickertes Wasser aufgefangen und über Rohre in die Zisterne zurücktransportiert wird.

Abfall:

  • Müll im Stadion: In der vergangenen Saison hat der BVB begonnen, den Müll im Stadion zu untersuchen: An fünf Spieltagen wurde der Müll gesammelt, sortiert und systematisch erfasst, um herauszufinden, wie sich der Müll zusammensetzt. Eine erste Auswertung ergab: Eine Recyclingquote von mehr als 80 Prozent ist möglich, jedoch mit sehr hohem händischen Arbeitsaufwand.
    Bei einem Bundesligaspiel fällt viel Müll an. Der BVB hat begonnen, diesen auszuwerten.

    Bei einem Bundesligaspiel fällt viel Müll an. Der BVB hat begonnen, diesen auszuwerten. © picture alliance/dpa

  • Lebensmittelverschwendung: Im Catering arbeitet der BVB daran, möglichst wenig Lebensmittel zu verschwenden. Dazu beitragen soll unter anderem eine möglichst genaue Mengenkalkulation und eine effiziente Verarbeitung der Lebensmittel. Nicht vermeidbare Abfälle werden in einer 20 Kilometer entfernten Biogasanlage eines lokalen Landwirts verarbeitet. Der BVB kauft vorrangig zertifizierte Lebensmittel ein. 80 Prozent der Lebensmittellieferanten kommen laut Nachhaltigkeitsbericht zudem aus NRW. Aber: Weil der BVB den Frischeanteil in seinem Speiseangebot erhöht hat, fielen mit 202 Kubikmetern 2019 mehr knapp 18 Prozent an als 2018.
  • Digitale Visitenkarten: Die BVB-Mitarbeiter haben keine gedruckten Visitenkarten mehr, sondern nutze eine mobile App.

Biodiversität:

  • Wildblumenwiesen: Der BVB unterstützt die Stadt Dortmund bei einer naturnahen Umgestaltung der Grünflächen rund um den Signal Iduna Park und die BVB-Geschäftsstelle am Rheinlanddamm. Entstehen sollen dort Wildblumenwiesen, um Insekten und Tieren Nahrungsquellen zu bieten und die heimische Artenvielfalt zu fördern.
  • Bienenlehrpfad: Da das Maskottchen des BVB eine Biene ist, liegt es nahe, dass sich der BVB zu diesem Thema einbringt. Angedacht sind ein Bienenlehrpfad und ein Klassenzimmer unter freiem Himmel in Zusammenarbeit von BVB-Kidsclub und der Dortmunder Kreisimkerschaft. Auch die BVB-Stiftung leuchte auf möchte künftig ein ökologisches Projekt anstoßen. „In diesem Bereich haben wir noch unsere Hausaufgaben zu machen und auch eine Vorbildfunktion zu erfüllen“, sagt Marieke Köhler.
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