15 Millionen Euro überwies der BVB im Januar für Leonardo Balerdi an die Boca Juniors. Für den argentinischen Innenverteidiger begannen turbulente Wochen. Auf seinen ersten Profi-Einsatz muss der 20-Jährige aber noch warten.

Dortmund

, 03.05.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unauffällig steht der Mann mittleren Alters an diesem windigen Dienstagvormittag zwischen den Dortmunder Fans. Der BVB hat zum öffentlichen Training nach Brackel geladen. Die Spieler drehen ihre ersten Runden, schon wird das Handy gezückt - auch bei Flavio Balerdi. Der Vater des Dortmunder Winter-Neuzugangs fotografiert und filmt, was das Zeug hält.

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Seit einigen Woche hat Familie Balerdi ihren Lebensmittelpunkt nach Dortmund verlagert, genauer gesagt nach Herdecke. Spendiert Trainer Lucien Favre mal einen freien Tag, geht es zum Sightseeing nach Köln oder Amsterdam. Sohnemann Leonardo hat sich nach turbulenten Tagen im Januar mittlerweile in Dortmund eingelebt.

U20-Turnier vorzeitig beendet

Damals ging es für den Filius zunächst ganz allein ins weit entfernte Deutschland. Schon längere Zeit hatte der BVB den talentierten, robusten Innenverteidiger der Boca Juniors im Blick, im Winter ergab sich dann plötzlich die Möglichkeit eines Transfers. Also rein ins Flugzeug - und ab zum Medizincheck ins Knappschaftskrankenhaus. Den absolvierte Balerdi in rekordverdächtigen 90 Minuten. Mit einem breiten Grinsen und voller Vorfreude ging‘s anschließend zur Vertragsunterschrift. Noch am Nachmittag stand das Training mit den neuen Teamkollegen an. „Ich bin froh, jetzt hier zu sein. Es ist natürlich schwierig und eine große Veränderung, aber ich bekomme viel Hilfe, meine Familie unterstützt mich immer.“

„Meine Familie unterstützt mich immer.“
Leonardo Balerdi

Doch dann ging der Stress erst richtig los. Nach einigen Telefonaten stand fest: Dortmunds Neuzugang kann mit der argentinischen U20-Nationalmannschaft an der Südamerika-Meisterschaft teilnehmen. Das gelang nur teilweise: Bei einem Zweikampf zog sich Balerdi eine tiefe Schnittwunde im Mundbereich zu - und schon war das Turnier für ihn schon wieder beendet. Eine Tage später ging‘s mit der Familie zurück nach Dortmund.

Mittlerweile sind die stressigen Tage des Umzugs Geschichte - und Leonardo hat seine ersten Einsätze in der U23 hinter sich. Beim 3:0-Heimerfolg gegen Herkenrath gelang ihm sogar ein Tor. „Man merkt sofort“, sagte BVB-II-Trainer Alen Terzic, „dass da ein Junge mit großer Qualität auf dem Feld steht. Das kommt unserer Mannschaft natürlich zugute.“

„Ein Transfer für die Zukunft“

Auf seinen ersten Profi-Einsatz muss Balerdi aber wohl noch ein paar Monate warten - trotz der aktuell angespannten personellen Situation im Defensivbereich: Zagadou, Hakimi (beide verletzt) und Wolf (gesperrt) fehlen. „Wir haben immer gesagt, dass Leonardo Balerdi ein Transfer für die Zukunft ist, für die nächste Saison“, erklärte Lucien Favre unlängst. „Er wird langsam kommen, trainiert immer mit uns und spielt gelegentlich bei der U23. Das Ziel ist, ihn peu à peu weiterzuentwickeln.“

Und wenn es im Signal Iduna Park dann soweit ist, wird Flavio Balerdi wieder sein Handy zücken, um diesen Moment fürs Familienalbum festzuhalten.

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