Warum Lukasz Piszczek noch ein Jahr beim BVB verlängern will

hzExklusiv-Interview

Lukasz Piszczek hat mit Mats Hummels beim BVB schon viele Erfolge gefeiert. Über gute und schlechte Eigenschaften des Rückkehrers, aber auch über seine persönlichen Ziele spricht er im Interview.

Chicago

, 22.07.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Lukasz Piszczek ist noch nicht satt. Einmal würde der Pole gerne noch auf einem Bus um den Borsigplatz fahren - in der persönlichen Trophäensammlung ist also noch Platz. Warum Piszczek beim BVB gerne noch einmal verlängern würde, wieso er weiterhin Vize-Kapitän bleibt und welche Rolle Mats Hummels in Dortmund spielen kann - darüber sprach Tobias Jöhren mit dem 34-Jährigen auf der Busfahrt von South Bend zurück nach Chicago.


Es sah lange so aus, als stünde in diesem Sommer Ihre letzte Saisonvorbereitung als BVB-Profi an. Ihr Vertrag läuft Stand jetzt im Sommer 2020 aus. Ist es wirklich die letzte Vorbereitung?
Ich weiß es noch nicht so richtig (lacht).


Das klingt, als könnten Sie es eventuell nicht sein lassen.

Ich kann mir tatsächlich vorstellen, noch ein Jahr länger zu spielen. Aber das liegt ja nicht nur an mir, das muss ich mit den Verantwortlichen besprechen. Und dann sehen wir, ob ich noch einmal verlängere.


Hängt das auch vom Saisonverlauf ab, oder primär davon, wie gut Ihr Körper noch mitspielt?

Beides wird wichtig sein. Natürlich würde ich mir wünschen, so schnell wie möglich Klarheit zu haben. Das sorgt ja auch für Ruhe im Kopf. Aber die Gespräche werden kommen, dann werde ich erfahren, wie die Pläne des Vereins aussehen. Von meiner Seite aus ist es ja eigentlich schon klar (lacht).


Woher kommt die Lust, noch ein Jahr dranhängen zu wollen?

Die vergangene Saison hat mir gezeigt, dass ich noch mithalten kann. Und es war eine gute Entscheidung, nicht mehr in der Nationalmannschaft zu spielen - um dem Körper ein paar mehr Pausen geben zu können. Bis zur Verletzung habe ich mich sehr gut gefühlt, in der Rückrunde hatte ich dann leider Probleme mit dem Fuß. Aber jetzt ist alles wieder gut. Wenn die Gesundheit stimmt, traue ich mir noch ein weiteres Jahr zu.

Warum Lukasz Piszczek noch ein Jahr beim BVB verlängern will

Juli 2010: Das erste Foto von Lukasz Piszczek (2.v.r.) im BVB-Trikot - bei der Vorstellung der Neuzugänge vor der Saison 2010/2011 mit Jürgen Klopp, Mitchell Langerak, Robert Lewandowski und Michael Zorc. © imago

Gibt’s schon Signale vom Klub, wie es mit einer Vertragsverlängerung aussieht?

(lacht) Das müssen Sie Michael Zorc fragen. Der Klub und ich, wir haben so ein gutes Vertrauensverhältnis. Wir werden faire und gute Gespräche führen. Am Ende muss der Klub entscheiden, was er mir noch zutraut. Ich werde wie immer alles geben. Und dann sehen wir, wen ich damit alles noch überzeugen kann.


Dabei sind Saison-Vorbereitungen ja nicht unbedingt ein Zuckerschlecken. Erst Amerika, dann Bad Ragaz, durchackern für die neue Spielzeit: Da könnte man sich ja auch auf die Zeit nach der Karriere freuen und darauf, dass die Quälerei ein Ende hat. Oder überwiegt die Angst davor, dass es irgendwann plötzlich einfach vorbei ist?

Ich bin so lange im Geschäft, da kommt es auf eine Vorbereitung mehr oder weniger auch nicht mehr an (lacht). Natürlich ist es anstrengend, aber man gewöhnt sich dran. Vieles ist Kopfsache. Angst vor dem Karriereende habe ich nicht. Ich habe einfach noch Spaß am Fußball.

„Ich würde sehr gerne noch einmal auf einem Bus um den Borsigplatz fahren.“
Lukasz Piszczek


Vor dem Karriereende warten ja auch noch große sportliche Ziele. Die Bosse haben die Meisterschaft als klares Ziel ausgegeben...

Ich finde das gut. In der vergangenen Saison waren wir schon nah dran und haben uns jetzt noch zusätzlich verstärkt. Der Kader ist sehr gut und sehr ausgeglichen. Am Ende sehen wir auf dem Spielfeld, wie gut er wirklich ist, aber wir werden alles tun für die Meisterschaft. Ich persönlich hätte nichts dagegen. Meine Karriere geht dem Ende entgegen, und ich würde sehr gerne noch einmal auf einem Bus um den Borsigplatz fahren. Das ist das große Ziel.


Das ist jetzt natürlich sehr theoretisch, aber wäre die Meisterschaft etwas, was Sie sagen lassen könnte: Man soll gehen, wenn es am schönsten ist?

Das kann ich jetzt nicht beantworten, sowas geht nur, wenn es soweit ist. Und so weit denke ich auch nicht. Wirklich nicht.


