Wechsel im Ultra-Block: So will der BVB auf die Stimmungskritik reagieren

hzBorussia Dortmund

Das Fußballstadion mit der besten Stimmung? Steht in Dortmund. Doch ekstatisch wie vor Jahren sei die Atmosphäre nicht mehr, bemängeln die Fans. Jetzt will der BVB erste Gegenmaßnahmen ergreifen.

Dortmund

, 23.06.2019, 07:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nach dem letzten Heimspiel der Saison gab es sogar implizit Spott vom Gegner. Borussia Dortmund gewann mit 3:2 gegen Fortuna Düsseldorf, wahrte seine Chance auf die Meisterschale und die laut Stadionsprecher Norbert Dickel „besten Fans der Welt“ ernteten Häme. „Wir hatten hier das Gefühl, ein Heimspiel zu haben - und das in Dortmund“, sagte Fortunas Sportvorstand Lutz Pfannenstiel. Der Mann, der auf allen Kontinenten gekickt hat, hatte wie alle anderen Zuschauer wahrgenommen: 7000 Düsseldorfer Fans stellten die lauteste Partei unter den 81.365 Stadionbesuchern.

Beste Stimmung beim BVB

Wer über die angeblich verschlechterte Stimmung im Stadion lamentiert, jammert wohlgemerkt auf hohem Niveau. Das haben nicht zuletzt die Profis der Bundesliga zu verstehen gegeben: In der jährlichen Umfrage im Fachmagazin „kicker“ nannten 35,2 Prozent die Dortmunder Arena als Stadion mit der besten Atmosphäre. Inzwischen dicht gefolgt und gefühlt eingeholt von Eintracht Frankfurt (30,8 Prozent). Es gab Zeiten, in denen die schwarzgelbe Vormachtstellung in dieser Kategorie größer ausgefallen ist.

Wechsel im Ultra-Block: So will der BVB auf die Stimmungskritik reagieren

Der gegenseitige Applaus nach den Spielen ist sicher. In der abgelaufenen Saison durften sich die BVB-Profis auch des Öfteren durchaus intensiver feiern lassen. © imago

Vor der abgelaufenen Spielzeit galt es als eine der Prioritäten der Klubführung, die Verbundenheit zwischen Fans und Mannschaft wiederherzustellen. Das ist dank der starken Auftritte der schwarzgelben Profis gelungen. Der gegenseitige Applaus unmittelbar vor und in der Regel auch nach den Spielen dient dafür als ein sichtbares Zeichen. Mehrere eindrucksvolle Choreografien in der Rückrunde (Tottenham, Wolfsburg, Mainz) machten mächtig Eindruck.

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Bei entsprechenden Highlights und passenden Spielverläufen (Augsburg, München) schwillt die Lautstärke in Orkan-Dimensionen an. Auch beim Rückspiel gegen Tottenham lag das Stadion bis zur Vorentscheidung im Wunder-Fieber. Ausnahmen. Von Ergebnissen und Spielverläufen abhängiger Support. Es häufen sich die Einschätzungen, dass „früher mehr“ los war.

Bewölkte Stimmung im Signal Iduna Park

Bereits im Januar beschwerte sich das Fanportal „schwatzgelb.de“ über die angesichts des sportlichen Hochs eher bewölkte Stimmung im weiten Rund. „Meister wirste nicht vom zugucken“, stand im Titel, im Artikel fand sich handfeste Kritik. „Der Großteil schaut sich das Spiel an und wartet auf das Tor, um dann endlich das Pippi-Langstrumpf-Lied („Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia“, Anm. d. Red.) singen und dabei hüpfen zu können. Aber so funktioniert das nicht“, hieß es dort. Da brauche auch niemand „den altbekannten Grund anführen, dass man einfach kein Bock auf permanenten Dauersingsang der Ultras habe“.

„Der Großteil schaut sich das Spiel an und wartet auf das Tor, um dann endlich das Pippi-Langstrumpf-Lied singen und dabei hüpfen zu können.“
schwatzgelb.de

Situativ funktioniert der Wechselgesang zwischen Südtribüne und dem restlichen Stadion („BeeVauBee - BeeVauBee“), manchmal steht auch (fast) das ganze Stadion auf - es sind auch immer noch viel mehr als andernorts. Aber nicht mehr das, was Dortmund mal ausgezeichnet hat.

The Unity verteilte Handzettel im Stadion

„Uns eilt in aller Welt ein Ruf voraus, dem wir leider nicht mehr allzu häufig gerecht werden“, hieß es in einem Handzettel, den die Ultraguppe „The Unity“ in Zusammenarbeit mit den Gruppen des Bündnisses Südtribüne Ende Februar im „Westfalenstadion“ verteilte. „Wir alle wissen, dass Zusammenhalt und die daraus resultierende Kompromissbereitschaft leider nicht mehr allzu oft dieser Magie entsprechen.“

„Es ist unsere Pflicht, die Südtribüne so zu gestalten, dass sie ihrem Ruf wieder gerecht wird.“
The Unity

Es sei ein Leichtes, „die schlechter werdende Heimspielstimmung auf die anderen zu schieben. Es ist unsere Pflicht, die Südtribüne so zu gestalten, dass sie ihrem Ruf wieder gerecht wird.“ Es müsse auch für die Gegner wieder „unangenehm sein, in Dortmund spielen zu müssen“. Der Aufruf endete mit dem Appell, dass sich alle, auch die Fans auf den Sitzplätzen, wieder mehr engagieren.

Ein Problem sei, dass nur die Ultras Stimmung machen, urteilte Christian Dallmann auf unserer Facebook-Seite. „25.000 auf der Süd und nur 500 machen Stimmung. Das ist sowas von erbärmlich.“ Viele User bemerken dort aber auch, dass viele Lieder nicht zum Mitsingen taugen oder zu lange angestimmt würden - dann blieben halt nur noch die Ultras in den Blöcken 12 und 13 übrig. User Lutz Heinrich meint lapidar: „Heutzutage sind überall die Auswärtsfans die lautesten. Zuhause wird‘s nur laut, wenn die Mannschaft gut spielt und abliefert. Das tut der BVB aber in der Rückrunde nicht.“

So wollen die Ultragruppen reagieren

Der BVB spielte nicht gut? Mindestens zwei eigene Tore in allen 17 Bundesliga-Heimspielen tun der Gier nach Unterhaltung offenbar nicht genüge. Eine gewisse Sättigung auf den Sitzplatz-Tribünen, wo die Erwartungshaltung nach vielen sportlich sehr erfolgreichen Jahren ausgeprägter und höher angesiedelt zu sein scheint als auf den Stehplätzen, mag ihren Teil zur fehlenden Sangeslust beitragen.

Auch in den innersten Fankreisen wird erregt darüber diskutiert, was denn los sei im Stadion, was fehle oder worin die häufigere Funkstille ihre Ursachen hat.

Wechsel im Ultra-Block: So will der BVB auf die Stimmungskritik reagieren

Die „Gelbe Wand“ stellt ein imposantes Bild dar, bemängelt wird derzeit aber die verhältnismäßig schlechte Stimmung. © imago

Einen konkreten Vorschlag zur Verbesserung gibt es: Die drei Ultragruppen „The Unity“, Desperados“ und „Jubos“ wollen sich mit einem Block- oder Standortwechsel neu aufstellen, um mehr Wucht zu erzeugen. Allzu oft zeigte sich das Bild, dass Singen, Hüpfen und Klatschen auf den kegelförmigen Kern im Block „drölf“ beschränkt blieb.

Zweites Podest für Vorsänger?

Wie dem Protokoll der letzten Fanratssitzung zu entnehmen ist, soll sich zur neuen Saison die größte Ultragruppe „The Unity“ in den Blöcken 12 und 13 ausbreiten, in Block 13 sogar bis an die Grenze zu Block 14. Die „Desperados Dortmund“ und „Jubos“ sollen vom Platz gesehen links die Fläche verbreitern. So soll „die Stimmung nicht mittig der Tribüne gekesselt sein, sondern sich nach außen ausbreiten“, lautet die Wunschvorstellung. Auch Gedanken über ein zweites Podest für Vorsänger werden durchgespielt.

Dass die Stimmung im Stadion wieder mehr „lodern“ muss, ist auch ein erklärtes Ziel der Klubführung. In den höheren Etagen am Rheinlanddamm hat man erkannt, dass dies kein Selbstläufer ist. Fanvertreter aus verschiedenen Richtungen werden sich in den kommenden Wochen zusammensetzen. Auch der Ablauf der Einstimmungszeremonien mit Einlauf-Intro und „Heja BVB“ unmittelbar vor dem Anpfiff steht dabei wohl auf dem Prüfstand.

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