Wie viele BVB-Fans gelten als „Gewalttäter Sport“? - Anfrage läuft

Borussia Dortmund

8000 Namen von Fußballfans hat die Polizei in der Datei „Gewalttäter Sport“ gespeichert. Darunter auch BVB-Anhänger. Wie lauten die Vorwürfe? Woher kommen die Personen? Jetzt soll Klarheit her.

Dortmund

, 09.02.2021, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Wie viele BVB-Fans gelten als „Gewalttäter Sport“? Das soll eine Anfrage der Grünen beim Bundesinnenministerium klären.

Wie viele BVB-Fans gelten als „Gewalttäter Sport“? Das soll eine Anfrage der Grünen beim Bundesinnenministerium klären. © imago

Zehn Monate mit Fußballspielen überwiegend ohne Fußballfans in den Stadien der Profiligen - und trotzdem sammelten die Behörden im Jahr 2020 Daten und Namen von 1056 weiteren Personen in der „Datei Gewalttäter Sport“ (DGS). Sie sollen im Zusammenhang mit Sportveranstaltungen auffällig geworden sein.

Die Grünen fordern Aufklärung und Details zur „Datei Gewalttäter Sport“

Wie das sein könne, wollte die sportpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag, Monika Lazar, vom Bundesinnenministerium wissen. Mit der vergleichsweise einfältigen Antwort, die Einträge seien im Laufe des vergangenen Jahres von vorherigen Delikten quasi nachgesickert, soll das BMI nicht davonkommen. Jetzt soll genau aufgeschlüsselt werden, wer in der Liste auftaucht. Und warum.

Datei „Gewalttäter Sport“ Die „Datei Gewalttäter Sport“ wird bei der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Duisburg geführt. Dort gibt es auch aktuelle Jahresberichte.

In einer „Kleinen Anfrage“ mit 22 Unterpunkten, die den Ruhr Nachrichten vorliegt, fordern die Bundestags-Grünen Aufklärung und Details. Wie viele Namen und welche weiteren Daten wurden und werden gespeichert? Was sind die Gründe dafür? Woher kommen die Personen und welchen Fußballklubs sind sie zuzuordnen? Wie oft wurden Auskünfte über Einträge ersucht, welche Daten wurden an andere Behörden oder Sportverbände weitergeleitet?

Wie viele BVB-Fans tauchen in der Datei auf?

„In der DGS sind, anders als der Name suggeriert, nicht nur Gewalttäterinnen und Gewalttäter erfasst, vielmehr kann schon eine einfache Personalienfeststellung beispielsweise im Umfeld eines Stadions oder bei der Anreise reichen, um in der Verbunddatei gespeichert zu werden“, schreiben die Grünen. Über einen Eintrag in die Verbunddatei, auf die alle Polizeibehörden zugreifen können, informiert aktuell nur das Bundesland Bremen.

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Je nachdem, wie detailliert die Antwort auf die Anfrage im Bundestag ausfällt, ließe sich erstmals seit Einführung der Datei fundiert einschätzen, wie viele Personen tatsächlich als potenzielle Gewalttäter gelten und welchen Vereinen und Bundesländern sie zugeordnet werden können. Und damit auch die Frage, wie viele BVB-Fans bei der Polizei als „Gewalttäter Sport“ gelten.

Scharfe Kritik von der Dortmunder Fanhilfe

Vor allem wegen ihrer weitgehenden Intransparenz steht die DGS bei der aktiven Fanszene, bei Fanhilfen und -anwälten in der Kritik. Die Dortmunder Fanhilfe forderte, wie vor wenigen Tagen berichtet, umfassende Änderungen und Verbesserungen und stellte dafür einen Anforderungskatalog auf, der inhaltlich denen anderer Bündnisse und der Anfrage der Grünen-Fraktion ähnelt.

„Sollten diese Anforderungen nicht erfüllt werden können, ist die DSG aus unserer Sicht stattdessen in ihrer gegenwärtigen Form abzuschaffen“, schreibt die Fanhilfe Dortmund.

Auch „Stadionallianzen gegen Gewalt“ verärgern die Fans

Die Fanhilfen hatten auch die neu geschaffenen „Stadionallianzen gegen Gewalt“ scharf kritisiert. Der BVB und weitere Profiklubs in NRW hatten gemeinsam mit der Polizei im September 2020 eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um gemeinsam gegen Gewalt im Rahmen von Fußballspielen vorzugehen. Die Stadionallianz, kritisierte die Dortmunder Fanhilfe gemeinsam mit weiteren Fanhilfen aus NRW, eröffne den örtlichen Polizeibehörden unter dem Vorwand der vermeintlichen Sicherheit neue Handlungsräume und lasse eine verstärkte Kriminalisierung von Fußballfans erwarten.

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