BVB-Profi Julian Brandt (r.) hofft auf eine EM-Teilnahme. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild
Meinung

Viele BVB-Profis wollen zur Fußball-EM: Liebe Grüße in den Abgrund

Der BVB wird im Sommer viele Spieler zur Fußball-EM entsenden. Die Frage ist, ob das alles überhaupt noch erstrebenswert ist. Die UEFA verliert nun endgültig das Maß. Ein Kommentar.

Eigentlich war es ja eine schöne Nachricht aus Dortmunder Sicht, die da in den vergangenen Tagen durchsickerte. Joachim Löw, der Bundestrainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, denkt mal lauter und mal leiser über Mats Hummels‘ Rückkehr in die Nationalelf nach. Diesen Umstand hat sich der BVB-Abwehrchef in den vergangenen Monaten mit konstanten und guten Leistungen redlich verdient. Es deutet vieles darauf hin, dass Borussia Dortmunds Vizekapitän, genau wie viele andere seiner Mannschaftskollegen, mit von der Partie sein wird, wenn im Sommer 2021 die Euro 2020 mit einem Jahr Verspätung nachgeholt werden wird.

Wäre da nicht diese vermaledeite Pandemie, von der seit einem Jahr so viel zu lesen ist.

BVB-Spieler hoffen auf EM: Kann man sich darauf noch freuen?

Und nun, knapp drei Monate vor dem geplanten Eröffnungsspiel der Europameisterschaft, stellt sich die Frage, wie sehr sich ein Fußballprofi überhaupt noch auf das vermeintliche Fußballfest freuen darf, das nach den Vorstellungen des europäischen Fußball-Dachverbands, der UEFA, mit 24 Mannschaften in zwölf Ländern quer über den Kontinent (und in Baku, Aserbaidschan) stattfinden soll.

Man kann freilich argumentieren, dass es schlicht als Irrsinn einzuordnen ist, ein solches Turnier mit zahllosen Reisen kreuz und quer durch Europa und in Zeiten der Corona-Pandemie tatsächlich wie gedacht stattfinden zu lassen. Das Risiko ist einfach zu hoch. Und moralisch vertretbar ist es ohnehin nicht wirklich. Vielleicht wäre es also die bessere Idee, das Turnier in einem kleineren Rahmen und ohne Fans auszuspielen. Das wäre doch mal ein Kompromiss.

UEFA-Präsident Ceferin will eine EM mit Fans – im Stadion

Man kann es allerdings auch so angehen wie Aleksander Ceferin. Der UEFA-Präsident hat just erklärt, dass die EM im Sommer wie geplant stattfinden soll. Natürlich mit Zuschauern, wie denn auch sonst? Eine große paneuropäische Fußballfete soll es doch nun mal werden und ein Jahr der Warterei muss dann wohl auch mal reichen. (Wie wär‘s nebenbei mit Fanmeilen?) „Die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist vom Tisch“, hat Ceferin vollmundig angekündigt – und die Verantwortung gleich an die Austragungsorte weitergereicht. „Jede gastgebende Stadt muss garantieren, dass Fans zu den Spielen dürfen.“

Das klingt zu einfach, um funktionieren zu können. Und es wird wohl auch nicht funktionieren. Noch schlimmer aber ist das Bild, das der Profifußball in der Pandemie einmal mehr abgibt. Der Eindruck, der sich – leider zurecht – in den Köpfen vieler Menschen verfestigt, ist der, dass man, mal gänzlich unabhängig von Jens Spahn und AstraZeneca, gar nicht so schnell dagegen animpfen könnte, wie der bezahlte Fußball an sich selbst und seiner Geldgier krepiert.

Der Fußball in der Pandemie: Die Knete muss stimmen

Erst die Champions-League-Spiele zwischen deutschen und englischen Mannschaften auf Gedeih und Verderb im ungarischen Hochinzidenzgebiet Budapest, nur damit der Terminkalender keine Kratzer erhält und die Knete weiter stimmt. Und nun das starrsinnige Festhalten an den wilden EM-Plänen. Der Blick ins Paralleluniversum der obersten Fußballfunktionäre ist längst zu einem beängstigenden Blick in tiefste Abgründe verkommen. Es ist ein bisschen wie bei „Der König der Löwen“. Die Welt geteilt in geweihtes Land und Schattenreich, in das man sich besser nicht verirren sollte – mit Aleksander Ceferin als Scar und seinen Gefolgsleuten als gefräßige Hyänen. Irgendwann ist dann halt nichts mehr übrig.

Da würde man Mats Hummels und Co. am liebsten zurufen, einfach auf das nächste große Turnier zu warten. Das findet nur leider 2022 in der Wüste Katars statt. Die Perspektiven bleiben verdammt düster.

Über den Autor
BVB-Redaktion
Tobias Jöhren, Jahrgang 1986, hat an der Deutschen Sporthochschule in Köln studiert. Seit 2013 ist er Mitglied der Sportredaktion von Lensing Media – und findet trotz seines Berufes, dass Fußball nur die schönste Nebensache der Welt ist.
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