Mario Götzes Verhandlungen mit dem BVB - für beide Seiten eine Frage des Preises

hzNoch kein neuer Vertrag

Der BVB möchte Mario Götze gerne halten. Aber nicht um jeden Preis. Auch Götze möchte in Dortmund bleiben. Aber nicht für jeden Preis. Das Ergebnis der Vertragsverhandlungen ist offen.

Dortmund

, 23.07.2019, 16:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es sei schon verrückt mit seinem Fußballerleben, meint Mario Götze. Immer wieder habe es diese Brüche gegeben, irre Wendungen, grelles Licht und dunkler Schatten. Auf ein Hoch sei ein Tief gefolgt, auf Tiefs wieder Hochs. Und das in kurzer Abfolge.

Vor seinem ersten Profieinsatz für den BVB, als ihm Jürgen Klopp am 21. November 2009 bei einem ansonsten nicht erinnerungswürdigen 0:0 gegen den FSV Mainz 05 zu seinem Debüt verhalf, habe er sprichwörtlich die Hosen voll gehabt, erklärte er in der Players Tribune. Danach stürmte er ohne Halt durch die Liga.

Mario Götzes Verhandlungen mit dem BVB - für beide Seiten eine Frage des Preises

Der 21. November 2009: Jürgen Klopp gibt Mario Götze letzte Anweisung vor dessem Bundesliga-Debüt. Götze ist damals 17 Jahre, 5 Monate und 18 Tage alt. © imago

Vor dem WM-Finale 2014 sei er wegen seines bis dato schlechten Turniers total niedergeschlagen gewesen – Stunden später wurde er zum Helden, über den man noch in 100 Jahren spricht. 2017 seine Stoffwechselerkrankung, danach das Comeback.

Götzes vergangene Saison - ein weiteres Kapitel wie seine Karriere

Zuletzt die Saison 2018/19, könnte Götze aktuell hinzufügen. Von Borussia Dortmunds neuem Trainer Lucien Favre wurde der vermeintliche Star beinahe demonstrativ verbannt. Er stand in den ersten sechs Bundesligaspielen teilweise nicht einmal im Kader. Der große Mario, ganz tief am Boden.

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Bis er sich selbst aus dem Schlamassel zog, an Form zulegte, zielstrebiger wurde, sich nicht nur auf seine potenzielle Genialität verließ, sondern Effizienz als Zutat ergänzte. In der zweiten Saisonhälfte gehörte der Zehner des BVB zu den Spielern mit dem besten Ausstoß bei der Produktivität. Zehn Scorerpunkte steuerte er zur Vizemeisterschaft bei, er steigerte sich gegen den Trend im Team. Das war ordentlich. Eine klare Steigerung nach zweieinhalb fast verlorenen Jahren, in denen er ein Schatten seiner selbst blieb. Welche Wende kommt jetzt?

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So laufen die Vertragsverhandlungen zwischen Götze und dem BVB

Borussia Dortmund und Mario Götze reden miteinander. Seit Januar geht es dabei um die Verlängerung der Zusammenarbeit. Götzes Vertrag endet in einem Jahr, im Sommer 2020. Beide Seiten ziehen sich in gewisser Weise an. Klub und Spieler wollen schon gerne miteinander weitermachen. Und doch ziehen sich die Verhandlungen über Monate hin. In Kürze findet das nächste Treffen statt. Ergebnis? Offen!

„Wir möchten gerne mit Mario verlängern.“
Hans-Joachim Watzke

„Wir möchten gerne mit Mario verlängern“, wiederholt Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke auf Anfrage die bisherige Sprachregelung des BVB. Auch Mario Götze, so ist zu hören, kann sich weiter sehr gut vorstellen, in Dortmund zu bleiben. Und dann kommen die Haken und Ösen, wenn es um die Details geht.

Götze ist keine Stammkraft im Mittelfeld und nicht erste Wahl im Sturm

Borussia Dortmund bedeutet Götze viel. 2001 wechselte er zum ersten Mal zum großen Klub der Stadt, in der er aufgewachsen ist. Eine große Liebe mit bedingungsloser Hingabe wurde daraus aber nicht. Die Zuneigung der Fans verlor er 2013 mit seinem Wechsel zum FC Bayern, einen Teil davon hat er sich seit der Rückkehr 2016 wieder erarbeitet. Einen Teil davon, nicht mehr, nicht weniger.

Im Sommer 2019 könnte Mario Götze sehr viel Kontinuität in sein wechselhaftes Fußballerleben bringen. Entscheidet er sich mit 27 Jahren ein drittes Mal für den BVB, für den womöglich letzten großen Vertrag seiner Karriere, kann er dort anknüpfen, wo er in der vergangenen Rückrunde aufgehört hat. Als ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, einer von mehreren. Nicht als erste Wahl im Sturmzentrum, nicht als Stammkraft im Mittelfeld. Dort liegen andere vorne.

Dankbarkeit und Demut sind keine harte Währung

Zur Kontinuität gehört dann auch eine Normalisierung. Wie ein Topstar, wie ein Anführer, wie ein Herzstück des BVB hat Götze in den letzten drei Jahren nicht gespielt. Aber so gut verdient. Eine Reduzierung seiner opulenten Bezüge wäre im Sinne der Gehaltshygiene bei dieser Argumentation folgerichtig. Ein Spitzenverdienst im achtstelligen Bereich lässt sich sportlich nicht rechtfertigen.

Mario Götzes Verhandlungen mit dem BVB - für beide Seiten eine Frage des Preises

Ein Spitzenverdienst im achtstelligen Bereich lässt sich bei Mario Götze sportlich nicht rechtfertigen. © imago

Für einen Spieler mag das in Zeiten explodierender Bezüge schwer nachvollziehbar erscheinen. Liegt das reduzierte Angebot unter seinem Wert? Eher nicht. Ist es ein Hinderungsgrund, einen Kontrakt zu unterschreiben beim Klub, der ihm in guten und noch mehr in schlechten Zeiten die Treue gehalten hat? Dankbarkeit und Demut sind keine harte Währung.

Sportlich ist Borussia Dortmund inzwischen nicht mehr auf Mario Götze angewiesen. Da gilt eher der Umkehrschluss. Welche Wende diese außergewöhnliche Sportlerkarriere als nächste nehmen wird, verkommt zu einer Frage des Preises.

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