Für Mahmoud Dahoud geht es nicht weiter. Er ist einer von vielen BVB-Profis, die sich bereits in dieser Saison verletzt haben. © imago images/Sven Simon
Borussia Dortmund

Verletztenmisere in Zahlen: So schlimm hat es den BVB wirklich getroffen

33 Spieler hat Borussia Dortmund in seinem Profi-Kader - die meisten von ihnen waren in dieser Saison schon verletzt. Oder sind es noch. Die Zahlen zeigen, wie schlimm es den BVB getroffen hat.

Diesen Text könnte man mit zwei verschiedenen Aufzählungen beginnen. Einmal mit einer, die aufführt, welche BVB-Profis in dieser Saison bereits verletzt waren oder es sogar noch sind. Oder eben mit einer Liste derjenigen, die dem BVB und seinem Trainer Marco Rose bislang noch nicht gefehlt haben. Beide zeigen ziemlich eindrucksvoll, wie schlimm es den BVB in Sachen Verletzungen getroffen hat – die eine ist lang, die andere kurz.

BVB-Trainer Rose hat seit Tag eins mit Verletzungen zu kämpfen

Als Marco Rose am 4. Juli seine erste Einheit als Trainer von Borussia Dortmund leitete, standen gerade einmal zehn Feldspieler und zwei Torhüter auf dem Platz, darunter in Nnamdi Collins und Göktan Gürpüz zwei Nachwuchsspieler. Die meisten BVB-Profis weilten noch im verdienten EM-Urlaub, nach und nach sollten sie zur Mannschaft dazustoßen. Allerspätestens bis zum Trainingslager in Bad Ragaz. Doch daraus wurde nichts. Zumindest nicht so richtig. Denn irgendwer war immer verletzt, meistens sogar mehrere gleichzeitig. Seit Tag eins beim BVB hat Marco Rose mit Verletzungen zu kämpfen. Bis heute hat das nicht abgenommen.

Erst war es die Defensive, die den 45-Jährigen zum Improvisieren zwang. Mats Hummels, Raphael Guerreiro, Dan-Axel Zagadou und Thomas Meunier standen ihm zu Saisonbeginn allesamt nicht zur Verfügung. Kaum beruhigte sich die Situation in der Verteidigung, brachen Rose die Offensivkräfte weg. Erst Thorgan Hazard, wenig später Giovanni Reyna und Julian Brandt, zuletzt Kapitän Marco Reus und Stürmer Erling Haaland.

Am Mittwoch kam noch Youssoufa Moukoko dazu, der sich bei der deutschen U21-Nationalmannschaft eine Muskelverletzung zugezogen haben soll. Wie lange er ausfällt, ist derzeit noch nicht bekannt. Die MRT-Untersuchung müsse abgewartet werden. Und damit nicht genug: Thorgan Hazard reiste wegen Beschwerden am Sprunggelenk nicht mit der belgischen Nationalmannschaft nach Italien, sondern zu weiteren Untersuchungen zurück nach Dortmund. Am Donnerstag folgte die nächste Hiobsbotschaft: Auch Rapahel Guerreiro wird verletzungsbedingt vorzeitig von der portugiesischen Nationalelf zurückkehren. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

22 von 33 BVB-Profis waren in dieser Saison bereits verletzt

Der aktuelle Profikader von Borussia Dortmund umfasst 33 Spieler. 22 von ihnen waren in dieser Saison schon verletzt oder sind es aktuell noch. Zu den vier Langzeitverletzten Dan-Axel Zagadou, Soumaila Coulibaly, Mateu Morey und Marcel Schmelzer gesellen sich 18 weitere Profis, die Marco Rose immer wieder über einen gewissen Zeitraum nicht zur Verfügung standen. In den meisten Fällen waren Muskelverletzungen Schuld daran. Rechnet man die Tage zusammen, die die einzelnen Spieler jeweils aufgrund ihrer Verletzung gefehlt haben, kommt man auf stolze 790 Tage.

Zum Vergleich: In der Saison 2020/21 waren es zum gleichen Stichtag (7. Oktober) gerade einmal 323 „Fehltage“, die sich auf zwölf verletzte Spieler des damals 30-köpfigen Kaders aufteilten. In der gesamten letzten Spielzeit fielen die BVB-Profis in Summe 1582 Tage aus. Rechnet man also die aktuellen Zahlen hoch, würde dieser Wert locker überschritten.

Studie besagt: Verletzungsgefahr steigt nach großen Turnieren

Eine der Ursachen hat die Ruhr-Universität Bochum (RUB) in einer Studie herausgearbeitet. Demnach steigt in Folge von großen Turnieren wie der Europa- oder Weltmeisterschaft die Verletzungsgefahr. Dies bekommt Borussia Dortmund in dieser Saison in aller Härte zu spüren. Denn tatsächlich sind von den zehn EM-Fahrern des BVB nur Donyell Malen, Jude Bellingham und Axel Witsel ohne Verletzung durchgekommen. Alle anderen hatten immer wieder mit kleineren, aber hartnäckigen Wehwehchen zu kämpfen.

Dreht man die Statistik um, bedeutet das, dass lediglich elf BVB-Spieler die vergangenen drei Monate verletzungsfrei überstanden haben. Schaut man sich die Namen aber einmal genauer an, fällt schnell auf, dass es sich in den meisten Fällen um Ergänzungsspieler handelt: Roman Bürki, Marwin Hitz, Stefan Drljaca, Felix Passlack, Reinier und Abdoulaye Kamara. Aus der ersten Riege bleibt dann neben den drei verletzungsfreien EM-Fahrern nur noch Neuzugang Marin Pongracic.

„Ich will nicht zu viel darüber reden und lamentieren“, hat Marco Rose im Rahmen des Sommer-Trainingslagers noch gesagt. Wohl in der Hoffnung, dass sich die damals prekäre Situation im Laufe der Saison ein wenig entspannt. Doch das ist bislang ausgeblieben. Umso wichtiger ist die aktuelle Länderspielpause. Vielleicht wird dann zumindest die eine Liste nicht noch länger.

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