Sie haben den Kader angesprochen. Von außen betrachtet wirkt er so gut wie lange nicht, in der Breite wahrscheinlich sogar so gut wie noch nie. Täuscht der Eindruck? Oder nehmen Sie das auch so wahr?

Er ist auf jeden Fall sehr stark. Wie stark genau, wird am Ende das Spielfeld erzählen. Aber ich sehe zwei wichtige Aspekte: Erstens hat uns kein Spieler verlassen, der in der vergangenen Saison eine Hauptrolle gespielt hat, was extrem wertvoll ist. Und zweitens haben wir erfahrene Spieler dazu bekommen, die viel Qualität haben. Mats Hummels, Nico Schulz, Julian Brandt, Thorgan Hazard. Sie alle kennen die Bundesliga. Solche Spieler brauchen wir. Und die Breite im Kader ist herausragend. Wir können fast zwei gleichgute Mannschaften aufstellen, das hat man in den Testspielen schon gesehen.

Warum Lukasz Piszczek noch ein Jahr beim BVB verlängern will

In Abwesenheit von Marco Reus trug Lukasz Piszczek in den Testspielen weiter die Kapitänsbinde. © BVB/Alexandre Simoes

Was erhoffen Sie sich denn persönlich von der neuen Saison?

Wie gesagt, die Gesundheit ist das Wichtigste - wenn sie da ist, dann kann ich noch helfen. Natürlich hat sich der Konkurrenzkampf auf meiner Position verschärft. Achraf Hakimi kann rechts hinten spielen, Marius Wolf und Mateu Morey auch. Und es ist auch richtig, dass sich der Klub auf meiner Position breiter aufstellt, weil ich eben nicht mehr der Jüngste bin. Der BVB braucht auch in der Zukunft Rechtsverteidiger, auf die er sich verlassen kann.


Wie wichtig ist der Fakt, dass Sie so erfahren sind, dass sie wissen, wie man mit dem BVB die Meisterschaft gewinnt? Gerade auch als Hilfe für die jungen und talentierten Spieler, denen diese Erfahrung noch fehlt?

In der vergangenen Rückrunde hat uns diese Erfahrung teilweise gefehlt, das ist richtig. Auch deswegen sind unsere Neuverpflichtungen so wichtig, insbesondere die von Mats. Noch einmal wird uns so eine Rückrunde nicht passieren, da bin ich mir ziemlich sicher. Der Lerneffekt sollte schon da sein. Aber natürlich kann ich das hier an der Stelle ganz locker sagen - am Ende müssen wir es auf dem Platz auch beweisen.

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Haben Sie mit dem Trainer schon darüber gesprochen, ob Sie Vize-Kapitän bleiben?

Nein, aber bei den Testspielen hat man gesehen, dass ich die Binde hatte, wenn Marco (Reus, Anm. d. Red.) nicht auf dem Rasen stand. Deswegen gehe ich davon aus, dass ich Vize-Kapitän bleibe.


Mit Mats Hummels haben Sie in Dortmund schon viele Erfolge gefeiert. In den vergangenen drei Jahren hat er Sie und den BVB im Trikot des FC Bayern München geärgert. Freuen Sie sich, dass er wieder da ist?

Auf jeden Fall. Nicht nur, weil ich mich sehr gut mit ihm verstehe, sondern weil er uns auch ganz viel Qualität gibt. Wie gesagt: Solche Spieler brauchen wir. Er wird uns sehr helfen.


Hat er sich während seiner Zeit in München verändert?

Nein, überhaupt nicht. Er redet immer noch zu viel (lacht).

Warum Lukasz Piszczek noch ein Jahr beim BVB verlängern will

186 seiner 325 Pflichtspiele für den BVB bestritt Lukasz Piszczek (l.) gemeinsam mit Mats Hummels. © imago

Als Sie mit dem BVB auf der USA-Reise das Trainingsgelände der Seahawks besucht haben, hat er gesagt, der BVB müsse „Piszczu“ schicken, um halbwegs mit den Kanten aus der NFL mithalten zu können, weil Sie immer noch so fit seien.

(lacht). Ja. Ich mag seinen Sarkasmus. Und seine große Klappe. Wir kennen uns schon sehr lange, und es ist gut, dass er so geblieben ist, wie er immer war. Wir drücken uns gern mal gegenseitig einen Spruch rein. Es ist so, als wäre er gar nicht weg gewesen.


Ist Mats Hummels auch als Typ jemand, der dem BVB in der vergangenen Saison vielleicht gefehlt hat?

So etwas ist immer schwer zu sagen. Wir haben schon Spieler im Kader, die Charakter gezeigt haben. Aber Mats ist natürlich jemand, der auf dem Platz den Unterschied machen kann. Im Zweikampf, im Spielaufbau, in der Luft. Er kann sehr vieles sehr gut.

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Was er überhaupt nicht kann, ist verlieren. Und es gibt durchaus auch Stimmen, die sagen, dass diese Eigenschaft, die ja erstmal keine schlechte ist für einen Fußballer, zum Problem werden könne. Werden Sie ihn bremsen müssen, damit er gerade mit den jungen Spielern nicht zu hart ins Gericht geht? Oder gehört Reibung dazu?

Mats kann ein bisschen bockig werden, das stimmt. Das habe ich schön gesagt, oder? (lacht) Aber es gehört auch dazu, dass mal jemand sauer ist und das deutlich sagt. Natürlich muss man auch verlieren können, aber man darf es nicht mögen.

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