Trainingspläne und Überwachung: Wie der BVB seine Spieler in Corona-Zeiten fit hält

hzBorussia Dortmund

Mit individuellen Fitnessplänen versucht der BVB seine Spieler in Form zu halten. Gemeinsames Training ist nicht möglich, die Pause zieht sich. Das schafft Probleme - und birgt Gefahren.

Dortmund

, 26.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vorbildlich streckt Axel Witsel seinen Körper bei den Übungen auf seiner Gymnastikmatte. Er stärkt den Rumpf, kräftigt die Beine, arbeitet an der Beweglichkeit. „Stay fit“, schreibt er zu seinem Video aus dem „home office“. Was Borussia Dortmunds Belgier nicht trainieren kann: Fußball.

Seit 14 Tagen gab es kein Spiel mehr und für mindestens fünf weitere Wochen Zwangspause ist auch keins in Sicht. Vorerst erlauben die Gesundheitsvorkehrungen in Zeiten der Coronakrise den Profis von Borussia Dortmund nicht einmal gemeinsames Training. Während der Kopf gerne mal abschalten soll in dieser Zeit, darf der Körper nicht einschlafen: Wie bleiben Profis fit ohne spezifisches Training? Wie bleibt die Form erhalten, wenn der Wettkampf fehlt?

Andreas Beck ist einer der gefragtesten Männer beim BVB aktuell

Beim BVB gehört Andreas Beck (44), sonst einer der vielen stillen Arbeiter im Hintergrund, derzeit zu den gefragtesten Männern im Klub. Als Chef der Athletik-Trainer bastelt er mit seinem Team individuelle Trainingsplänen für die Fußballer zusammen. Weil völlig unklar ist, wie lange der Schwebezustand ohne Mannschaftstraining und Fußballspiele anhält, müssen Beck und Co. gerade die Quadratur des Kreises versuchen und auch terminlich auf jedes Szenario vorbereitet sein. Das ist auch ein organisatorischer Klimmzug: improvisieren, adaptieren, nachjustieren.

„Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination dominieren in den Trainingsplänen“, erklärt Beck den Ruhr Nachrichten. Alle Spieler von Borussia Dortmund verfügen daheim über Möglichkeiten, sich in Schuss zu halten. Fast alle haben einen kleinen Fitnessraum oder zumindest ausreichend Platz für intensive Übungen. Wer kein Laufband oder Rad-Ergometer zuhause hatte, dem hat der Verein in der vergangenen Woche eines bereitgestellt.

Der Körper ist das Kapital der BVB-Profis

In den Köpfen der modernen Profis ist längst die Erkenntnis gereift, dass ihr Körper ihr Kapital ist. Anekdoten von Freundinnen oder Hunden, die ersatzweise mit der GPS-Uhr eine Runde durch den Park joggen, gehören überwiegend der Vergangenheit an. Viele Spieler fordern geradezu Pläne ein. Die Übungsprogramme gehen genauso über digitale Kanäle an die Spieler wie deren Daten aus Herzfrequenzmessung oder GPS-Aufzeichnungen anschließend zur Auswertung zurück ans Trainerteam. Fußballprofis sind hochgezüchtete Athleten. Und gläsern. Kein Herzschlag entgeht den aufmerksamen Analysten.

Immerhin, ganz ohne Sichtkontakt geht die ballfreie Zeit nicht vonstatten. In festgelegten Zeitfenstern und abgestimmt mit dem Funktionsteam stehen den Borussen auch die Räume im Trainingszentrum in Dortmund-Brackel offen. Wenn ein Fußballer das Laufband nutzt und ein anderer im Fitnessstudio an Kraft oder Stabilität arbeitet, ist Nähe kein Problem: Das klubeigene Funktionsgebäude lässt kaum Wünsche offen, die strengen Hygiene- und Gesundheitsvorkehrungen bleiben selbstverständlich berücksichtigt.

Borussia Dortmund will Rückschritt begrenzen

Doch auch die besten Trainingspläne können den allmählichen Verfall der Form nicht aufhalten, der spätestens nach zwei Wochen ohne wettkampfnahe Belastung nicht mehr aufzuhalten ist. Aus Form wird Förmchen. Es geht nur noch darum, den Rückschritt in der Leistungsfähigkeit zu begrenzen. Im Spiel sind Siege durch nichts zu ersetzen, im Training bringen erst harte Einheiten auf dem Rasen die nötige Substanz. Beck: „Schnelligkeitsrelevante Inhalte sowie Kraft in den Basisbewegungen lassen sich aufgrund der häuslichen Umgebung leider nur begrenzt trainieren.“

Jetzt lesen

Beck führt an, dass der vorhandene Platz, der andere Untergrund oder adaptationsrelevante Zusatzlasten halt nicht ideal seien. 30 Minuten in Joggingschuhen auf dem Rad-Ergometer ersetzen keine 30 Minuten in Stollenschuhen auf dem Fußballrasen, mit schnellen Drehungen, kurzen Antritten und langgezogenen Sprints. Doch daran ist - frühestens - mit dem Ablauf der geltenden Kontaktsperre bis zum 5. April wieder zu denken. Fraglich ist, ob Fußballtraining für Profis beruflich derart unumgänglich ist, dass hier gesetzlich andere Vorschriften gelten könnten.

Verletzungsrisiko der BVB-Profis steigt

Doch das ist ebenso ungewiss wie die Antwort auf die Frage, wann es weitergeht. Und während nicht einmal das geklärt ist, muss der Blick von Athletiktrainern wie Andreas Beck bereits in die Zeit nach Wiederanpfiff gerichtet sein. Die spielfreie Zeit dauert bereits jetzt länger als eine Winterpause, und im Sommer gönnen sich die Vereine sechs bis acht Wochen Vorbereitung, um die Belastungen zu steigern und die Form hochzufahren. So viel Zeit wird diesmal nicht bleiben. Doch diese Eile birgt große Gefahren, das Verletzungsrisiko ist gerade in solchen Aufbauphasen besonders hoch.

Selbst wenn der Tag X noch nicht feststeht: Danach stehen in kurzer Zeit neun Spiele an, es geht dann Schlag auf Schlag weiter. Auch ohne Pokalwettbewerbe stehen neun Spiele in kurzer Zeit an. Schnell müssen die Spieler dann wieder in eine wettkampftaugliche Verfassung gebracht werden, aus dem Förmchen muss wieder Form werden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt