Warum Fritz Walter von einem Junioren-Handballer im BVB-Tor schwärmte

Zeitspiel

Stammkeeper verletzt, ein Nachwuchs-Handballer muss ins Tor! Die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1949 stand für den BVB zunächst unter keinem guten Stern. Doch es kam anders.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 26.06.2019, 12:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Warum Fritz Walter von einem Junioren-Handballer im BVB-Tor schwärmte

Der überragende BVB-Keeper Günter „Bubi“ Raum klärt vor Ottmar Walter vom 1. FC Kaiserslautern. © Repro: Kolbe

Die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft stand für den Westdeutschen Meister BVB zunächst unter einem schlechten Stern. Willi Kronsbein, der Stammtorhüter, hatte sich kurz vor dem Ende der Rückrunde der Oberliga West schwer am Knie verletzt. Günter „Bubi“ Rau wurde deshalb, gerade einmal 19-jährig, als aktiver BVB-Handballkeeper in das Gehäuse der Fußballer „befördert“.

Bubi Rau wird vom Risiko zum „Riesen“ im BVB-Tor

Das war ein großes Risiko für die Schwarz-Gelben, zumal der neue Mann praktisch ins kalte Wasser geworfen wurde. Aber Rau bewältigte die auf ihn wartenden großen Endrunden-Aufgaben mit Unbekümmertheit und überraschender Nervenstärke. Seine Auftritte lösten bei Fans und Fachleuten ungeteiltes Entzücken aus. Praktisch über Nacht wurde er ein bundesweit bekannter und anerkannter Keeper - auch bei Fritz Walter.

Warum Fritz Walter von einem Junioren-Handballer im BVB-Tor schwärmte

Fritz Walter hat in seiner Fußball-Karriere einiges erlebt. Der Weltmeister von 1954 erinnerte sich aber auch an ein besonderes Spiel gegen den BVB. © imago

„Es gibt Spiele, die man nie vergisst! Und für mich gehört die Partie meines 1. FC Kaiserslautern gegen den BVB Ende Juni 1949 in der Zwischenrunde zur Deutschen Meisterschaft mit dazu.“ Noch 35 Jahre nach diesem spektakulären Halbfinal-Match, das in München stattfand und nach Verlängerung 0:0-Unentschieden endete, war der große Fritz Walter, der Weltmeister von 1954, noch schier aus dem Häuschen, wenn er an den 26. Juni 1949 zurückdachte.

Walter lobt den Teufelskerl Günter „Bubi“ Rau

„Beim BVB stand der Teufelskerl Günter „Bubi“ Rau im Tor. Unser Keeper Adam war auch stark; was aber dieser Jüngling „Bubi“ Rau im Gehäuse der Borussen ablieferte, hatte ich bis dato noch nie gesehen. Mein Team war als Favorit nach München gereist. Unser Spiel lief schnörkellos und flüssig, wir waren überlegen und erarbeiteten uns Chance auf Chance. Rau hechtete, faustete, fing und tauchte in alle möglichen und unmöglichen Ecken und Winkel und hielt das torlose Unentschieden!“ Schon im Viertelfinale - beim bedeutenden Spiel in Berlin - hatte Rau seinen Kasten sauber gehalten.

Aber auch der BVB mit dem überragenden Erich Schanko erarbeitete sich vor 60.000 Besuchern im Stadion an der Grünwalder Straße gute Möglichkeiten. Adam, der Zerberus der „Roten Teufel“ aus der Pfalz, war jedoch ähnlich wie sein Kontrahent auf der anderen Seite glänzend disponiert. So blieb es blieb selbst nach der Verlängerung auf 120 Minuten beim torlosen Unentschieden.

Das Wiederholungsspiel entscheidet der BVB für sich

Also mussten die beiden Mannschaften am 3. Juli 1949 in Köln noch einmal ran. Und hier im Westen spielten die Borussen befreit und gekonnt auf. Erich Schanko, der Mann mit der Pferdelunge, kümmerte sich höchst liebevoll um Fritz Walter und neutralisierte ihn. Michallek, Preißler, Rau und Koschmieder zeigten, was der Westdeutsche Meister so alles drauf hatte. Und das war eine ganze Menge!

Der BVB siegte verdient nach Toren von Preißler (2), Michallek und Erdmann bei einem Gegentor von Basler mit 4:1. Unter dem Jubel der erneut 60.000 im Müngersdorfer Stadion wurden die Borussen von ihrem Anhang auf den Schultern vom Platz getragen. Das Finale der Deutschen Fußball-Meisterschaft 1949 gegen den VfR Mannheim am 10. Juli 1949 in Stuttgart war erreicht! Dort unterlag der BVB zwar mit 2:3 nach Verlängerung. Doch vor für „Bubi“ Rau blieb diese Endrunde dennoch unvergessen.

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