Champions League

Warum nicht immer so? BVB darf nach 1:2 vom Halbfinale träumen

Der BVB in der Saison 20/21 - es ist alles möglich. Drei Tage nach dem Frankfurt-Desaster spielt Dortmund beim 1:2 mit Manchester City auf Augenhöhe. Und man fragt sich: Warum nicht immer so?
Der BVB darf nach dem unglücklichen 1:2 bei Manchester City vom Halbfinale der Champions League träumen. © dpa

Marco Reus sank rutschend auf die Knie, reckte die Arme in die Luft, dann übermannte ihn die schwarzgelbe Jubelmeute: Mit seinem Treffer zum 1:1 sieben Minuten vor dem Abpfiff belohnte der Kapitän seine Mannschaft für ein fast tadellos gutes Spiel bei Manchester City. Zehn Minuten später schimpfte Reus trotzdem: Der umtriebige Phil Foden bestrafte in der Schlussminute eine Unachtsamkeit von Thomas Meunier – nur 1:2 (90.). Da war viel mehr drin!

BVB-Kapitän Marco Reus: „Das war leider absolut unnötig“

„So ein Tor kurz vor Schluss war leider absolut unnötig. Aber wir haben taktisch ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht“, sagte Reus und lag damit vollkommen richtig. Für die „mission impossible“ auf der Insel hatte Trainer Edin Terzic seinen Spielern einen mutigen Matchplan mit auf den Weg gegeben. Vor der Viererkette sollte ein Dreier-Mittelfeld mit Emre Can, Mahmoud Dahoud und Jude Bellingham leidenschaftlich verteidigen und, wenn immer möglich, aufdrehen und den Ball direkt nach vorne passen. Ein Kandidat für das schnelle Umschaltspiel nach Ballgewinnen: Nachwuchs-Flitzer Ansgar Knauff, der im Alter von gerade 19 Jahren und nach 44 Minuten in Kurzeinsätzen sein Startelfdebüt für Schwarzgelb gab.

Die Marschroute setzten die Borussen in der Anfangsviertelstunde überraschend gut um, die Gäste bekamen in der eigenen Hälfte sehr oft den Zugriff und näherten sich mehrfach gefährlich dem City-Strafraum. Wie so oft in dieser Spielzeit sorgte dann ein kapitaler individueller Patzer für den Rückschlag. Emre Can, zur Zeit Stammgast in Dortmunder Fehlerketten, servierte den Engländern im Aufbauspiel ohne Gegnerdruck den Ball, schon startete der Konter. Mahmoud Dahoud verpasste den Moment für ein taktisches Foul an Kevin De Bruyne, der den Rückpass von Riyad Mahrez aus kurzer Distanz einschob (19.). Die aus BVB-Sicht völlig unnötige Führung für die Citizens.

Manchester gegen den BVB: Schiedsrichter Hategan neben der Spur

Vom Gegentreffer ließen sich die Dortmunder nicht beeindrucken, viel mehr irritierte der rumänische Unparteiische Ovidiu Hategan mit seinen Entscheidungen. Eine plumpe Schwalbe von Rodrigo nach minimalem Kontakt von Emre Can wertete er als Strafstoß, ehe er diese Entscheidung nach Bilderstudium am Spielfeldrand zurücknahm (30.).

Kurz darauf der nächste Aufreger: Als Jude Bellingham die Kugel vor Manchesters Torhüter Ederson wegspitzelte und allein aufs leere Tor zulief, pfiff Hategan die Szene unmittelbar wegen gefährlichen Spiels zurück. Doppelt ärgerlich und doppelt bitter für den BVB: Bellingham ging zwar mit gestrecktem Bein und offener Sohle in den Zweikampf, war aber klar vorm Keeper am Ball, der vielmehr ihn trat. Da musste man nicht zwingend Foul pfeifen. Und zweitens hätte der Referee das Spiel erst einmal laufen lassen und danach die Videobilder zu Rate ziehen können. Zu allem Überfluss sah der junge Borusse auch noch Gelb. Ein Irrsinn! „This ref needs checking“, twitterte der verletzte Jadon Sancho.

BVB-Torjäger Erling Haaland verpasst den Ausgleich

Dennoch: Dortmunds Auftritt schürte Zuversicht, die „Skyblues“ hatten keine weiteren Szenen, wo sie die Gäste knacken konnten. Die erwartete haushohe Überlegenheit der „besten Mannschaft der Welt“ (Terzic) ließ die Borussia einfach nicht zu. Drei zu drei Torschüsse zur Pause und 36 Prozent Ballbesitz mit Torchancenpotenzial waren ein passables Zwischenzeugnis. Der BVB zeigte sein Champions-League-Gesicht. Die BVB-Fans in der Heimat fragten sich: Warum nicht immer so?

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Champions League, Viertelfinale: Manchester City – BVB 2:1 (1:0)

Kaum zwei Minuten nach Wiederanpfiff bot sich die bis dahin größte Chance zum Ausgleich: Dahoud öffnete mit einem Gündogan-Gedächtniskreisel das ganze Spielfeld und schickte Erling Haaland steil, der schüttelte seinen Gegenspieler ab, dann untersagte Ederson seinem Abschluss mit einer starken Abwehraktion in letzter Sekunde die Krönung (48.).

Borussia Dortmund schnuppert an einer faustdicken Überraschung

Im Duell Weltauswahl gegen Bundesliga-Sorgenkind blieben die Kräfteverhältnisse ausgeglichen. Dortmund zeigte Lauf- und Leidensbereitschaft, behielt die Ruhe am Ball und bekam Möglichkeiten. Mateu Morey fehlte nach feinstem Dahoud-Pass das Durchsetzungsvermögen (56.), Kapitän Marco Reus zirkelte einen Freistoß aus 17 Metern in die Mauer (62.). Hinten rettete Marwin Hitz mit dem Fuß, weil Phil Foden bei einer Großchance die Übersicht fehlte (65.).

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Bei den Schwarzgelben wurden zwar die Beine schwerer, doch Reus schlug zu (83.): Der BVB eroberte im Gegenpressing den Ball, über den starken Bellingham und Haaland landete die Kugel beim Kapitän, der ins hintere Toreck traf – 1:1! Für wenige Minuten schnupperte Dortmund an einer faustdicken Überraschung. Dann traf Foden. Die „Weltsensation“, als die Klubchef Hans-Joachim Watzke ein Weiterkommen gegen den Topfavoriten bezeichnet hat, ist im Rückspiel am nächsten Mittwoch (21 Uhr) trotzdem im Bereich des Möglichen.

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