Vor 55 Jahren: BVB-Legende Hans Tilkowski wird Fußballer des Jahres

BVB-Stichtag

BVB-Legende Hans Tilkowski ist 1965 auf dem Höhepunkt seiner Karriere und wird als erster Torwart zum Fußballer des Jahres gekürt. BVB-Archivar Gerd Kolbe blickt auf das Erfolgsjahr zurück.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 02.10.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Torwart Hans Tilkowski (r.) von Westfalia Herne hält am 4. April1960 einen Schuss des HSV Stürmers Uwe Seeler. Fünf Jahre später wird er als BVB-Torwart zum Fußballer des Jahres gekürt.

Torwart Hans Tilkowski (r.) von Westfalia Herne hält am 4. April1960 einen Schuss des HSV Stürmers Uwe Seeler. Fünf Jahre später wird er als BVB-Torwart zum Fußballer des Jahres gekürt. © picture alliance / dpa

Im Jahr 1965 setzte der BVB in Dortmund die besonderen Akzente. Zwar gab es die Auslandskulturtage mit Schweden, die Verleihung des Nelly-Sachs-Preises an Max Tau, die Eröffnung des Horten-Hauses an der Hansastraße und den souveränen Wahlsieg der SPD bei der damaligen Bundestagswahl, aber das waren samt und sonders keine Ereignisse, die damals in die Kategorie „außergewöhnlich“ gehörten. Denn die konnten die Schwarzgelben für sich beanspruchen.

Hans Tilkowski wird als erster Torhüter der Fußballer des Jahres

Die Borussen hatten eine gute Bundesligasaison mit dem dritten Tabellenplatz abgeschlossen und gewannen anschließend am 22. Mai 1965 im Niedersachsenstadion zu Hannover gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen mit 2:0 zum ersten Mal den begehrten DFB-Pokal. Das war den BVB-Fans einen „großen Bahnhof“ in der Heimatstadt wert. Und dann, ein paar Monate später, wurde zum ersten Mal ein Torhüter Westdeutschlands Fußballer des Jahres: Hans Tilkowski, der „schwarze Hans“, „unser Til“ vom BVB.

Er hatte ein exzellentes Sportjahr mit überragenden Leistungen im Tor des BVB und der deutschen Nationalmannschaft hingelegt. Natürlich stand er auch im Gehäuse der Borussia beim ersten Pokalsieg, obwohl mit Bernhard Wessel eine hervorragende Nummer zwei eigentlich permanent eigene Ansprüche anmeldete. Ganz selbstverständlich hütete Hans Tilkowski auch in sieben von acht Länderspielen der Nationalmannschaft das deutsche Gehäuse.

Tilkowski liefert auch bei der Nationalmannschaft gute Leistungen

Und dabei lieferte er in der Partie gegen Brasilien am 6. Juni. 1965 sein wohl bestes Länderspiel bis dato überhaupt ab. Er hielt nicht nur einen Elfer, sondern bestach mit Robinsonaden ohne Ende. Zwar verlor Deutschland mit 0:2, aber das lag nun in der Tat nicht am „schwarzen Hans“. Das „Sportmagazin“ urteilte: „Nicht Pele, sondern Hans Tilkowski war der Größte!“

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All das überzeugte die deutschen Sportjournalisten so sehr, dass sie den sympathischen Zerberus aus Dortmund-Husen, wo er am 12. Juli 1935 auf die Welt gekommen war, zum Fußballer des Jahres 1965 wählten. Diese Auszeichnung des Sportmagazins „Kicker“ gab es seit 1960. Vor Tilkowski war der „Goldene Fußball“ mit Uwe Seeler (1960), Max Morlock (1961), Karl-Heinz Schnellinger (1962), Hans Schäfer (1963) und erneut Uwe Seeler (1964) aber ausschließlich an - höchst renommierte - Feldspieler vergeben worden.

BVB-Keeper Hans Tilkowski bekommt den Ritterschlag

Und jetzt war der „Til“ dran, über den die französische Sportzeitschrift L`Equipe einmal geschrieben hatte: „Er ist ein Mann mit natürlicher Begabung für die Aufgaben des Torhüters. Er ist ein Beherrscher seines Tores, seines Torraumes, eine Art Jaschin.“ Dieser Vergleich war so etwas wie ein gut formulierter Ritterschlag für den Dortmunder Keeper, der ähnlich wie der große Lew Jaschin immer dort stand, wo der Ball hinflog, und deshalb höchst selten sprang und durch den Strafraum segelte.

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Anlässlich des BVB-Bundesligaspiels gegen den HSV (2:2) kam es am 2. Oktober 1965 in der Roten Erde zur feierlichen Pokalübergabe an den immer bescheidenen Star-Torwart. Chefredakteur Robert Becker vom Kicker überreichte die Trophäe; zu diesem Anlass war eigens auch Bundestrainer Helmut Schön angereist. Erster Gratulant allerdings war Vorjahressieger Uwe Seeler, der seinen geschätzten Nationalmannschaftskollegen herzlich umarmte und beglückwünschte.

BVB-Torwart Hans Tilkowski: Und ewig fällt das Wembleytor

1966 unterstrich „der Til“ bei der WM in England nachdrücklich seinen Status als Weltklassekeeper und hatte großen Anteil an der Vize-Weltmeisterschaft. Das berühmteste aller WM-Tore, also das Nicht-Tor namens „Wembleytor“ im Endspiel gegen England, wollen wir an dieser Stelle lediglich der Vollständigkeit halber erwähnen.

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Leider ist Hans Tilkowski Anfang 2020 verstorben. Zu seiner Trauerfeier war ganz selbstverständlich auch Uwe Seeler, der Ehrenspielführer des deutschen Nationalteams, erschienen, der im anschließenden kleinen Kreis viele herzliche Worte über seinen langjährigen Freund fand, den er auch wegen seines großartigen sozialen Engagements sehr schätzte.

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