Wie Heinrich Kwiatkowski trotz 14 Gegentoren in zwei WM-Spielen erster BVB-Weltmeister wurde

Zeitspiel

Zwei WM-Einsätze, 14 Gegentore. Eine schlechtere Bilanz kann es für einen Torwart kaum gegen. Und doch hatte BVB-Keeper Heinrich Kwiatkowski seinen Anteil am Wunder von Bern 1954.

Dortmund

von Gerd Kolbe

, 20.06.2019, 13:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie Heinrich Kwiatkowski trotz 14 Gegentoren in zwei WM-Spielen erster BVB-Weltmeister wurde

Im BVB-Trikot machte Heinrich Kwiatkowski stets eine gute Figur. Seine Bilanz in der Nationalmannschaft war kurios. © imago

„Heini, fausten!“ schallte es in den 1950er-Jahren häufig in lauten Chören von den Rängen des Stadions Rote Erde, wenn Heinrich Kwiatkowski, Borussias Meistertorhüter von 1956 und 1957, in Aktion trat. Der Kwiat, wie er liebevoll von seinen Fans genannt wurde, war ein außergewöhnlicher Keeper, der sowohl auf der Linie als auch in der Strafraumbeherrschung brillierte.

Herberger bringt B-Team gegen Ungarn - Kwiatkowski kann einem Leid tun

Deshalb kann es auch nicht verwundern, dass er 1954 von Sepp Herberger als einer der drei Torhüter für die WM nominiert wurde. „Fußballgott“ Toni Turek war die Nummer eins, um den Platz dahinter bewarben sich Kwiatkowski und Heinz Kubsch aus Pirmasens.

Wie Heinrich Kwiatkowski trotz 14 Gegentoren in zwei WM-Spielen erster BVB-Weltmeister wurde

Das WM-Aufgebot 1954 mit Trainer Sepp Herberger (o.v.l.), Masseur Erich Deuser, Günter Baumann, Herbert Erhardt, Alfred Pfaff, Richard Herrmann, Werner Kohlmeier, Heinz Kubsch, Helmut Rahn,Werner Liebrich, Horst Eckel, Fritz Walter, Hans Schäfer, Hans Bauer, Herbert Schäfer und (u.v.l.) Gerd Harpers, Fritz Laband, Ulrich Biesinger, Richard Gottinger, Jupp Posipal, Jupp Röhrig, Bernie Klodt, Toni Turek, Max Morlock, Karl Mai, Paul Mebus, Karl-Heinz Metzner und Heinrich Kwiatkowski. © imago

Deutschland startete mit einem sicheren 4:1-Sieg gegen die Türkei in das WM-Turnier. Anschließend waren am 20. Juni 1954 in Basel die Ungarn der Gegner, die Übermannschaft der frühen 1950er-Jahre. Das unschlagbare Team mit Puskas, Hidegkuti, Kocsic, Czibor und Bozsik, Olympiasieger 1952, sensationeller Bezwinger Englands im Jahr zuvor in Wembley und seit Jahren unbesiegt.

Die Taktik geht auf - Deutschland wird Weltmeister

Bundestrainer Sepp Herberger trat zu diesem Match mit einer B-Elf an. Im Tor stand Borussia Dortmunds Heinrich Kwiatkowski. Die Ungarn spielten ganz groß auf und ließen der deutschen Ersatzformation nicht den Hauch einer Chance. 8:3 hieß es am Ende für die Magyaren. Der wackere Kwiat konnte einem nur leid tun. Er hechtete, fing, faustete - alles vergebens!

Aber Herbergers Verschleierungstaktik ging auf. Nach Siegen über die Türkei (Wiederhungsspiel), Jugoslawien und Österreich stand die DFB-Elf am 4. Juli im Endspiel gegen Ungarn. Dort wurde sie bekanntermaßen durch einen legendären 3:2-Sieg Fußball-Weltmeister - ohne, dass sich die Ungarn in der ersten Begegnung auf die A-Elf hätten einstellen können. Und durch seinen Einsatz gegen die Ungarn avancierte Heinrich Kwiatkowski zum ersten - wenn auch unglücklichen - Weltmeister des BVB in der Vereinsgeschichte.

Wie Heinrich Kwiatkowski trotz 14 Gegentoren in zwei WM-Spielen erster BVB-Weltmeister wurde

Im Spiel um Platz drei der WM 1958 durfte Heinrich Kwiatkowski (2.v.l) wieder ran. Mit ihm auf liefen (v.l.): Hans Schäfer, Heinz Wewers, Hans Sturm, Karl-Heinz Schnellinger, Horst Szymaniak, Alfred Kelbassa, Hans Cieslarczyk, Helmut Rahn, Herbert Erhardt und Georg Stollenwerk. © imago

Vier Jahre später in Schweden ein ähnliches Bild: Nachdem Deutschland gegen Schweden in einem Halbfinale verloren hatte, das sogar diplomatische Verwicklungen nach sich zog, stand Kwiatkowski im Spiel um den dritten Platz auf dem Feld. Gemeinsam übrigens mit Aki Schmidt und Fred Kelbassa, seinen BVB-Kollegen. Diese Partie verlor Deutschland mit 4:6. Vierzehn Tore in zwei WM-Spielen. Das war heftig, das war schmerzhaft. Etwas Derartiges hat weder vorher noch danach wieder ein Nationaltorwart erleiden müssen.



Das war Heinrich Kwiatkowski:

Heinrich Kwiatkowski wurde am 16. Juli 1926 in Gelsenkirchen geboren. Seine ersten Schritte als Torwart absolvierte er bei Westfalia Schalke. Danach ging er 1947 zum FC Schalke 04. Der große Ernst Kuzorra hatte ihn empfohlen. Nach einer weiteren Zwischenstation bei Rot-Weiß Essen kam Kwiat 1952 zum BVB.

Unvergessen ist seine Leistung im Europapokal-Rückspiel 1956 gegen Manchester United, in dem er – im grünen Sweater seines Torwartkollegen Bernd Trautmann von ManCity - mit schier unglaublichen Glanzparaden zum Helden von Manchester wurde.

Kwiatkowski - der untadelige Sportsmann

Heinrich Kwiatkowski, Borussias erster Weltmeister, der in der Hausmannstraße in der südlichen Innenstadt wohnte und bei den Dortmunder Stadtwerken arbeitete, war überall sehr beliebt. Geradezu mit Engelsgeduld ausgestattet, erfüllte er jeden Autogrammwunsch und ist allen, die ihm begegneten, als untadeliger Sportsmann und einer der ganz großen Torhüter der BVB-Historie in bester Erinnerung.

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