Der Vertrag von Thomas Delaney bei Borussia Dortmund läuft im Sommer 2022 aus. © imago / Ritzau Scanpix
Borussia Dortmund

Thomas Delaney und der BVB: Die Zeit der Entscheidung naht

Thomas Delaney beendet an diesem Montag seinen Urlaub. Borussia Dortmund und der Däne werden dann eine Entscheidung über seine Zukunft treffen - es gibt eine klare Tendenz.

Das letzte Lebenszeichen von Thomas Delaney in den sozialen Medien datiert vom 21. Juli, als der Däne über Twitter eine Vermisstenmeldung für seinen Hund Chester veröffentlichte. Auf seinem Instagram-Profi sah man Delaney zuletzt gar am 3. Juli, mit einem Bild beim Torjubel. Delaney traf im EM-Viertelfinale in Baku beim 2:1 über Tschechien zum 1:0 für Dänemark, der Grundstein zum Erreichen des Halbfinales. Dort schied der 29-Jährige gegen die Engländer um Jude Bellingham aus, anschließend ging es in den Urlaub. Drei Wochen abschalten und entspannen, sich endlich um die Familie mit dem im Frühjahr geborenen Nachwuchs kümmern, zwischendurch den Hund suchen – und die Zeit nutzen, um eine Entscheidung zu treffen, was die eigene Zukunft betrifft?

Delaney-Vertrag bei BVB läuft im Sommer 2022 aus

Wenn Delaney am Wochenbeginn in Dortmund die Kabine betritt und damit der BVB-Kader endlich komplett ist, wird zeitnah auch eine Klärung erwartet, wie es mit ihm persönlich weitergeht. Delaneys Vertrag endet im kommenden Jahr, damit muss Borussia Dortmund in diesem Sommer entcheiden, wie es mit Thomas Delaney weitergehen soll.

Nach Informationen der Ruhr Nachrichten liebäugelt der Däne mit einer Luftveränderung, die Zeichen stehen also auf Abschied. Ihn zieht es ins Ausland, möglicherweise in die englische Premier League, die ein bevorzugtes Ziel für Thomas Delaney ist, seit er in seiner Heimat zum Profi heranwuchs.

BVB-Spieler Delaney betreibt bei der EM Werbung in eigener Sache

Bislang hat sich dieser Traum aus den verschiedensten Gründen nicht realisieren lassen. Anders als vor drei Jahren, als Delaney für Werder Bremen spielte und sich noch vor der WM in Russland für einen Wechsel zum BVB entschied, weil das Dortmunder Angebot das weitaus attraktivste war in jenem Sommer, lässt bislang eine Entscheidung auf sich warten.

Einige interessante Angebote dürften auf seinem Tisch liegen. Aufsteiger Norwich mit dem ehemaligen Dortmunder U23-Coach Daniel Farke soll sich gemeldet haben, Chrystal Palace ist interessiert, auch der FC Southampton wird mit Delaney in Verbindung gebracht. Und am Wochenende brachte ausgerechnet ein englischer Journalist auch noch AS Rom mit Trainer Jose Mourinho ins Spiel. Ihm soll die robuste, aggressive Art des Sechsers gefallen. In der Tat betrieb Delaney bei der Europameisterschaft reichlich Eigenwerbung. Sein Auftreten auf dem Platz, seine Führungsqualitäten nach dem Schock-Moment um Teamkollege Christian Eriksen – Delaney konnte abseits des Platzes und auf dem Rasen punkten.

BVB-Sportdirektor Zorc hält sich bei der Personalie Delaney bedeckt

Während er in seiner Heimat Kultstatus genießt und in der Nationalmannschaft einer der Führungsspieler ist, lief es in Dortmund zuletzt allenfalls mittelprächtig. 34 der 51 Pflichtspiele waren es nur für den 60-fachen Nationalspieler in der vergangenen Saison, zu wenig für seine Ansprüche. Auch zwei kleinere Verletzungen verhinderten eine stattlichere Zahl, doch nicht immer, wenn er fit war, war Thomas Delaney auch gesetzt.

Thomas Delaney spielte eine überzeugende Europameisterschaft mit Dänemark. © dpa © dpa

Mit bald 30 Jahren stellt sich Thomas Delaney die Frage, wie die Karriere auf der Zielgeraden zu Ende gehen soll. Noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen – Delaney scheint diesem Gedanken nicht abgeneigt. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hält sich bei der Personalie bedeckt. Der Spieler kehre jetzt aus dem Urlaub zurück, sagt er auf Anfrage sehr verhalten, „der Vertrag läuft noch ein Jahr, wir werden mit ihm sprechen.“ Delaney wäre einer der Spieler, die noch einen gewissen Transferwert besitzen, das ist in diesen Zeiten kein zu vernachlässigender Punkt.

Der BVB ist im defensiven Mittelfeld üppig besetzt

Während der EM hat Thomas Delaney einen hohen Schutzwall um sich herum errichtet. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt und der richtige Ort, um über seine Zukunft zu reden, hat er gesagt. Den drängelnden Fragen der dänischen Journalisten ist er geschickt ausgewichen. Delaney ist immer freundlich und kommunikativ, aber zu diesem Thema? Nein, da wolle er nichts sagen.

Der Zeitpunkt aber naht, wo er Farbe bekennen muss. Den BVB würde ein Abschiedswunsch Delaneys nicht unvorbereitet treffen. Auf seiner Position ist Borussia Dortmund eher üppig als zu knapp besetzt. In Jude Bellingham hat die Borussia vor einem Jahr einen Spieler verpflichtet, der Delaneys Rolle ebenso übernehmen kann wie ein Emre Can oder Axel Witsel. Mahmoud Dahouds defensive Qualitäten traten in der vergangenen Spielzeit etwas überraschend zu Tage, auch er wäre eine Alternative. In einem System mit Mittelfeld-Raute wäre zudem ohnehin nur Platz für einen reinen Sechser.

BVB könnte mit den Delaney-Millionen andere Baustellen schließen

So würde der BVB einen etwaigen Transfer-Erlös für Delaney mit ziemlicher Sicherheit an anderer Stelle investieren. Auf den defensiven Außenbahnen, vor allem links, besteht ebenso Bedarf wie dem Kader auf dem offensiven Flügel ein echter Eins-gegen-Eins-Spieler noch guttun würde. Seinen Hund hat Delaney nach seinem Aufruf über Twitter übrigens sehr schnell wiedergefunden. Gut möglich, dass der Vierbeiner demnächst mit seinem Herrchen nach England umzieht.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Dirk Krampe, Jahrgang 1965, war als Außenverteidiger ähnlich schnell wie Achraf Hakimi. Leider kamen seine Flanken nicht annähernd so präzise. Heute nicht mehr persönlich am Ball, dafür viel mit dem Crossbike unterwegs. Schreibt seit 1991 für Lensing Media, seit 2008 über Borussia Dortmund.
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