Wenig BVB beim DFB: Borussia Dortmund in der Nebenrolle

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Für die deutsche Nationalmannschaft stehen die letzten Länderspiele dieses Jahres an. Der BVB spielt beim DFB nur eine Nebenrolle. Mal wieder.

Dortmund

, 11.11.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer es nicht besonders gut meint mit der deutschen Nationalmannschaft, und das sind ja selbst laut Oliver Bierhoff zu viele, der könnte unken, dass es für den Weltmeister von 1954, 1974, 1990 und 2014 womöglich ein mittelgroßes Glück ist, dass die Länderspiele gegen die Tschechische Republik am Mittwochabend und gegen die Ukraine am Samstag im Leipziger Zentralstadion wegen der Corona-Pandemie ohne Zuschauer stattfinden müssen. Besonders viele wären, traut man den Eindrücken aus der Vor-Corona-Zeit, wohl ohnehin nicht gekommen.

Geisterspiele sind das geringe Übel für die Nationalmannschaft

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Geisterspiele erscheinen für die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in diesen Tagen fast das geringere Übel zu sein als Spiele, zu denen nur gespenstisch wenig zahlende Zuschauer kommen, obwohl ein volles Rund erlaubt wäre – und hinterher steht dann wieder überall geschrieben, dass die Stimmung trotz des Fan Clubs Nationalmannschaft powered by Coca Cola einmal mehr schlechter war als die Wetterlage im November. Nun werden nur die miesen TV-Quoten seziert werden, immerhin ein Übel weniger.

Die deutsche Nationalelf, die vermutlich besser niemals auf den Namen „Die Mannschaft“ getauft worden wäre, so viel ist unstrittig, hatte schon berauschendere Zeiten. Nationalmannschaftsdirektor Bierhoff, Manager und Verkäufer des DFB-Teams, spricht von dunklen Wolken über der Mannschaft und fehlender Lagerfeuer-Romantik, wenn er sagt: „Die Nationalmannschaft ist gerade nicht Deutschlands liebstes Kind und nicht das Lagerfeuer.“ Doch, so könne er versichern, die Mannschaft wolle „ein neues Bild der Nationalelf vermitteln“.

Nur drei BVB-Profis sind bei den Länderspielen dabei

Bei Borussia Dortmund stellt man sich durchaus die Frage, welche Akzente der BVB auf diesem Bild zukünftig setzen soll. Deutschlands Nummer zwei im Vereinsfußball spielt bei der Nationalelf, die Bayern Münchens Boss Karl-Heinz Rummenigge noch immer die „wichtigste deutsche Fußballmannschaft“ nennt, nur eine Nebenrolle. Für die drei letzten Länderspiele des Jahres gegen die Tschechische Republik, gegen die Ukraine und gegen Spanien sind in Mahmoud Dahoud, Julian Brandt und Nico Schulz nur drei BVB-Profis nominiert worden, die in ihrem Verein keine Hauptrolle übernehmen – und bei denen die Dortmunder Verantwortlichen hoffen, dass sie beim DFB Selbstvertrauen und Spielpraxis für die nächsten Wochen in Dortmund sammeln. Das ist eigentlich die falsche Reihenfolge.

Zu Brandt, Schulz und Dahoud gesellen sich noch die Nationalspieler Emre Can und Marco Reus, auf die Löw dieses Mal verzichtet, weil Can nach überstandener Covid-19-Infektion gerade erst zurück auf dem Platz ist und Reus nach seiner langen Verletzungspause in diesem Jahr noch Sonderschutz genießt. Mit Blick auf die EM im nächsten Sommer müsse man schauen, sagt Löw, „dass Marco gut über den Winter kommt“. Es bestehe Einigkeit mit BVB-Trainer Lucien Favre, „dass Marco die kommenden zwei Wochen nutzt, um in Dortmund zu trainieren“.

BVB-Abwehrchef Mats Hummels ist und bleibt bei Joachim Löw außen vor

Und so wird beim DFB derzeit am meisten über einen BVB-Akteur gesprochen, der zwar gerne noch für die Nationalmannschaft spielen würde, aber seit Ende 2018 nicht mehr darf. Mats Hummels, der in dieser Saison im Verein bislang sieben Minuten länger auf dem Platz stand als Brandt, Dahoud und Schulz zusammen, ist und bleibt bei Joachim Löw außen vor, genauso wie Jerome Boateng oder Thomas Müller.

Ob dieser Entschluss die Wolken über der Nationalelf dunkler oder heller werden lässt, müssen Oliver Bierhoff und Joachim Löw entscheiden, nach Lagerfeuer aber fühlen sie sich eher nicht an.

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