Wäre Profifußball im Mai gesellschaftlich vermittelbar?

hzPro & Contra

Borussia Dortmund und die anderen Profivereine hoffen auf eine Wiederaufnahme des Ligabetriebs. In unserem Pro und Contra diskutieren wir, ob das gesellschaftlich vermittelbar wäre.

Dortmund

, 08.04.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Borussia Dortmund hofft wie alle Klubs der ersten und zweiten Liga darauf, dass Anfang Mai wieder Bundesliga-Fußball möglich ist. Die Zuschauer müssten draußen bleiben, aber zumindest die noch ausstehenden TV-Gelder für diese Saison würden fließen. In Zeiten des Coronavirus mit vielen Einschränkungen im öffentlichen Leben ist das ein moralischer Ritt auf der Rasierklinge.

Wir diskutieren: Wäre Profifußball im Mai gesellschaftlich vermittelbar?

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Pro: Keine Vorverurteilungen (Von Tobias Jöhren)

Die Bundesliga pausiert mindestens bis in den Mai. Das ist jetzt schon klar - und es ist alternativlos. Nach Informationen dieser Redaktion hofft die Liga darauf, dass womöglich das Wochenende um den 9. Mai für eine Fortsetzung der Bundesliga in Frage kommt, das erste Mai-Wochenende wird bei der DFL intern bereits jetzt als unrealistisch eingestuft.

Der 9. Mai also, bis dahin ist es noch über einen Monat hin. Aktuell scheint es nicht vorstellbar, dass in knapp fünf Wochen wieder Bundesliga-Fußball gespielt wird, während überall auf der Welt der Kampf gegen das Coronavirus tobt. Doch ein Monat ist eine lange Zeit, gerade in diesen schwierigen Tagen, und es würde aktuell nicht helfen, Bundesliga-Fußball im Mai bereits jetzt kategorisch auszuschließen. Es ist legitim, dass die Bundesliga-Klubs, die um ihre Existenz fürchten, auf Zeit spielen und hoffen, dass die Saison noch zu Ende gespielt werden kann.

„Entwicklung der Corona-Epidemie in Deutschland entscheidend“

Ganz entscheidend für eine mögliche Fortsetzung der Liga wird sein, wie sich die Corona-Epidemie in Deutschland entwickelt, ganz entscheidend wird sein, wie es in Deutschland ab dem 20. April im öffentlichen Leben weitergeht. Und es wird wichtig sein, dass sich der Fußball nicht zu wichtig nimmt – und auch nicht den Eindruck vermittelt.

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So lange Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben müssen, so lange viele Geschäfte geschlossen bleiben müssen, so lange Kontaktverbot herrscht, so lange in Krankenhäusern Ausnahmezustand herrscht, so lange das öffentliche Leben weitestgehend runtergefahren ist, wird Fußball nur des Fernseh- und Sponsorengeldes wegen, verbunden mit einer immensen Anzahl an Corona-Tests, nicht vermittelbar sein.

Doch sobald das öffentliche Leben in Deutschland wieder anläuft, sobald zumindest ein wenig Normalität einkehrt, darf und wird auch der Fußball wieder mehr und mehr auf die Karte rücken. Freilich nicht an erster Stelle, er bleibt das „Wichtigste des Unwichtigen“, wie Jürgen Klopp es ausdrückt. Die Reihenfolge muss stimmen. Noch muss die Bundesliga von Spielabsage zu Spielabsage denken, irgendwann aber darf sie wieder von Spiel zu Spiel denken. Ob es im Mai schon wieder vertretbar ist, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös prognostizieren – aber eben auch nicht pauschal verneinen.


Contra: Kaum vermittelbar (Von Dirk Krampe)

Bei aller Liebe für diesen Sport, die auch ich in diesen Tagen besonders deutlich spüre: Profifußball zu spielen in einer Phase, in der die drastischen Einschnitte ins öffentliche Leben allenfalls schrittweise zurückgenommen sein werden (was wir nur hoffen, aber noch längst nicht klar ist), das ist eigentlich kaum vermittelbar.

Nein, Profifußball ist keinesfalls nur ein reines Vergnügen, als das ihn einige der Virologen abgetan haben. Ihn in diese Schublade zu stecken, würde seiner Bedeutung nicht gerecht. Die Wirtschaftskraft des Sports und die gesellschaftliche Verantwortung für mehr als 50.000 Beschäftigte in diesem Bereich unterhalb der Millionen verdienenden Profikicker verlangen da schon eine deutliche differenziertere Betrachtung.

„Sonderrolle des Fußball ist schwer zu vermitteln“

Dennoch erscheint es mir den unzähligen Klein- und mittelständischen Betrieben, die gerade auch (!) um ihre nackte Existenz kämpfen, kaum vermittelbar, dass sie die Füße weiter stillhalten müssen, der Fußball aber eine Sonderrolle einnehmen darf. Geschweige denn ist es vermittelbar, dass zur Durchführung der Spiele die Fußballprofis und alle Beteiligten vor jedem Spiel auf das Virus getestet werden müssten, obwohl sie keine Symptome zeigen. Wo anderorts diese Tests händeringend gebraucht werden.

Bei der Argumentation für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs wird oft auch die gesellschaftliche Rolle reklamiert, die der Fußball innehat. Es stimmt: Millionen interessieren sich für ihn, Millionen diskutieren darüber. Der Fußball ist wie eine lieb gewonnene Gewohnheit. Ohne fehlt vielen Menschen etwas. Akzeptiert man diese gesellschaftliche Bedeutung, geht damit aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung einher. Profis werden angehimmelt, Vereine verehrt. Was würde es für einen Eindruck machen, wenn die, die Vorbild sein wollen und sollen, am Ende über alle hinwegtrampeln und ihr eigenes Süppchen kochen?

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